Kommentar über die Biennale Biennale positioniert sich erneut politisch

Die Biennale in Venedig definiert sich erneut als politische Kunst-Megaschau. Dazu passt die komplexe Arbeit der Bremer Professorin Natasha Sadr Haghighian, findet Iris Hetscher.
10.05.2019, 17:32
Lesedauer: 1 Min
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Biennale positioniert sich erneut politisch
Von Iris Hetscher

Natasha Sadr Haghighian war in einer komfortablen Position.
2017 hatte Anne Imhof für ihre „Faust“-Performance den Hauptpreis der Biennale, den Goldenen Löwen, gewonnen. Das nimmt automatisch Druck von denen, die nachfolgen. Sadr Haghighian, die an der Bremer Hochschule für Künste Bildhauerei lehrt, hat dies genutzt und beschert eine Arbeit, die sich einmal mehr kritisch mit dem monströsen Raum des Deutschen Pavillons auseinandersetzt, sich darauf aber nicht beschränkt.

Das ganze Drumherum gehört dazu – vom Verschwinden der Künstlerin als Person hinter dem Namen Natascha Süder Happelmann mit Steinskulptur auf dem Kopf bis zu Videos im Netz. Das macht es für Be­sucher der Biennale nicht einfach, das „Ankersentrum“ auf Anhieb zu ergründen. Es kreist um große Fragen: Identität, Migration und, weiter gefasst, die Frage, wie wir zusammenleben (wollen).

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Aber: Bei aller Sperrigkeit punktet das Konzept mit einem anarchisch-hintersinnigen Humor, der Besucher ködern könnte, sich intensiver mit dem „Ankersentrum“ auseinanderzusetzen. Die Biennale positioniert sich einmal mehr politisch, was ästhetisch immer die ­Gefahr des Plakativen birgt – die Documenta 14 ist an zuviel gut gemeinter plakativer Kunst fast erstickt. Was für das politische Tagesgeschäft gilt, ist ­daher für die Kunst nicht falsch: Ein-­fache Antworten auf komplexe Fragen gibt es nicht.

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