Nahendes Fristende in Stuhrer Ortsteilen

Bürger werben für Breitband-Ausbau

Dass Neukrug diesmal vom Breitbandausbau profitiert, dafür setzt sich Anwohner Martin Blome gemeinsam mit weiteren Mitstreitern ein. Das Fristende der Abfrage von GVG Glasfaser endet nämlich am 31. Oktober.
12.10.2021, 14:50
Lesedauer: 5 Min
Zur Merkliste
Bürger werben für Breitband-Ausbau
Von Alexandra Penth

Stuhr. Diesmal soll Neukrug nicht ausgespart werden. Dafür setzt sich Martin Blome ein. Gemeinsam mit Nachbarn rührt er dieser Tage wieder kräftig die Werbetrommel, damit seine Siedlung in Neukrug und auch viele weitere Teile Stuhrs an das Glasfasernetz angeschlossen werden. Das Unternehmen GVG Glasfaser mit seiner regionalen Marke Nordischnet plant, in den Bereichen Brinkum-Süd, Fahrenhorst, Moordeich, Neukrug und Varrel eigenwirtschaftlich die sogenannten schwarzen Flecken auszubauen. Von diesen ist bei Bandbreiten von bisher mehr als 30 Mbit/s die Rede – oder wie GVG-Sprecher Marc Kessler es formuliert: "Sie sind zwar versorgt, aber noch nicht optimal".

Bis zum 31. Oktober läuft bei den rund 8800 Haushalten noch die Abfrage für den kostenlosen Glasfaseranschluss direkt vom Gehweg in den Keller. Doch: Nur, wenn mindestens 40 Prozent der Haushalte und Unternehmen in dem Gebiet einen Vertrag mit der GVG Glasfaser Gruppe abschließen, wird auch gebuddelt. „Anders als beim geförderten Glasfaserausbau in den weißen Flecken bauen wir das neue
Glasfasernetz in den fünf Ortsteilen von Stuhr auf eigene Rechnung“, erläutert GVG-Gebietsleiter Andreas Niehaus. "Da der Ausbau in den schwarzen Flecken komplett eigenwirtschaftlich erfolgt, brauchen wir eine breite Akzeptanz für die beste digitale Infrastruktur, um den Ausbau mit reiner Glasfaser wirtschaftlich stemmen zu können. Dadurch entstehen weder Kosten für die Stadt noch für die Bürger", so Niehaus weiter.

Knackpunkt Mindestquote

Doch genau die geforderte Mindestquote ist der Punkt, der Martin Blome und seine etwa 15 Mitstreiter umtreibt. Vor wenigen Jahren hatte die Deutsche Glasfaser den Bereich ausbauen wollen. Jedoch scheiterte es an der Quote der abgeschlossenen Verträge. Bei Blome trifft diese Zurückhaltung auf Unverständnis. "Ich komme aus einem Twistringer Vorort mit heute 60, 70 Seelen – und die haben Glasfaser", sagt der Stuhrer Unternehmer. Während der Corona-Pandemie sei in vielen Familien mit Eltern im Homeoffice und Kindern im Homeschooling der Bedarf an stabilem und leistungsfähigem Internet deutlich geworden. Blome befürchtet aber, dass dies nun wieder allzu schnell in Vergessenheit geraten könnte. "Der Kelch soll nicht schon wieder an uns vorbei gehen", sagt er.

Denn bei der ersten Abfrage durch die Deutsche Glasfaser habe die Quote damals lange bei zehn bis 15 Prozent gelegen. Bis Blome und seine Mitstreiter Flyer druckten und in Neukrug selbst von Haus zu Haus gingen. Das mache einen ganz anderen Eindruck als wenn Firmenvertreter vor der Tür stehen, sagt er. Dann hatte die Gruppe noch auf eigene Kosten zu einer Gesprächsrunde mit Pizza und Getränken eingeladen. "Am Ende sind wir dann auf mehr als 40, 50 Prozent gekommen", gibt Blome für sein Wohngebiet an. Jedoch lag die Quote in anderen Ortschaften nicht so hoch, weshalb sich die Deutsche Glasfaser schlussendlich zurückgezogen habe.

Auch jetzt sind der Neukruger und seine Mitstreiter wieder aktiv und stehen in Kontakt mit örtlichen Sportvereinen, Frisören und anderen Multiplikatoren vor Ort. Blome ist nach wie vor von der neuen digitalen Infrastruktur überzeugt: "Ein Glasfaseranschluss stellt eine Wertsteigerung des Grundstückes dar." Denn besonders für junge Menschen sei das ein wichtiger Faktor bei einem Kauf.

