Ideen für Hundefreilaufflächen Wo Hunde toben können

Neue Flächen, wo Hundehalter ihre Vierbeiner ganzjährig legal ohne Leine laufen lassen können, sind gesucht. Die Beiräte im Bremer Süden schlagen nun mehrere Areale vor.
13.11.2019, 17:52
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Von Karin Mörtel

Zwei Hunde jagen in hohem Tempo über eine Wiese der Neustadtswallanlagen. Aufpassen, dass die beiden spielenden Tiere keinem Radfahrer in die Quere kommen, müssen ihre Frauchen nicht. Denn die Neustädterinnen haben gezielt die eingezäunte Hundefreilauffläche nahe der Bahnlinie Bremen-Oldenburg angesteuert. Es ist die einzige öffentliche Anlage dieser Art im Bremer Süden, bremenweit gibt es bislang nur zwei.

Seit 2011 sucht die Baubehörde in Kooperation mit den Beiräten weitere Flächen, auf denen Hundehalter ihre Vierbeiner ganzjährig legal frei laufen lassen können. Aktuell läuft die Suche nach Jahren des Stillstands in einigen Stadtteilen links der Weser wieder an. Gleich drei Areale hat jüngst der Umweltausschuss des Obervielander Beirates vorgeschlagen, die die Umweltbehörde nun daraufhin überprüfen soll, ob sie als Freilaufflächen geeignet sind.

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„In den letzten Jahren gab es keinen Bedarf, doch nun haben sich mehrere Hundebesitzer gemeldet, die solche Flächen nutzen wollen, daher sollten wir aktiv werden“, begründete Ortsamtsleiter Michael Radolla die Notwendigkeit, im Stadtteil das Thema voranzutreiben. Gerd Schmidt (CDU) betonte zudem, dass auch Ersatz für die Wiese gesucht werden müsse, auf der aktuell die Gartenstadt Werdersee errichtet wird. „Die Hunde, die dort früher ausgeführt wurden, sind ja noch da und der Bedarf ist weiterhin hoch“, so das Ausschussmitglied.

Sonderwürste für Hundebesitzer?

In Kattenturm südlich der BMW-Niederlassung bis hin zum Krimpelsee lautete daher sein Vorschlag. Eine Idee, die im Ausschuss breite Zustimmung fand. Beiratssprecher Stefan Markus (SPD) brachte zudem den zentralen Bereich des Arster Parks neben der Markusgemeinde in Kattenturm ins Spiel. Als Pluspunkt gilt dort die gute Parkmöglichkeiten gegenüber im Parkhaus Hinterm Sielhof.

Ausschusssprecher Erich Peters (SPD) zweifelte hingegen den Sinn von derartigen Freilaufflächen an: „Ich sehe es kritisch, wenn Hundebesitzern extra Flächen angeboten werden, damit ihre Vierbeiner dort ihren Darm entleeren können.“ Mit dieser Ansicht entwerte er das Problem, kritisierte daraufhin Roman Fabian (Linke). „Das sind keine Hundekackwiesen, sondern Flächen, die Hunde angesichts unserer weitreichenden Leinenpflicht in Bremen dringend brauchen, um sich ausreichend bewegen zu können.“

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Der dritte Vorschlag des Umweltausschusses bezieht sich auf eine Grünfläche in Arsten am Ahlker Fleet zwischen einem Sportplatz und dem Ahlker Wäldchen. Einige Ausschussmitglieder bezweifelten, dass dort eine derartige Nutzung mit dem Naturschutz zu vereinbaren sei. Letztendlich müsse die Behörde in allen drei Fällen auch prüfen, ob auf einen Zaun um die möglichen Hundefreilaufflächen verzichtet werden könne – oder eben nicht.

Dass auf einen Zaun verzichtet werde, sei laut Gesetzeslage momentan noch gar nicht vorgesehen, erklärt Jens Tittmann, Sprecher der Umweltbehörde. „In Hamburg geht das bereits“, so Tittmann. In Bremen laufe indes noch die Prüfung, welche der bestehenden Gesetze dafür geändert werden müssten. Notwendig sei das beispielsweise beim Bremer Naturschutzgesetz und beim Ortsgesetz für die öffentliche Ordnung. „Wir befinden uns damit aber auf der Zielgeraden und hoffen, die Vorschläge möglichst früh im ersten Halbjahr 2020 in die Bürgerschaft einbringen zu können.“

Gesetzesänderung macht es einfacher

Für eine Gesetzesänderung spreche, dass dadurch die Kosten für Hundefreilaufflächen deutlich gesenkt werden könnten. Denn Zäune müssen entsprechend hoch und stabil sein, damit Hunde sie nicht überwinden oder zerbeißen können. „Je nach Größe des Areals kann das schnell teuer werden“, so Tittmann. So kostete der Bau der nur 1500 Quadratmeter großen Hundewiese in den Neustadtswallanlagen allein 30 000 Euro inklusive Zaun und der Verwandlung einer versiegelten Fläche in eine Wiese.

Insgesamt 40 Flächen in Bremen hat die Umweltbehörde bereits daraufhin geprüft, ob sie als Hundefreilaufflächen infrage kommen. Etwa zehn davon haben bislang die Beiräte vorgeschlagen, einzelne wurden von Bürgern eingereicht, die Hälfte haben Mitarbeiter der Umweltbehörde selbst ausfindig gemacht. Das wichtigste Ausschlusskriterium sei bislang der Schutz von bodenbrütenden Vögeln gewesen, gibt Tittmann Auskunft.

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Sollte die Bürgerschaft der vorgeschlagenen Gesetzesänderung zustimmen, „sind wir guter Dinge, in Bremen den Hundehaltern künftig ein gutes Angebot machen zu können“, so der Sprecher. Als Zielzahl gilt, über das Stadtgebiet verteilt insgesamt etwa acht bis zehn Areale einzurichten. Die Lage der möglichen Freilaufflächen werde aber zunächst mit den Stadtteilbeiräten besprochen. Außerdem seien auch neue Vorschläge aus den Stadtteilen weiterhin willkommen.

Genau daran wollen in naher Zukunft offenbar auch die Beiräte in Woltmershausen und Huchting arbeiten, wo es momentan noch kein öffentliches Angebot dieser Art gibt: „Der Beirat hat sich vorgenommen, zu schauen, ob nicht doch noch Flächen zu finden sind, auch wenn wir in der Vergangenheit keine gefunden hatten“, so die Woltmershauser Ortsamtsleiterin Annemarie Czichon. In Huchting ist der Beirat noch einen Schritt weiter. Der Umweltausschuss diskutiert bereits am Dienstag, 26. November, ab 18 Uhr im Ortsamt über mögliche Areale.

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