Bilder im Theaterwerk Kunstausstellung statt Klassenfahrt

Nachdem die Buchungen weggebrochen sind, geht das Theaterwerk Albstedt in Corona-Zeiten auch ungewöhnliche Wege: Eine Woche ist dort eine Ausstellung zu sehen.
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Von Andrea Grotheer

Albstedt. Stimmungsvolle Wolkenfelder über grünen Wiesen, prächtige Alleen zu verschiedenen Jahreszeiten und aufbrausende See mit gewaltigem Wellenschlag: Auf 60 verschiedene Arten hat Georg Olliges die norddeutsche Landschaft in Öl auf Leinwand gebannt. Fast wie ein Puzzle ist das variable Gemälde aufgebaut – und es braucht Platz: „Die Bilder sind jeweils 50 mal 50 Zentimeter groß. Man kann sie in einer Größe von acht mal zwei Metern, zehn mal 1,50 Metern oder auch 16 x einen Meter aufhängen“, erklärt der Maler. Die einzelnen Leinwände seien magnetisch, sodass sich immer wieder neue Variationsmöglichkeiten ergeben könnten.

Einen passenden Platz für das große Gesamtbild zu finden, ist nicht so einfach. Doch bei der Suche nach einem Ausstellungsraum kam Georg Olliges, dessen Atelier in Bremen-Nord für das komplette Kunstwerk nicht groß genug ist, Sohn Jan Olliges-Wilke zu Hilfe. Der Sandstedter ist Geschäftsführer im Theaterwerk Albstedt, das als Ziel für Klassenfahrten und als Seminarhaus von den Folgen der Corona-Pandemie stark betroffen ist. „Wir waren dieses Jahr ausgebucht“, erzählt Jan Olliges-Wilke, der das Haus auch als Eigentümer der Immobilie Anfang 2019 übernommen hat. Die Buchungen hatten stark zugelegt, 13 000 Übernachtungen waren für 2020 geplant, im Vergleich zu rund 10 000 im Schnitt der vergangenen fünf Jahre. „Wir haben viel Personal eingestellt, eine Theaterpädagogin, Küchenkräfte und Putzkräfte. Anfang dieses Jahres hatten wir 20 Mitarbeiter, zehn sind nun schon seit Monaten zu nahezu 100 Prozent in Kurzarbeit, die geringfügig Beschäftigten sind zurzeit raus“, so der Geschäftsführer, der in dieser Funktion ebenfalls von Kurzarbeit betroffen ist.

Als Eigentümer der Immobilie hat er in den vergangenen Monaten das Haus renoviert, die Küche komplett erneuert, Gästezimmer renoviert, den Speisesaal neu aufgeteilt und im Rahmen der energetischen Sanierung neue Fenster und Türen eingesetzt. „Den Spiegelraum und den Theatersaal werden wir auch noch modernisieren, dafür stehen uns Mittel des Bundesverbandes für Sozialkultur zur Verfügung“, erklärt Jan Olliges-Wilke. Problematisch ist die Unterhaltung des Hauses ohne Gäste. „Wir standen wegen der zu erwartenden geringen Belegung vor der Entscheidung, ob wir überhaupt ein Hygienekonzept ausarbeiten oder gar nicht öffnen.“ Durch die Medien seien Tagungshäuser und Schullandheime in den Fokus gekommen, und sowohl vom Bund als auch vom Land Niedersachsen seien Fördermittel geflossen. „Es geht dabei um den Ausgleich echter Betriebsdefizite. Wir haben die Förderung teilweise sehr unkompliziert erhalten und können so bis Ende April durchhalten“, ist Jan Olliges-Wilke dankbar für die Unterstützung. Ohne hätte er schon im November die Türen schließen müssen.

Problematisch sei nach wie vor die große Planungsunsicherheit: „Diese Woche haben wir das erste Mal seit Beginn der Pandemie wieder Belegung für eine Woche. Eine Gruppe von Freiwilligen für ein kulturelles Jahr der Landesvereinigung Kulturelle Jugendbildung ist zu Gast. Sieben der Teilnehmer mussten allerdings aufgrund des temporären Beherbergungsverbots kurzfristig ausgeladen werden.“ Drei Kurzbelegungen über Wochenenden habe es auch schon wieder gegeben, doch viele der regelmäßigen Gäste wie beispielsweise Chöre könnten noch nicht wieder zusammenkommen. „Bis Januar ist fast alles abgesagt. Und für 2021 waren wir eigentlich auch ausgebucht“, blickt Jan Olliges-Wilke in ein weiteres unsicheres Jahr. Mit der Ausstellung der Kunstwerke seines Vaters geht er in Corona-Zeiten neue Wege: „Ich freue mich über das gemeinsame Projekt“, sieht er in der Situation auch etwas Positives. Die Bild-Collage wird auf der großen Bühne im Theatersaal für eine Woche Platz finden. „Ich habe sie selber auch noch nie zusammen gesehen“, ist Maler Georg Olliges gespannt auf das Gesamtbild.

Aufgrund der Corona-Beschränkungen gibt es begrenzte Öffnungszeiten: Sonntag, 1. November, 11 bis 16 Uhr, Mittwoch, 4. November, 14 bis 17 Uhr, Sonntag, 8. November, 11 bis 16 Uhr, oder nach Vereinbarung. Es besteht Maskenpflicht. In verschiedenen Räumen des Hauses hängen weitere Arbeiten von Georg Olliges. Auf Wunsch werden die Besucher in kleinen Gruppen mit dem erforderlichen Abstand durch das Haus geführt. Der Eintritt ist frei, Spenden werden gerne entgegen genommen.

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