Tödliches Usutu-Virus Amselsterben breitet sich weiter aus

Seit einigen Jahren fallen vor allem Amseln in der Westhälfte Deutschlands einem tropischen Virus zum Opfer. Nun zeichnet sich eine weitere Ausbreitung des Erregers ab. Tausenden Vögeln droht der Tod.
24.08.2018, 08:33
Lesedauer: 1 Min
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Das insbesondere für Amseln gefährliche Usutu-Virus dringt in Deutschland in weitere Gebiete vor. Erstmals nachgewiesen wurde es in diesem Jahr bei toten Vögeln in Bremen, Hamburg und Bayern, wie Renke Lühken vom Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin auf Anfrage mitteilte.

Im bundesweiten Vergleich fielen mit zwölf Nachweisen demnach bislang die meisten Vögel in Hamburg dem tropischen Erreger zum Opfer. In Bremen und Bayern gibt es Lühken zufolge je zwei Nachweise. Insgesamt fanden die Spezialisten das Virus in 43 von bislang 132 untersuchten Vogelkadavern, verteilt auf zehn Bundesländer.

Lühken rechnet allerdings mit dem Tod mehrerer tausend Amseln in Deutschland durch das Virus in diesem Jahr. Dem Naturschutzbund (Nabu) wurden bisher rund 1500 Verdachtsfälle gemeldet, der Großteil davon im August. „Die 2018 bisher gemeldeten Fälle übertreffen die Zahlen aus den Vorjahren deutlich, was für ein besonders starkes Auftreten und für einen Verbreitungssprung des Virus spricht“, erklärte Nabu-Fachmann Lars Lachmann. Der warme Sommer scheine die Ausbreitung begünstigt zu haben.

Erstmals hatte der Erreger in Deutschland 2011 ein Vogelsterben ausgelöst. Anfangs waren nach Nabu-Angaben lediglich wärmebegünstigte Regionen entlang des Rheintals und am Untermain betroffen. Seit 2016 sehe man aber eine Ausbreitung über Nordrhein-Westfalen nach Norden und in Richtung Bayern, zudem habe es einen Ausbruch im Raum Leipzig und Berlin gegeben. Die Osthälfte Deutschlands blieb ansonsten jedoch weitgehend verschont.

Das Virus wird von Stechmücken übertragen, deshalb ist die Krankheit in Deutschland auf die warme Jahreszeit beschränkt. Nach Beobachtung der Experten verenden immer dann besonders viele Vögel, wenn das Virus erstmals in einer Region vorkommt. Für Menschen, die gestochen werden, besteht laut Nabu nach bisherigem Kenntnisstand keine Gefahr. Infizierte Vögel wirkten krank und apathisch, bis sie nach einigen Tagen sterben, hieß es. Gegenmittel gibt es bisher nicht.

Der Nabu ruft dazu auf, kranke und tote Vögel mit Usutu-Verdacht online zu melden. Verendete Tiere kann man zur Untersuchung einsenden, sie sollten aber nicht mit bloßen Händen angefasst werden. (dpa)

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