Mittelstandsstudie der Commerzbank

Unternehmen im Norden investieren mehr in Nachhaltigkeit

Viele Betriebe im Norden bemühten sich in jüngster Zeit stärker um Nachhaltigkeit. Das geht aus der Mittelstandsstudie der Commerzbank hervor. Eine Strategie haben aber längst nicht alle.
23.06.2021, 18:27
Lesedauer: 2 Min
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Unternehmen im Norden investieren mehr in Nachhaltigkeit
Von Lisa Boekhoff
Unternehmen im Norden investieren mehr in Nachhaltigkeit

Die Bedeutung der Nachhaltigkeit ist Unternehmen bewusst. Eine entsprechende Strategie gibt es aber nicht in allen Betrieben.

Uli Deck/DPA

Unternehmen im Norden sehen Nachhaltigkeit überwiegend als Chance für Wachstum und Wettbewerbsfähigkeit. Das zeigt die aktuelle Mittelstandsstudie der Commerzbank. In der Auswertung für Bremen, Niedersachsen, Hamburg und Schleswig-Holstein stimmten demnach mehr als 70 Prozent der Betriebe dieser Aussage zu. Längst nicht alle verfolgen dabei bereits eine Nachhaltigkeitsstrategie oder planen dies.

"Die Bedeutung der Nachhaltigkeit ist erkannt worden", kommentierte Stefan Otto, Bereichsvorstand der Commerzbank für Firmenkunden Nord/West, die Ergebnisse bei der Vorstellung der Untersuchung. Allerdings gebe es in Bezug auf die Umsetzung noch viel Luft nach oben. Diese Erkenntnisse deckten sich mit Gesprächen, die er mit Unternehmen regelmäßig führe.

Viele Mittelständler seien beim Thema schon "unglaublich weit". Aufwand und Ertrag von Nachhaltigkeitsmaßnahmen, beobachtet der Bereichsvorstand, stellten den ein oder anderen Betrieb aber auch vor große Herausforderungen. Derweil halten sich 80 Prozent der Befragten für gut gerüstet angesichts der Aufgabe nachhaltige Unternehmensführung. In den vergangenen zwei Jahren hat mehr als die Hälfte der Betriebe vermehrt in Nachhaltigkeit investiert.

Forsa sprach für die Studie mit Führungskräften norddeutscher Unternehmen mit einem Jahresumsatz ab zwei Millionen Euro: zunächst rund 340 Betriebe in der Zeit noch vor Corona und zu Beginn des Ausbruchs, später 120 Betriebe im Vorlauf der Pandemie. Einige Firmen nahmen an beiden Befragungen teil. Teils zeigten sich Unterschiede: So gaben in der ersten Runde noch fast 40 Prozent an, Nachhaltigkeit sei ein Unsicherheitsfaktor für die eigene Geschäftstätigkeit. Später teilten diese Aussage noch 23 Prozent der Befragten. In beiden Umfragen stimmte derweil auch rund ein Fünftel der Führungskräfte zu, dass Nachhaltigkeit keine hohe Relevanz für den Mittelstand habe.

Für Unternehmen sei "der Dreiklang aus Ökologie, Sozialem und Ökonomie" elementar, unterstrich der Präsident des Norddeutschen Unternehmensverbands AGA Hans Fabian Kruse, der ebenfalls an der Vorstellung der Studie teilnahm. Kruse kritisierte dabei, dass die ökonomische Komponente in der öffentlichen Diskussion regelmäßig zu kurz komme. Ohne Geld laufe aber nichts. "Die wirtschaftliche Leistungs- und Wettbewerbsfähigkeit ist die Voraussetzung dafür, dass der Dreiklang funktioniert, dass die Firmen in den Klima- und Umweltschutz investieren können."

Die mittelständische Wirtschaft in Norddeutschland habe, so Kruse, klare Vorstellungen von Nachhaltigkeit. Das Fehlen einer Nachhaltigkeitsstrategie, wie es 26 Prozent im ersten und 40 Prozent im zweiten Durchgang angaben, hält der Verbandspräsident nicht für ein gewichtiges Indiz. Gerade für kleinere Betriebe stehe das nicht im Vordergrund. Nach seinem Eindruck versuchten Unternehmen, Nachhaltigkeit zu leben. "Das ist für sie wichtiger, als Strategien zu verfassen." Er sei überzeugt, dass heute alle grün seien – "nicht nur ein wenig". Die Unternehmen hätten die Nachhaltigkeit und den Schutz der Umwelt verinnerlicht.

Neue Geschäftsfelder im Sinne der Nachhaltigkeit aufbauen konnten nach Angaben der jüngsten Befragung im Sommer und Herbst des vergangenen Jahres fünf Prozent der Unternehmen – zuvor waren es 20 Prozent. Kruse führte diesen Rückgang auf die Pandemie zurück. "Wir sollten nicht vergessen, dass wir in Corona-Zeiten sind." Die Unternehmen versuchten zunächst, zu überleben.

Die Commerzbank selbst muss laut Bereichsvorstand Stefan Otto als Vorbild vorangehen – bei der Nachhaltigkeit und Klimaneutralität. Die Bank wolle auf Sicht auch ein klimaneutrales Portfolio an Finanzierungen und Krediten anbieten. Diese klaren Verpflichtungen seien wichtig: "Das erwarten die Mittelständler von uns."

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