Erneuerbare Energien

Milliarden für den Wasserstoff-Ausbau

Der Bund stellt sieben Milliarden Euro für Technologien zur Verfügung, die Wasserstoff aus erneuerbaren Energien gewinnen. Davon wollen vor allem die fünf Nordländer profitieren.
11.06.2020, 05:00
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Milliarden für den Wasserstoff-Ausbau
Von Peter Hanuschke

Wasserstoff wird bereits seit mehr als 100 Jahren als Energieträger eingesetzt. Die Wasserstoffstrategie des Bundes sieht aber vor, den Klimaschutz voranzubringen: Wasserstoff soll aus erneuerbaren Energien gewonnen werden. Von dem Programm, das das Bundeskabinett am Mittwoch beschlossen und das ein Volumen von sieben Milliarden Euro hat, könnten vor allem die norddeutschen Bundesländer profitieren: Bei der Stromgewinnung aus Windkraft zählt Norddeutschland zu den ertragreichsten Gegenden. Zudem haben sich die fünf Länder im Herbst auf einen gemeinsamen Ausbau der grünen Wasserstoffwirtschaft geeinigt.

Ganz bei null startet die Wasserstoffstrategie nicht. Es gibt bereits verschiedene Bundesprogramme und Initiativen auf regionaler Ebene – etwa das 2016 gegründete Netzwerk „Wasserstoff für die Region Bremerhaven – H2BX“. Und das Bundesverkehrsministerium fördert schon 16 Regionen in Deutschland, die künftig verstärkt auf Wasserstoff aus erneuerbaren Energien setzen wollen. Die Metropolregion Nordwest wird darüber mit 22 Millionen Euro unterstützt. Dass die Nutzung von Wasserstoff als Energieträger funktioniert, dafür gibt es einige Beispiele.

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Eins davon ist der mit Wasserstoff betriebene Brennstoffzellen-Zug von Alstom, der seit 2018 im regulären Linienverkehr von Cuxhaven über Bremerhaven nach Buxtehude eingesetzt wird. Auch die Autohersteller widmen sich diesem Energieträger: So wird unter anderem bei Mercedes in Bremen der GLC F-Cell produziert. Das Fahrzeug fährt hauptsächlich mit Brennstoffzelle.

„Die nationale Strategie kommt zwar spät, aber der Handlungsrahmen enthält gute Impulse“, sagt Wirtschaftssenatorin Kristina Vogt (Linke). „Ich begrüße den Fokus auf Bereiche, die sich ohne Wasserstofftechnologien nicht dekarbonisieren lassen, wie etwa die Stahlindustrie oder die Luftfahrt.“ Beide Branchen seien in Bremen verortet. Die angestrebte Befreiung der Produktion von grünem Wasserstoff von der EEG-Umlage sei nötig, um die Kosten zu senken.

Im Sinne des Klimaschutzes sei die Förderung von Investitionen in Elektrolyseure jetzt schnell durch die Bundesregierung umzusetzen. Der in der Strategie enthaltene Ausbau der Offshore-Windenergie werde dazu beitragen, den zusätz­lichen Energiebedarf zu bedienen. „Bremen wird daher die Umsetzung der nationalen Strategie im engen Schulterschluss mit den norddeutschen Ländern begleiten und ­zukunftsweisende Projekte im Norden umsetzen.“

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Das Bundesprogramm, das auch zwei Milliarden Euro für internationale Partnerschaften beinhaltet, wird auf die bestehenden Programme aufgesattelt. Bis 2030 sollen in einem ersten Schritt Erzeugungsanlagen für Wasserstoff von bis zu fünf Gigawatt Gesamtleistung in Deutschland entstehen. „Das Programm ist auf jeden Fall der richtige Schritt, um die Anwendungsvielfalt des Wasserstoffs nach vorne zu bringen“, sagt Carsten Fichter, Professor für Windenergietechnik, Energiewirtschaft und Speicherung an der Hochschule Bremerhaven.

Allerdings werde sich zeigen, dass die sieben Milliarden Euro bei Weitem nicht ausreichen werden, um eine weitreichende Infrastruktur aufzubauen. „Das Geld wäre allein schon dafür aufgebraucht, um ausreichend hochleistungsfähige Elektrolyseure zu installieren, die beispielsweise Windenergie in Wasserstoff als Energieträger umwandeln.“ Das Bundesprogramm könne aber dazu beitragen, das Henne-Ei-Problem zu lösen, so Fichter.

„Denn bislang gibt es zum einen zu wenig industrielle Abnehmer und Mobilitätsnachfrager nach Wasserstoff aus erneuerbaren Energiequellen, um Elektrolyseure wirtschaftlich betreiben zu können, und zum anderen gibt es eben auch zu wenig Abnehmer und Anwendungen.“ Das Bundesprogramm könne dabei helfen, dieses „Abwarten“ zu durchbrechen.

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„Es ist gut, dass die Große Koalition endlich eine Wasserstoff-Strategie vorlegt“, so Umweltsenatorin Maike Schaefer (Grüne). Energiepolitisch sei das überfällig. „Und unser geplanter Wasserstoff-Cluster in Bremerhaven wird davon profitieren.“ Die Strategie sei zum Scheitern verurteilt, wenn die nötigen Rahmenbedingungen fehlten. Es müssten endlich die bestehenden Bremsen beim Ausbau der Erneuerbaren gelöst werden. „Zudem brauchen wir verpflichtende Beimischquoten etwa im Luftverkehr oder Erdgasnetz.“

Wasserstoff werde sich als ein „eleganter Baustein“ in der Energiewirtschaft etablieren und den Ausbau von erneuerbaren Energien zielgerichtet ergänzen, so Fichter. „Bei vielen Vorteilen von Wasserstoff darf aber nicht vergessen werden, dass die direkte Stromnutzung, wenn sie denn möglich ist, immer vorzuziehen ist.“ Das bedeute auf den künftigen Energiebedarf bezogen, dass noch mehr Wind- und Fotovoltaikanlagen benötigt werden.

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