Junge Sau flüchtet vom Lkw – und lebt nun auf einem Gnadenhof Schwein gehabt

Sie sollte längst auf dem Teller gelandet sein, doch Mastschwein „Viktoria“ entkam ihrem Schicksal und ist quicklebendig. Die junge Sau, die vor zehn Monaten im Elbtunnel vom Tiertransporter hüpfte, genießt ein unbeschwertes zweites Leben auf einem Gnadenhof im Bayerischen Wald.
06.01.2018, 00:00
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Schwein gehabt
Von Markus Lorenz

Sie sollte längst auf dem Teller gelandet sein, doch Mastschwein „Viktoria“ entkam ihrem Schicksal und ist quicklebendig. Die junge Sau, die vor zehn Monaten im Elbtunnel vom Tiertransporter hüpfte, genießt ein unbeschwertes zweites Leben auf einem Gnadenhof im Bayerischen Wald. „Ihr geht es blendend, sie ist richtig glücklich“, berichtet Birgit Schulze, Betreiberin des Erdlinghofs bei Deggendorf. Kurz vor Weihnachten feierte „Viktoria“ dort ersten Geburtstag.

Dabei war ihr das übliche frühe Ende im Schlachthof zugedacht. Am 8. März 2017 war sie mit mehr als 200 Artgenossen per Lkw auf dem Weg von Dänemark zu einem Mäster in Niedersachsen, im Sommer wäre sie wohl zu Fleisch und Wurst geworden. „Wie ‚Viktoria‘ aus dem Transporter entkommen ist, weiß niemand“, sagt Birgit Schulze. Irgendwie fand das Schweinemädchen eine Lücke zwischen den Stäben, purzelte auf den Asphalt und überstand auch den Slalomlauf zwischen den Autos. Am Tunnelportal sammelte die Polizei das Borstenvieh ein und brachte es ins Hamburger Tierheim.

Die Betreuer behandelten Schürfwunden und einen dicken blauen Fleck – und gaben dem Neuankömmling eine Namen: „Viktoria“, die Siegerin. Der Besitzer habe noch versucht, die Ausreißerin zurückzubekommen, berichtet die Chefin des Erdlingshofs. Doch die Tierfreunde gaben ihren Schützling nicht mehr her. Kurz darauf ging es gut 700 Kilometer nach Süden in die neue Heimat nach Bayern. „Viktoria“ lebt artgerecht auf dem Hof, gemeinsam mit 80 Nutz- und Haustieren, vom Hund bis zum Schaf. Auch Artgenossen sind darunter, etwa Minischwein „Vroni“, die beste Freundin von „Viktoria“. Läuft das Schwein nicht über Wiesen oder suhlt sich nicht im Matsch, dann stöbere es gern im Haus herum, verrät Birgit Schulze. „Sie weiß sogar, wie man Türen aufkriegt, auch die zur Vorratskammer.“

Die glückliche Rettung der einst „armen Sau“ ist für die Betreiber des Gnadenhofs mehr als eine anrührende Anekdote. Sie sehen „Viktoria“ als Beispiel für die Auswüchse der Massentierhaltung und betreiben deshalb eigene Facebook- und Instagram-Profile des Schweins. Einen kurzen Dokumentarfilm über „Viktorias“ Flucht von der Schlachtbank haben im Internet bereits mehr als 200 000 Menschen angeklickt.

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