Naturgarten- und Insektenbeauftragte in Stuhr Hilfe für Hobbygärtner

Die Gemeinde Stuhr hat jetzt drei Naturgarten- und Insektenbeauftragte. Sie sollen Freizeitgärtner bei der naturnahen Gestaltung ihres Gartens beraten.
17.06.2021, 17:25
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Hilfe für Hobbygärtner
Von Eike Wienbarg

Stuhr. Nicht nur ein Ansprechpartner, sondern gleich ein ganzes Team soll Stuhrer Freizeitgärtner in Zukunft bei der naturnahen Gestaltung ihres Gartens beraten. So hat die Gemeinde mit Reinhild Olma aus Fahrenhorst sowie Michaela Werner und Gerold Leschke aus Neukrug jetzt drei ehrenamtliche Naturgarten- und Insektenbeauftragte ernannt. Hervorgegangen ist die Idee, so den Natur- und Artenschutz zu verbessern, aus der Projektgruppe Klima und Umwelt der Win-Region.

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Die drei Ehrenamtler kommen dabei aus ganz unterschiedlichen Bereichen. Gerold Leschke ist schon seit Jahren im Stuhrer Nabu aktiv. Dort ist er unter anderem für die Libellen zuständig. Seine Bilder der "Edelsteine der Lüfte" waren unter anderem schon im Stuhrer Rathaus ausgestellt. Aber auch der Schutz anderer Insekten stehen im Fokus des Neukrugers. "Als wir vor 20 Jahren nach Neukrug gezogen sind, mussten wir vor allen Fenster Fliegenschutzgitter anbringen. Heute kommen kaum noch Insekten rein", beschreibt Leschke seine Beobachtungen zum Rückgang der Tiere. 

Michaela Werner bezeichnet sich selbst als "Hobbygärtnerin von Kindesbeinen an". Vor allem der Anbau von Gemüse hat es ihr angetan. "Das habe ich von meiner Oma gelernt", erzählt sie. In einem Notizbuch hat sie ihr Wissen notiert. Davon würde sie auch gerne andere profitieren lassen, erzählt sie. Aber nicht nur Gemüse gedeiht im Garten von Werner. So hat sie nach eigenen Angaben auch eine kleine Wasserstelle angelegt. "Da haben nicht nur Insekten etwas von", sagt sie. Auch Schwalben würden davon profitieren.

Die Dritte im Bunde ist Reinhild Olma. Sie ist Agenda-Beauftragte der Stadt Bassum und dadurch Teil der Arbeitsgruppe Klima und Umwelt der Win-Region. "Ich lebe aber in Stuhr und liebe mein Stuhr", sagt sie über ihre Motivation, sich auch ehrenamtlich für den Artenschutz zu engagieren. Ihren heimischen Garten habe sie selbst naturnah gestaltet. Sie würde ihn Interessierten auch als Modell zeigen.

Der Fahrenhorsterin, die auch beim Runden Tisch für Insektenschutz des Regionalen Umweltbildungszentrums Hollen mitarbeitet, liegt auch die Arbeit mit Kindern am Herzen. "Ich möchte, dass Kinder keine Angst mehr vor dem Brummen haben", sagt Olma mit Blick auf einen Teil des Nachwuchses, der eine Furcht vor Insekten entwickelt habe.

Im Zentrum der Beratung des Trios soll die Hilfe bei der Einrichtung von naturnahen Gärten stehen. "Es muss nicht immer gleich die große Umgestaltung sein. Nicht alle können sich einen Landschaftsgärtner leisten", sagt Werner. So seien es oftmals kleine Schritte, die Menschen in ihrem Garten machen können, um den Artenschutz zu fördern. "Ein Steingarten ist das Extrem", sagt Leschke über eine aktuelle Problematik. Aber selbst in Schottergärten könnten sich mit nur wenigen Pflanzen leicht Verbesserungen erzielen lassen, so Leschke und Olma. "Jeder Quadratmeter zählt", sagt Leschke.

Das Trio möchte in seiner Arbeit vor allem überzeugend wirken. "Kämpfen möchte ich mit keinem", sagt Leschke in Bezug auf Verfechter unterschiedlicher Gartentypen, die sich teilweise unversöhnlich gegenüberstehen. So habe jeder seinen Grund, warum er seinen Garten so gestalte. Aber: "Ich möchte die Leute abholen", ergänzt er und betont die Beratungsfunktion.

