Trotz laufender Klagen aus Delmenhorst Decathlon-Markt in Brinkum-Nord: Eröffnung im März geplant

Der Bau des Decathlon-Markts in Brinkum-Nord ist so gut wie fertig. Solange es Corona zulässt, ist die Eröffnung für 18. März geplant. Auch wenn die Klagen der Stadt Delmenhorst gegen die Planungen noch laufen.
19.01.2021, 06:00
Lesedauer: 4 Min
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Decathlon-Markt in Brinkum-Nord: Eröffnung im März geplant
Von Eike Wienbarg

Noch prangt am Gebäude des neuen Decathlon-Marktes in Brinkum-Nord noch nicht der Namenszug des Sportartikelhändlers. Doch aus baulicher Sicht ist der Markt bereit. „Die Fläche wurde an uns übergeben“, berichtet Rafael Burckhardt, Expansionsleiter Nord bei Decathlon, über die Fertigstellung des Gebäudes und die Übergabe durch den Vermieter, die F.S.M. Grundstücksgesellschaft Brinkum mbH, die bereits das Gelände von Teppich Kibek entwickelt hat. Trotz Corona und anhängiger Klagen der Stadt Delmenhorst gegen den örtlichen Bebauungsplan will Decathlon seinen Markt im Frühjahr eröffnen. Am 18. März soll es laut Burckhardt losgehen.

Aktuell gehe es im Gebäude um die Restarbeiten. „Die Sicherheitsanlage, die Technik“, zählt Burckhardt auf. Ende Januar soll dann die sogenannte „Regalisierung“, also die Einrichtung des Marktes, erfolgen. Das sei bei einer Eröffnung im Frühjahr immer noch eine besondere Herausforderung. Denn dann stehe parallel auch die Umstellung vom Winter- auf das Sommersortiment an.

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In Brinkum-Nord sei derzeit alles im Zeitplan, kann Burckhardt berichten. Zwar gebe es durch die Corona-Pandemie leichte Probleme im Bereich der Logistik, die Bauarbeiten seien aber planmäßig vorangekommen. Das bestätigt auch Frank Sachau von der F.S.M. Grundstücksgesellschaft. „Es ist alles termingerecht gelaufen“, sagt er. Und Burckhardt ergänzt: „Der Vermieter hat sehr, sehr viel selbst in die Hand genommen.“

Daher peilt Decathlon auch den Eröffnungstermin Mitte März an. Solange es die Einschränkungen der Pandemie zulassen, wie Burckhardt betont. Auf rund 3500 Quadratmetern soll es dann losgehen. Zunächst sollen 45 Arbeitsplätze entstehen. Je nach Entwicklung soll sich das Team aber auf 60 Mitarbeiter vergrößern, so Burckhardt.

Auswirkungen für innerstädtische Sportartikelanbieter

All das passiert aber auch vor dem Hintergrund einer Klage der Stadt Delmenhorst. Wie berichtet, ist seit April 2020 ein Normenkontrollverfahren beim Oberverwaltungsgericht (OVG) Lüneburg anhängig. „Nach Auffassung der Stadt Delmenhorst beeinträchtigt die Ansiedlung des Sportfachmarktes Decathlon in der benachbarten Gemeinde Stuhr die Stadt in rechtlicher und tatsächlicher Hinsicht. Insbesondere befürchtet die Stadt nachteilige Auswirkungen für die beiden innerstädtischen Sportartikelanbieter“, teilt Maike Stürmer-Raudszus aus der Delmenhorster Stadtverwaltung mit.

Ein Eilantrag gegen die Baugenehmigung beim Verwaltungsgericht Hannover wurde im Oktober abgelehnt. Auch dort hatte Delmenhorst beklagt, dass ihre Belange „nicht ausreichend berücksichtigt worden“ seien, heißt es vom Verwaltungsgericht. Dabei ging es auch um die mögliche Verletzung des sogenannten interkommunalen Abstimmungsgebotes und der Ziele des Landesraumordnungsprogramms. Dieser Argumentation folgte das Gericht aber nicht. „Die Kammer stützte ihre Entscheidung darauf, dass aus der Gesamtbetrachtung des Vorhabens unter Berücksichtigung der von der Gemeinde Stuhr im Vorfeld eingeholten gutachterlichen Prognosen keine hinreichend schwere Beeinträchtigung der Planungshoheit der Stadt Delmenhorst zu erwarten sei“, teilt die Pressestelle des Verwaltungsgerichts mit.

