Juso-Chef Kühnert bezeichnet den kommissarischen SPD-Vorsitzenden als Technokraten Spitze gegen Scholz

Berlin. „Sie sind ein Star“, sagt Jakob Augstein, Chef der Wochenzeitung „Der Freitag“ gleich zu Beginn zum Juso-Vorsitzenden Kevin Kühnert. Der erwidert: „War das schon eine Frage oder kommt noch was?“ Manchmal wundere er sich selbst, womit man schon ein vermeintlicher Star in der SPD werden könne, sagt Kühnert dann.
28.02.2018, 00:00
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Spitze gegen Scholz
Von Tobias Peter

Berlin. „Sie sind ein Star“, sagt Jakob Augstein, Chef der Wochenzeitung „Der Freitag“ gleich zu Beginn zum Juso-Vorsitzenden Kevin Kühnert. Der erwidert: „War das schon eine Frage oder kommt noch was?“ Manchmal wundere er sich selbst, womit man schon ein vermeintlicher Star in der SPD werden könne, sagt Kühnert dann. Er empfiehlt, die Sozialdemokraten sollten sich nicht zu sehr auf einzelne Personen fokussieren. Wenn Augstein und Kühnert über die Große Koalition diskutieren, dann sprechen zwei miteinander, die wenig davon halten, dass die SPD jetzt noch einmal in das Bündnis mit der Union geht. Die Veranstaltung im Maxim-Gorki-Theater in Berlin erinnert also zunächst einmal an den Titel der Interview-Parodie „Zwei Stühle, eine Meinung“, mit der Olli Dittrich und Wigald Boning früher die TV-Zuschauer unterhielten.

Unterhaltsam und keinesfalls langweilig geht es trotzdem zu an diesem Montagabend. Das kündigt sich bereits direkt zu Beginn an, als Augstein die Veranstaltung mit einem Zitat von Sören Kierkegaard eröffnet. „Häng dich auf oder lass‘ es bleiben, bereuen wirst du beides“, zitiert Augstein den, wie er sagt, gar nicht so lebenslustigen dänischen Philosophen. Und er vergisst nicht hinzuzufügen, der Satz passe doch gut auf die SPD.

Augstein ermöglicht ein munteres Gespräch, indem er Kühnert immer wieder mit den Argumenten der Befürworter einer Großen Koalition in der SPD konfrontiert – auch wenn der Journalist sie mal übertrieben, mal mit eher süffisanter Ironie vorträgt. Kühnert antwortet griffig und schlagfertig. Als der Juso-Chef sagt, viele SPD-Mitglieder hätten die Rolle als Junior-Partner in der Großen Koalition als „demütigend“ empfunden, fragt Augstein – den Gegenspieler mimend – zurück: „Warum ist das denn demütigend?“ Es sei doch auch möglich zu sagen, die Partei habe in der Regierung eben wie eine Firma Politik und Gesetze produziert, wie immer man die auch ganz genau bewerte. Das sei doch etwas Greifbares.

Kühnert gibt zurück, die SPD sei für viele Mitglieder eine 150 Jahre alte Institution, mit der man sich auch emotional stark identifiziere. „Deswegen gibt es für die allermeisten – außer man heißt jetzt Olaf Scholz oder so – kein technokratisches Verhältnis dazu, Sozialdemokrat zu sein“, sagt Kühnert. Damit hat der Juso-Chef beherzt eine Spitze gegen den Mann aus Hamburg gesetzt, der nach dem Rücktritt von Martin Schulz derzeit die Geschäfte in der Partei führt. Augstein lässt es sich dennoch nicht nehmen, Kühnert zu fragen, ob dieser der SPD-Spitze nicht einen Gefallen tue – indem er neue Mitglieder werbe und Menschen in der Partei halte, die sie sonst verlassen würden. Kühnert versichert, er gehe einigen an der Spitze schon „auf den Keks“.

Und wer ist das politische Vorbild Kühnerts? Der Juso-Chef weigert sich, Willy Brandt zu nennen – mit dem Hinweis, dies sei Folklore. Er nennt ihn dann aber doch einen „super Typen“. Vorbilder seien nicht so seine Sache, betont Kühnert. Aber Regine Hildebrandt sei auch als Politikerin immer ein authentischer Mensch geblieben. Das beeindrucke ihn.

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