Stiftung Warentest

Schlechte Noten für Wassermarke Vilsa aus Bruchhausen-Vilsen

Beim Test der Stiftung Warentest rangiert das regionale Wasser unter den schlechtesten drei. An dem Testverfahren gibt es allerdings Kritik.
11.07.2018, 18:40
Lesedauer: 4 Min
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Von Lieselotte Scheewe
Schlechte Noten für Wassermarke Vilsa aus Bruchhausen-Vilsen

Stiftung Warentest testete das Vilsa-Wasser in der PET-Flasche, hier in der Abfüllstation in Bruchhausen-Vilsen zu sehen.

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Wasser ist Wasser – möchte man meinen. Doch es gibt Unterschiede. Deswegen hat die Stiftung Warentest auch in diesem Jahr 30 Mineralwasser untersucht und miteinander verglichen. Das Wasser von Vilsa aus Bruchhausen-Vilsen schnitt dabei besonders schlecht ab. Es kam lediglich auf den drittletzten Platz. Schon vor einem Jahr kritisierten die Tester der Stiftung das Wasser von Vilsa. Damals wurde es Vorletzter. Der Hersteller wehrt sich nun gegen die Kritik.

Die Erkenntnis aus dem aktuellen Vergleich ist laut Stiftung Warentest: Viele der besten Mineralwasser kosten wenig Geld. 13 von der Stiftung Warentest mit „gut“ bewerteten Wasser sind schon für 13 Cent pro Liter zu haben. In dem Test schnitten 17 mit der Note Gut ab, elf sind befriedigend, zwei nur ausreichend, heißt es in der Juli-Ausgabe der Zeitschrift „Test“. Mit der Bewertungsnote 3,5 bekommen Vilsa und Mineau, die günstigere Marke aus dem Hause Vilsa, gerade noch die Auszeichnung befriedigend. Vor allem beim Geschmack und der Deklaration erhalten die Vilsa-Wasser eine schlechte Note.

Lagerung ist wichtig

Das sensorische Urteil, also der Geschmack, macht bei Stiftung Warentest 50 Prozent des Ergebnisses aus. „Deutlich zitronig, leicht nach Kunststoff“, urteilten die Tester über Vilsa. Der Marktführer der Mineralwasser in Norddeutschland kritisiert wiederum das Testverfahren: Stiftung Warentest habe Wasser aus verschiedenen Flaschenarten miteinander verglichen und die Kriterien der Geschmacksprüfer nicht offengelegt.

So waren unter den 30 getesteten Produkten einige in Glasflaschen, andere in PET-Einwegflaschen und nur Vilsa, Mineau und ein weiteres Wasser in PET-Mehrwegflaschen. Aus Sicht von Vilsa ist der Test allein deshalb nicht aussagekräftig. „Denn sensorisch ist der Vergleich unterschiedlicher Gebinde und Materialen aufgrund der Materialeigenschaften unprofessionell“, sagt Michael Deutschbein, der für die Kommunikation von Vilsa zuständig ist.

Stiftung Warentest begründet ihre Entscheidung mit den Marktzahlen. „Wir testen jedes Wasser in seinem verkaufsstärksten Gebinde“, sagt Birgit Rehlender, Projektleiterin für den Test von Mineralwässern bei Stiftung Warentest. Getraud Huisinger von der Verbraucherzentrale Bremen bewertet den Vergleich der verschiedenen Flaschen ebenfalls deutlich kritisch: „Das ist für mich wie Äpfel und Birnen zu vergleichen. Das Wasser aus Plastik- und aus Glasflaschen schmeckt wirklich anders.“

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Den angeführten Kunststoffgeschmack erklärt sich Vilsa selbst mit einer möglichen falschen Lagerung der Wasserflaschen beim Händler oder der Stiftung Warentest. Sonnenlicht, Wärme sowie die Aufbewahrung in der Nähe von geruchsbildenden Stoffen könnten den bemängelten Geschmack auslösen. „Unsachgemäße Lagerung muss leider auch wieder auf die Proben im aktuellen Test zutreffen“, sagt Deutschmann. Den Vorwurf weist Stiftung Warentest jedoch zurück. Alle Mineralwasserflaschen würden grundsätzlich kühl, dunkel, trocken und vor Gerüchen geschützt gelagert.

Auf die Frage, wie gut oder schlecht Wasser aus Plastikflaschen für die Gesundheit sei, schreibt Stiftung Warentest: „In jedem Wasser aus PET-Flaschen konnten die Warentester geringe Mengen Acetaldehyd nachweisen.“ Es entstehe bei der Herstellung der Flaschen und schon Millionstelgramm könnten das Wasser untypisch fruchtig schmecken lassen. Gesundheitskritisch sei der gemessene Gehalt allerdings nicht. Das sieht zwar auch die Verbraucherzentrale so, Huisinger empfiehlt für den besseren Geschmack aber immer Wasser aus Glasflaschen.

Unklare Testkriterien

Insgesamt bewertet die Verbraucherzentrale die Gewichtung bei dem Wassertest von Stiftung Warentest als problematisch. 50 Prozent macht die Sensorik, also der subjektive Geschmack, 20 Prozent die Deklaration auf der Flasche, weitere zehn Prozent die Verpackung aus. Dabei gehen die kritischen Stoffe nur zu 20 Prozent, die Mikrobiologie und die oberirdische Verunreinigung fast gar nicht in die Bewertung ein, bemängelt Huisinger.

„Die kritischen Stoffe hätte ich höher bewertet“, sagt sie. Auch Deutschbein sieht die Gewichtung des Testverfahrens als ungünstig an. Denn für ihn sind Verpackung und Etikett weitaus weniger wichtig, als die gemessenen Laborwerte. Die nämlich fallen bei Vilsa gut aus. Mikrobiologisch ist das Wasser unauffällig und aufgrund der Werte für die Zubereitung von Säuglingsnahrung geeignet.

In der Kategorie „kritische Stoffe“ untersuchte Stiftung Warentest die Mineralwässer unter anderem auf Arsen, Blei, Nitrat, Nickel und Radium. Nur der Nitratwert führte zu einer Abwertung des Wassers von sehr gut auf gut, allerdings liegt der mit 0,8 Milligramm deutlich unter der gesetzlichen Grenze von 50 Milligramm pro Liter und auch unter dem für Säuglingsnahrung angesetzten fünf Milligramm pro Liter. „Vilsa unterschreitet beide Grenzwerte sehr deutlich.

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Eine Abwertung im Stiftung-Warentest-Ergebnis ist für uns vor diesem Hintergrund nicht nachvollziehbar“, sagt Deutschbein. Birgit Rehlender schätzt den ­Nitratgehalt im Vilsa-Wasser zwar ebenfalls als ­unbedenklich ein. Allerdings differenziere Stiftung Warentest auch unterhalb eines Grenzwertes, sodass hieraus keine sehr gute Note mehr resultiere. „Alle überprüfbaren Laborwerte sind gut bei Vilsa, vor allem der subjektive Eindruck der Verkoster führt zu der schlechten Gesamtbewertung“, sagt der Unternehmenssprecher.

Die Verbraucherzentrale zweifelt nicht an, dass eine geschulte Prüfgruppe die Mineralwässer bewertet hat. Allerdings bemängelt auch Huisinger neben der Gewichtung und dem Vergleich unterschiedlicher Materialien, dass Stiftung Warentest die genauen Prüfkriterien beim sensorischen Urteil nicht deutlich macht. „Über Geschmack lässt sich ja bekanntlich streiten“, sagt Huisinger. Deshalb sei Vilsa aber nicht schlechter als andere Mineralwässer.

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