Die „schlüssig prognostizierte Umsatzauswirkung auf den Einzelhandel in Delmenhorst“ betrage lediglich 0,2 Millionen Euro pro Jahr und bewege sich unterhalb der Schwelle, die städtebauliche Auswirkungen erwarten lasse, argumentierte das Gericht. Zudem sei es nicht der Zweck des interkommunalen Abstimmungsgebotes, Einzelhandelsbetriebe vor Konkurrenz zu schützen.

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Außerdem habe die Stadt Delmenhorst nicht ausreichend belegen können, dass ihre Innenstadt durch die Gesamtzahl der Einzelhandelsbetriebe in Stuhr beeinträchtigt werde. Der geringe Umsatz des Einzelhandels mit Sportartikeln und -bekleidung in Delmenhorst liege vielmehr an der „ungünstigen Lage zwischen den gut angebundenen Ortszentren der Stadt Bremen und der Stadt Oldenburg“. Das Gewerbegebiet in Brinkum-Nord sei demgegenüber für die Anwohner von Delmenhorst eher von untergeordneter Bedeutung, heißt es vom Gericht.

Flagship-Store für Bremen

Rafael Burckhardt sieht das noch anhängige Verfahren entspannt. „Wir haben die Klage der Stadt Delmenhorst nicht wirklich verstanden“, sagt er. Das Unternehmen sehe eher positive Auswirkungen der Ansiedlung für die Region. In Brinkum-Nord sei Decathlon „sehr strategisch“ vorgegangen. Angesprochen auf die weiteren Märkte der Kette in der Region wie zum Beispiel in Oldenburg, der Bremer Waterfront oder bei Dodenhof in Posthausen betont Burckhardt die Wichtigkeit des Standortes in Brinkum: „Posthausen ist ein kleiner Standort, die Waterfront weiter weg. Brinkum-Nord wird der neue Flagship-Store für Bremen werden“, sagt er. Ziel der Firma sei es, den Kunden alle 30 Minuten einen Markt zu bieten.

Die Gemeinde Stuhr sieht ihre Planungen weiterhin im Recht. „Sonst hätten wir nicht die Baugenehmigung erteilt“, sagt Hajo Giesecke, Fachbereichsleiter Bau, Recht und Ordnung. Auf das laufende Verfahren blickt er gespannt. „Die Schriftsätze sind ausgetauscht“, sagt er über den aktuellen Stand. Nun warten alle Beteiligten auf den Termin für die mündliche Verhandlung.

Wann diese stattfinden soll, steht noch nicht fest. „Die Verhandlung ist noch nicht terminiert“, sagt Gunhild Becker, Sprecherin des OVG Lüneburg. Allerdings seien Normenkontrollverfahren oft sehr umfangreich und hätten eine längere Verfahrenszeit. Aktuell seien „etliche“ solcher Verfahren anhängig. So arbeite der zuständige Senat noch Verfahren aus dem Jahr 2018 ab. „Der Senat ist seit Monaten unterbesetzt“, sagt die Sprecherin. Daher sei noch „mit einigen Monaten“ zu rechnen. „Es kann auch nächstes Jahr werden“, so Becker zum Verfahren zwischen Stuhr und Delmenhorst.

Auch in Delmenhorst wird gewartet. „Der Stadt war vor Erhebung der Klagen gegen den Bebauungsplan beziehungsweise die Baugenehmigung bewusst, dass diese keine Selbstläufer sind und ein Obsiegen nicht absolut sicher sein würde. Gleichwohl galt und gilt es insbesondere in planungsrechtlicher Hinsicht der Gemeinde Stuhr ihre Grenzen aufzuzeigen“, fasst Maike Stürmer-Raudszus die Hoffnungen zusammen. Und weiter: „Die Errichtung ist in rechtlicher Hinsicht aktuell nicht zu verhindern. Allerdings wird der Sportfachmarkt auf eigenes Risiko der den Markt errichtenden Firma erstellt.“ Weitere rechtliche Möglichkeiten der Stadt gebe es aber nicht, so Stürmer-Raudszus.

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