Gemeinde Stuhr

Frischekur für das Rathaus

Erst die Sanitäranlagen, danach das Dach und später die Elektrik und Büros: Die Gemeinde Stuhr will ihr Rathaus komplett sanieren lassen. Erste Arbeiten dafür sind bereits im Gange.
23.03.2021, 17:30
Lesedauer: 4 Min
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Frischekur für das Rathaus
Von Esther Nöggerath

Marode Dachziegel, poröse Rohre und veraltete Technik: Der Bedarf an einer Modernisierung ist groß im Rathaus Stuhr. Denn das Gebäude ist inzwischen 35 Jahre alt und bislang sind nur das Bürgerbüro und die Zentrale neu gemacht worden. Nun soll auch der Rest des großen Hauses an der Blockener Straße saniert werden.

Bereits seit Anfang des Jahres laufen die ersten Arbeiten im Rathaus, die Sanitäranlagen werden derzeit überholt. Auf der nördlichen Seite des Gebäudes sind die Handwerker damit fast fertig, anschließend soll es auf der Südseite weitergehen. „Ein Teilbereich der Sanitäranlagen ist stillgelegt und kann derzeit nicht genutzt werden“, erklärt Silvia Heyer, Fachdienstleiterin für Hoch-, Tief- und Landschaftsbau bei der Gemeinde. Das sei jedoch kein Problem, da ohnehin gut 50 Prozent der Mitarbeiter derzeit im Homeoffice sind. Rund 200.000 Euro kostet die Sanierung der Sanitäranlagen, bei der auch gleich die weiteren Bauabschnitte mit vorbereitet werden, weil hinter den Fliesen in den Räumen auch die Schächte für Rohre und Kabel im Haus liegen.

Der zweite Bauabschnitt umfasst dann die Sanierung des Daches, die bereits im Sommer starten soll. „Wir hoffen, dass das Dach noch dieses Jahr fertig wird“, erzählt Heyer. Für die Arbeiten am Dach müssen die alten Ziegel zunächst komplett runter. „Wir wollen das Dach neu dämmen“, berichtet Hayo Wilken, der bei der Gemeinde für die Bauunterhaltung zuständig ist. Denn auch das Thema Nachhaltigkeit spielt bei der Rathaus-Sanierung eine große Rolle. Mit einer neuen Dämmung des Daches sollen nicht nur die Energiekosten gesenkt werden, sondern zeitgleich auch ein besserer Wärmeschutz entstehen, weil insbesondere im Sommer in den oberen Büros teils hohe Temperaturen vorherrschten. „Und wir wollten nicht mit Klimaanlagen arbeiten, die ja auch wieder Energie verbrauchen“, erklärt Wilken.

Damit nicht das komplette Rathaus auf einmal von einem Baugerüst umrundet ist, soll das Dach nach und nach in mehreren Schritten gemacht werden. „Wir wollen den laufenden Betrieb so wenig wie möglich beeinträchtigen“, sagt Wilken. Die Arbeiten auf dem Dach will die Gemeinde dann auch gleich nutzen, um eine Fotovoltaik-Anlage auf der Fläche über dem Ratssaal anzubringen. Gut 87 Prozent des Stroms, der im Rathaus verbraucht wird, könnte dann durch die neue Anlage abgedeckt werden. „Ganz ohne Fremdstrom kommen wir aber nicht aus“, sagt Wilken, der davon ausgeht, dass sich die Investition in die Fotovoltaik-Anlage durch die Stromersparnis in einigen Jahren auch preislich für die Gemeinde rechnen wird.