Dabei gehe es auch um Aufklärung. "Vielen fehlt einfach das Wissen", sagt Stuhrs Umweltbeauftragter Marc Plitzko, der die drei unterstützt. Allein in Deutschland seien rund 40 Prozent aller Tier- und Pflanzenarten gefährdet oder bereits ausgestorben. Gerade auch bei den Insekten sei der Rückgang dramatisch. So hätten Studien ergeben, dass die Gesamtmasse der Insekten seit 1989 um 75 Prozent zurückgegangen ist. "Diese Entwicklung hat zwar vielfältige Ursachen, dennoch sollten wir alle uns bemühen, einen Beitrag zur Erhöhung der Artenvielfalt zu leisten", sagt Plitzko. Gerade die eigenen Gärten bieten dafür ein "großartiges Potenzial". Die Größe der privaten Gärten insgesamt entspreche etwa der Gesamtgröße sämtlicher Naturschutzgebiete Deutschlands, so der Umweltbeauftragte. Es gehe nicht darum, Verbote auszusprechen, sondern Menschen zu überzeugen, sagt er.

"Die Hälfte der Pflanzen wird durch Schwebfliegen bestäubt", weiß auch Gerold Leschke zu berichten. Der Bienenschutz sei derzeit in aller Munde, aber auch andere Insekten würden eben wichtige Arbeit in der Natur leisten. Dazu gehören zum Beispiel Schmetterlinge. "Sie profitieren von jeder Blüte", sagt Leschke. Auch Michaela Werner hat dazu einen Tipp: Unter großen Gewächsen wie Rhododendren eignen sich Schattengewächse wie Frauenmantel oder Waldmeister. „Die blühen schön“, sagt sie. Manche der Gewächse können auch genutzt werden.

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Eine Hilfe beim Artenschutz könnten auch Obstbäume sein. "Obstbäume sind sehr wichtig", sagt Reinhild Olma, die sich auch für das Projekt "Gelbes Band" stark macht. Mit dem gelben Band können private Obstbäume gekennzeichnet werden, an denen sich jeder bedienen darf. "Es geht auch um Lebensmittelverschwendung", sagt sie.

Marc Plitzko sieht die Gemeinde dabei nicht als „Problemfall“, was den Artenschutz angeht. Durch die starke Bebauung und Verdichtung der Gemeinde fallen aber viele Flächen weg. Daher rät er dazu, gleich schon beim Neubau eines Hauses auf die Gestaltung der Gärten zu achten.

Wer Rat von den Stuhrer Naturgarten- und Insektenbeauftragten haben möchte, kann sich über folgende Wege an sie wenden: Gerold Leschke ist unter der Rufnummer 0421/892773 oder per E-Mail an geroldleschke@t-online.de zu erreichen. Reinhild Olma steht unter 0176/966054481 oder olma.reinhild@gmail.com zur Verfügung und Michaela Werner ist unter 0151/27585202 oder michi.werner@mein.gmx erreichbar.

Zur Sache

Die Win-Region und die Umwelt

Der Einsatz von Naturgarten- und Insektenbeauftragten in den Kommunen der Win-Region ist nur ein aktuelles Projekt des Zusammenschlusses der Kommunen Stuhr, Weyhe, Syke, Bassum und Twistringen. So laufen aktuell auch die Planungen für ein Biotopverbundkonzept. Damit sollen die Biotope in den Kommunen besser vernetzt werden, um einen Austausch der Arten zu ermöglichen. Auch will die Win-Region die Anlage von Blühstreifen und -wiesen fördern - zum einen an den Wegeseitenrändern und auf öffentlichen Flächen, zum anderen auch im privaten Bereich. Dazu werden unter anderem kostenlos Tüten mit Saatmischungen verteilt. Wer Interesse daran hat, kann sich bei Stuhrs Umweltbeauftragtem Marc Plitzko unter der Rufnummer 0421/5695351 oder per E-Mail an m.plitzko@stuhr.de melden. Weitere Informationen zu den Projekten der Win-Region gibt es unter www.win-region.de/aktuelles.html.

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