Corona-Krise schadet Flughäfen

Bremer Airport deutlich im Minus

In Bremen und Hannover gab es coronabedingt bislang nur gut ein Drittel der Fluggäste des Vorjahreszeitraums. Das entspricht etwa der Entwicklung an allen deutschen Flughäfen.
07.07.2020, 05:00
Lesedauer: 2 Min
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Von Peter Hanuschke und Christopher Weckwerth
Bremer Airport deutlich im Minus

So wie am Bremer Flughafen gab es wegen der Corona-Krise über mehrere Wochen nahezu keinen Flugverkehr an deutschen Airports.

Frank Thomas Koch

Am Montag ist zum ersten Mal eine Maschine von Voyage Air vom Bremer Flughafen abgehoben. Die Boeing 737-500 mit 126 Sitzen, die zur bulgarischen Hafenstadt Varna geflogen ist, war laut Voyage-Air-Website ausgebucht. Das ist gut für die Airline. Und das ist gut für den Bremer Airport. Jede Fluggesellschaft, die ihren Betrieb wieder aufnimmt oder neu startet, hellt ein bisschen die Bilanz auf. Mehr als kosmetische Korrekturen sind das aber nicht. In Bremen fiel die Zahl der Passagiere bis Ende Juni von mehr als einer Million auf gut 382.000.

Für das Gesamtjahr rechnet der Flughafen nur noch mit gut 600.000 Reisenden. Dabei war das Jahr gut gestartet: 148.000 Passagiere nutzten den Airport – 7,7 Prozent mehr als im Januar 2019. Im Februar gab es mit 150.000 Passagieren sogar ein Plus von 17,3 Prozent. In Hannover lag das Passagieraufkommen in den ersten beiden Monaten vor Beginn der Corona-Krise etwa auf dem Niveau von Januar und Februar 2019. Und in Hamburg – Norddeutschlands größtem Flughafen – war die Bilanz schon vor den Krisenmonaten etwas eingetrübt: Da gab es bereits im Januar und Februar ein Minus von 5,1 beziehungsweise 6,6 Prozent.

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Die Jahresbilanz aller Flughäfen wird verhagelt sein – so auch in Hannover. Denn nach der wochenlangen coronabedingten Zwangspause ist klar, dass das Passagieraufkommen an allen Flughäfen im Vergleich zum Vorjahreszeitraum extrem eingebrochen ist – das macht sich auf der Einnahmenseite bemerkbar. Nicht von ungefähr hatte etwa die Bremer Flughafen GmbH bereits Anfang Mai wie berichtet 28 Millionen Euro aus dem sogenannten Cash-Pooling beantragt, um überhaupt bis Juni 2021 noch geschäftsfähig bleiben zu können. Den Topf hatte die Stadt eingerichtet, um eigenen Unternehmen Überziehungskredite wegen Einnahmeausfällen zu gewähren, die durch die Corona-Krise entstanden sind.

In der Corona-Krise wurden sowohl in Hannover als auch in Bremen und Münster-Osnabrück nur gut ein Drittel der Fluggäste des Vorjahres gezählt. Zusammengerechnet fiel der Wert um rund 2,9 Millionen auf knapp 1,4 Millionen Passagiere. Allerdings ist mittlerweile der Luftverkehr an allen Flughäfen wieder langsam angelaufen. Nach Angaben des Flughafenverbands ADV lag das Passagieraufkommen (an und ab) von Januar bis Mai zusammen an allen deut­schen Flug­hä­fen bei 38,31 Millionen Pas­sa­giere. Das entspricht einem Minus im Vergleich zum Vorjahreshalbjahr von 59,1 Prozent.

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In Hannover-Langenhagen hoben in den ersten sechs Monaten rund 842 000 Passagiere ab, und damit fast zwei Millionen weniger als im Vorjahr. „Vorsichtig optimistisch“ zeigte sich Sprecher Sönke Jacobsen auch mit Blick auf den Wiederanlauf des Flugverkehrs, der in den vergangenen Tagen Stück für Stück ausgebaut wurde. „Die Auslastung der Maschinen war gut, und man spürt die starke Nachfrage nach Mobilität, vor allem im touristischen Bereich“, sagte er.

„Unter diesen Voraussetzungen erwarten wir circa zwei Millionen Fluggäste in diesem Jahr.“ Im Vorjahr waren insgesamt noch 6,32 Millionen Reisende am Flughafen HAJ, so viele wie nie zuvor. Ein Plus gab es dagegen bei der Luftfracht, die der Airport Hannover-Langenhagen von 4200 auf fast 8800 Tonnen mehr als verdoppelte. In Bremen war der Bereich Luftfracht zumindest in den ersten beiden Monaten dieses Jahres etwas über dem Niveau des Vorjahreszeitraums.

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