Die alten Ziegel aus Ton, die anders als Betonziegel eine recht lange Lebensdauer haben, sollen nach Möglichkeit anschließend auch wieder auf das Dach. „Die sollen zum Großteil wiederverwendet werden“, erklärt Heyer. Lediglich unter die Fotovoltaik-Anlage sollen neue Ziegel, da dieser Bereich ohnehin nicht von außen sichtbar ist. So bleiben genug der alten Tonziegel übrig, um anderswo schadhafte Stellen auszubessern und einzelne Steine auszutauschen. „Wenn zu viele Ziegel schadhaft sind, müssen wir vielleicht doch noch alles neu eindecken“, sagt Heyer. Erst einmal plant die Verwaltung aber damit, die alten Ziegel wiederzuverwerten. Knapp über eine Million Euro veranschlagt die Gemeinde für die Dachsanierung insgesamt.

In einem dritten Bauabschnitt soll dann im kommenden Jahr die komplette Technik im Haus angegangen werden. „Das Haus wird dieses Jahr noch ans Glasfasernetz angeschlossen“, berichtet Wilken. Damit die schnellere Verbindung aber auch in allen Räumen ankommt, ist der Austausch der Leitungen notwendig. „Teilweise sind die noch aus der ersten Generation“, erzählt Wilken. Auch die Steckdosen für die einzelnen Arbeitsplätze und Konferenzräume sollen erneuert werden. Für die Elektrik werden noch einmal weitere 240.000 Euro eingeplant.

Im vierten und letzten Bauabschnitt sollen zudem noch die Büros überholt werden - jedenfalls, wenn es der Haushalt zulässt, wie Heyer betont. „Das sind Dinge, die man noch schieben kann.“ Langfristig gesehen sollen aber dann auch die Räume wieder schick gemacht, neue Böden verlegt und die Wände neu gestrichen werden. Auch die Decken müssen gemacht werden, bei Bedarf auch die Fenster. „Die Fenster werden alle betrachtet und müssen eventuell auch zum Teil ausgetauscht werden“, sagt die Fachdienstleiterin. Sollte der Fensterrahmen noch in Ordnung sein, könnte man auch nur eine neue Verglasung vornehmen lassen. „Das gehört für uns auch mit zur Nachhaltigkeit“, erklärt Heyer. Insgesamt fallen auch für die Büros eine Menge Kosten an, mit 980.000 Euro kalkuliert die Gemeinde derzeit dafür.

Die einzelnen Bauabschnitte der umfangreichen Rathaus-Sanierung sind dabei insgesamt für einen längeren Zeitraum ausgelegt: „Das verteilt sich jetzt auf drei bis vier Jahre“, sagt Wilken. Die Überlegungen dafür gibt es bereits etwas länger. „Wir wollten ein Gesamtkonzept, was in welchen Stufen gemacht werden soll“, erklärt Wilken. Außerdem müssten die entsprechenden Gelder für die Realisierung nach und nach im Haushalt der Gemeinde bereitgestellt werden.

Info

Zur Sache

Rathaus entstand 1986

Bevor das Rathaus an der Blockener Straße 1986 bezugsfertig war, mussten die Bürger für ihre Behördengänge teilweise mehrere Kilometer Wege auf sich nehmen. So waren vor der Eröffnung des Neubaus das Bau- und das Hauptamt am Neuen Weg in Moordeich untergebracht, wo sich heute die Bibliothek befindet. An der Bahnhofstraße in Brinkum waren das Sozialamt, die Finanzabteilung und die Gemeindekasse angesiedelt. Im alten Brinkumer Rathaus an der Gartenstraße waren bis zum Umzug das Amt für Schulen, Sport und Kultur sowie das Gemeindearchiv und die Sozialstation untergebracht. Im alten Seckenhauser Rathaus hatten derweil Ordnungs-, Melde- und Standesamt ihr Quartier. So beschloss bereits 1983 der Gemeinderat das 12,75 Millionen D-Mark teure Bauvorhaben, das seit Ende der 1970er-Jahre in Planung war. 1986 war der Bau dann fertig und im September des Jahres nahmen Politik und Verwaltung im neuen Rathaus ihre Arbeit auf.

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