Beluga-Gründer

Stolberg engagiert Star-Anwalt

Der frühere Bremer Reeder lässt sich jetzt von einem der prominentesten Strafverteidiger Deutschland vertreten. Nach der Verurteilung versucht er alles, um nicht ins Gefängnis zu müssen.
10.11.2018, 06:00
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Stolberg engagiert Star-Anwalt
Von Jürgen Hinrichs
Stolberg engagiert Star-Anwalt

Niels Stolberg vor dem Bremer Landgericht, das den Ex-Reeder im März zu einer Freiheitsstrafe von drei Jahren und sechs Monaten verurteilt hat.

Frank Thomas Koch

Niels Stolberg ist auf freiem Fuß, und er tut alles, damit das so bleibt. Der ehemalige Bremer Reeder treibt nach dem Gerichtsurteil gegen ihn die Revision voran und hat dafür nach Informationen des WESER-KURIER einen der prominentesten und wohl auch teuersten Strafverteidiger Deutschlands verpflichtet.

Gerhard Strate ist ein Spezialist für schwierige Fälle. Furore gemacht hat der Anwalt zuletzt mit dem Wiederaufnahmeverfahren für Gustl Mollath. Der Mann saß nach einer Zwangseinweisung viele Jahre in der Psychiatrie, zu Unrecht, wie sich herausstellte. Strate erreichte die Freilassung. Begründet wird die Revision nicht mit Formfehlern, sondern mit inhaltlichen Rechtsfragen.

In erster Linie geht es dabei um den Vorwurf des Kreditbetrugs zulasten des Hedge-Fonds Oaktree, der als Teilhaber in Stolbergs Reederei Beluga eingestiegen war. Oaktree, so das Argument von Strate, sei bei Beluga als Investor aufgetreten und nicht als Kreditgeber. Von Kreditbetrug könne deshalb keine Rede sein.

Lesen Sie auch

Mit Fehlern behaftet sei auch die Beurteilung des Vorwurfs der Untreue gegenüber einem Kommanditisten, der sich mit fünf Millionen Euro an einer Schiffsgesellschaft der Reederei beteiligt hatte. Strate stellt infrage, dass hinreichend geprüft wurde, ob dem Anleger überhaupt ein Schaden entstanden ist. Die Bremer Staatsanwaltschaft hat in dem Verfahren ebenfalls Revision eingelegt und sie auf 30 Seiten ausführlich begründet, wie Behördensprecher Frank Passade auf Anfrage mitteilt.

„Dem Gericht sind aus unserer Sicht Fehler unterlaufen, die zu einer zu geringen Strafe für den Angeklagten geführt haben“, erklärt Passade. Eine Entscheidung über die beiden Revisionen fällt der Bundesgerichtshof in Leipzig. Bis dahin können allerdings noch einige Monaten vergehen. Solange bleibt das Urteil von März außer Kraft.

Stolberg war im März vom Bremer Landgericht wegen Kreditbetrugs, Untreue in besonders schwerem Fall und der Fälschung von Geschäftsunterlagen zu einer Freiheitsstrafe von drei Jahren und sechs Monaten verurteilt worden. Die drei anderen Angeklagten aus dem Management der früheren Beluga-Reederei hatten in unterschiedlicher Dosierung Bewährungsstrafen bekommen.

Mandat wurde niedergelegt

Kern der Vorwürfe war, dass das Unternehmen Eigenkapital vorgetäuscht hatte, um an Darlehen für den Bau von Schiffen zu kommen. Die Anwälte des Ex-Reeders, angeführt von Bernd Groß aus der Frankfurter Kanzlei Feigen-Graf, forderten für ihren Mandanten eine Strafe auf Bewährung. Möglich ist das bei einem Maß von bis zu zwei Jahren Gefängnis.

Sollte die Revision keinen Erfolg haben, müsste Stolberg hinter Gitter, nicht in Bremen, sondern in der Justizvollzugsanstalt in Oldenburg, wo er seinen Wohnsitz hat. Mit dem Anwalt Strate setzt Stolberg fort, was er mit der Kanzlei Feigen-Graf begonnen hat. Für seine Verteidigung sucht er sich konsequent die Besten aus.

Feigen-Graf hat unter anderen Bayern-Boss Uli Hoeneß, den ehemaligen Deutsche-Post-Chef Klaus Zumwinkel, den früheren Vorstandsvorsitzenden der Deutschen Bank, Jürgen Fitschen, und Ex-Porsche-Chef Wendelin Wiedeking vertreten. Das „Handelsblatt“ zeichnete die Frankfurter Anwälte im vergangenen Jahr als „Kanzlei des Jahres für Wirtschaftsstrafrecht“ aus. Nun aber sind sie raus bei Stolberg. Das Mandat wurde niedergelegt. Zu den Gründen gibt es keine Angaben.

Lesen Sie auch

An seiner Seite hatte der Ex-Reeder als juristischen Beistand zusätzlich auch Bernd Buchholz, den früheren Bertelsmann-Vorstand und Gruner+Jahr-Chef. Der Anwalt schied vorzeitig aus dem Gerichtsverfahren aus, weil ihn ein anderer Ruf ereilt hatte: Buchholz, ein FDP-Mann, wurde Wirtschaftsminister in Schleswig Holstein.

Feigen-Graf, Buchholz, Strate – das sind Kaliber, die ihren Preis haben. Wie sie bezahlen, wenn man nichts mehr hat? Stolberg steckt in der Privatinsolvenz. Er darf im Monat 1800 Euro für sich behalten; verdient er mehr, geht das Geld an die Gläubiger. Nennenswert bedienen kann er diese Schulden aber nicht, dafür sind sie zu hoch. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft gibt es Forderungen in Höhe von 2,2 Milliarden Euro.

Verkauf der Jacht zulasten der Gläubiger

Stolberg sprach in der Vergangenheit nebulös immer mal wieder von Gönnern, die er habe. Danach wären sie es, die die Anwälte bezahlen. Bei Feigen-Graf soll es indes anders gewesen sein. Die Oldenburger Staatsanwaltschaft glaubt, dass der Deal zwischen dem Mandanten und seinen Verteidigern folgendermaßen abgelaufen ist: Stolberg, so die Ermittler, hatte kurz nach dem Rausschmiss bei Beluga im März 2011 schnell noch eine Motorjacht verkauft, die einer seiner Gesellschaften gehörte. Mit dem Geld, 450 000 Euro, soll er sich den Beistand der Kanzlei Feigen-Graf gesichert haben.

Die Staatsanwaltschaft unterstellte dem Ex-Reeder, mit dem Verkauf der Jacht zulasten seiner Gläubiger Vermögenswerte beiseitegeschafft zu haben. Beweisen konnte sie ihm das aber nicht, die Ermittlungen wurden eingestellt, damals unter anderem mit dem Argument, dass dieser Vorwurf in der Gesamtschau der geringste sei und deshalb vernachlässigt werden könne.

Lesen Sie auch

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+