Vor einem Monat saßen die Nachbarn aus Neukrug-Alt, wo auch Blome lebt, wieder zum Grillen zusammen. Derzeit sehe es so aus, als wenn jenes Ausbaugebiet bei einer Beteiligungsquote von aktuell rund 60 Prozent der geforderten Anzahl liegt, sagt Blome. Demnächst sei noch ein Treffen mit dem Gebiet Neukrug-Neu geplant. Am Ende aber muss die Quote von mindestens 40 Prozent in dem gesamten Gebiet stimmen. "Die Rechengröße muss ungefähr passen", sagt GVG-Sprecher Marc Kessler. 

Im gesamten Gebiet liegt die Quote seinen Angaben zufolge bei derzeit rund 20 Prozent der Haushalte. Aber das könne sich noch ändern, da die letzten Wochen vor Ablauf der Frist erfahrungsgemäß die entscheidenden seien. "Dann kommt nochmal viel rein", sagt er. Laut GVG fallen weder Erschließungskosten für die Verlegung unter dem Gehweg oder der Straße noch für die Strecke vom Bürgersteig bis direkt ins Haus an. Die Verlegung der Glasfaser zur Hauswand erfolgt in nahezu allen Fällen mithilfe einer sogenannten Erdrakete – einer Art „Mini-Torpedo“, der unterirdisch vorangetrieben wird. "Der heimische Vorgarten bleibt so praktisch unangetastet. Und das kleine Loch in der Gebäudewand wird wieder absolut wasser- und luftdicht verschlossen", so Kessler. Das sei eine Arbeit von wenigen Stunden. In einem zweiten Schritt werde das Glasfaser-Netzabschlussgerät installiert – "ein kleiner Kasten an der Wand, in den die Leitung eingespeist wird", erklärt Kessler. Von dort aus gehe es weiter in den Internet-Router. Wobei die Hausverkabelung kostenpflichtig ist und auch bei der GVG Glasfaser mit beauftragt werden könne. Die reine Vorbereitung der Infrastruktur aber werde durch die kostenlose Verbindung zum Gebäude bereits hergestellt.

Ergebnis Mitte November

Kessler schätzt, Mitte November das Ergebnis der Vermarktung verkünden zu können. Der Startschuss für die Bauarbeiten falle dann wohl "nicht mehr realistisch in diesem Jahr". Die nächsten Schritte wären die Feinplanung und Beratungen mit der entsprechenden Tiefbaufirma, um einen Zeitplan festzulegen.

"Es gab damals viele lange Gesichter", erinnert sich Blome an die Reaktion, als dem Ausbauvorhaben seinerzeit eine Abfuhr erteilt worden war. Andere Nachbarn wiederum hätten auch diesmal durchblicken lassen, lieber abwarten zu wollen. Doch eine erneute Chance verstreichen zu lassen, hält Blome für wenig sinnvoll. Der abgeschlossene Vertrag könne schließlich auch wieder gekündigt werden, der Ausbau wäre dann aber kostenlos erfolgt. "Das Haus wäre zukunftsfähig und deutlich attraktiver für Erben oder potenzielle Käufer", sagt Blome. In die häufigsten Fragen zum Thema Glasfaserausbau hat er sich inzwischen eingearbeitet. "Es ist kein Thema, das man mal eben zwischen Tür und Angel klären kann", sagt Blome. Daher stelle er sich weiterhin zur Verfügung, um offene Fragen zu klären. "Es geht schließlich um die Grundversorgung von morgen." 

Zur Sache

Informationskanäle zur Glasfaser

Es gibt mehrere Wege, sich über den Breitbandausbau von Nordischnet zu informieren. So etwa bei vier Informationsveranstaltungen im Hotel Kreuz Meyer, Hauptstraße 2 in Seckenhausen. Diese finden am Mittwoch, 20. Oktober, und Donnerstag, 21. Oktober, jeweils um 17.30 und 20 Uhr unter Einhaltung der 3G-Regel statt. Die Anmeldung ist unter der Rufnummer 04241/8009050 oder per E-Mail an servicebuero-bassum@nordischnet.de möglich. Wochentags sind die Mitarbeiter des Servicebüros Bassum an der Kirchstraße 1 zudem von 9 bis 13 Uhr und 14 bis 18 Uhr persönlich erreichbar. Hinzu kommt ein mobiler Beratungsstand vor dem Edeka-Markt Böse, Varreler Landstraße 6. Dort stehen die Mitarbeiter von Nordischnet immer donnerstags, freitags und sonnabends von 9 bis 18 Uhr für Fragen rund um den Glasfaserhausanschluss und die Tarifangebote bereit. Unter der Rufnummer 0431/80649649 oder online auf www.nordischnet.de können auch weiterhin individuelle Beratungstermine vor Ort vereinbart oder der Glasfaseranschluss gleich bestellt werden. 

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+