Der Fall Högel Der Fall Högel geht in eine weitere Runde

Der Patientenmörder Niels Högel hat seine Strafe bekommen. Jetzt geht es in einem weiteren Prozess, der am 17. Februar beginnt, um die mögliche Mitschuld von Klinikmitarbeitern.
01.12.2021, 18:48
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Der Fall Högel geht in eine weitere Runde
Von Jürgen Hinrichs

Im Zusammenhang mit der Mordserie des ehemaligen Krankenpflegers Niels Högel starten die Vorbereitungen für ein weiteres Mammutverfahren. Verantworten müssen sich jeweils vier Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen des Klinikums Delmenhorst und des Klinikums Oldenburg, darunter auch Personal aus den Chefetagen. Den Angeklagten wird vorgeworfen, die Taten von Högel nicht verhindert zu haben. Sie hätten nach Auffassung der Staatsanwaltschaft rechtzeitig einschreiten und die Ermittlungsbehörden alarmieren müssen.

Am Mittwoch hat das Landgericht Oldenburg Einzelheiten zum kommenden Prozess bekanntgemacht. Die acht Angeklagten werden demnach von 20 Rechtsanwälten verteidigt. Neben der Staatsanwaltschaft gibt es einen Nebenkläger, der laut Gericht aus dem Kreis der Angehörigen der betroffenen Patienten stammt. Die Schwurgerichtskammer des Landgerichts wird mit drei Berufsrichtern und zwei Schöffen besetzt. Das Verfahren begleiten außerdem zwei Richter und vier Schöffen, die einspringen können, falls jemand von der Kammer ausfällt.

Vorsitzender Richter dürfte Sebastian Bührmann sein – wie schon beim Högel-Prozess von Oktober 2018 bis Juni 2019. Der geständige Täter war damals wegen 85 Morden verurteilt worden. Er bekam eine lebenslange Freiheitsstraße, außerdem wurde die besondere Schwere der Schuld festgestellt. Högel kann deshalb nicht damit rechnen, dass seine Strafe verkürzt wird.

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Das neue Verfahren beginnt am 17. Februar und ist zunächst auf 42 Verhandlungstage angesetzt. Schluss soll im November 2022 sein. Wegen der verschärften Corona-Lage, so das Gericht, wird es lediglich 64 Plätze für die Öffentlichkeit geben. Vor drei Jahren waren es 200, darunter 80 für die Vertreter der Medien. Das Interesse an der mutmaßlich größten Mordserie der bundesdeutschen Kriminalgeschichte war enorm. Nicht allein wegen Högel, seiner Motive und Abgründe, sondern auch, weil dieser Fall Licht auf Abläufe, Praktiken und Kontrollen in den Krankenhäusern wirft.

Das Beweisprogramm für den kommenden Prozess steht nach Angaben des Landgerichts noch nicht fest. Als wahrscheinlich gilt, dass Högel als Zeuge vernommen wird. Die Verhandlung findet wieder im Großen Festsaal der Weser-Ems-Hallen statt.

Zur medialen Begleitung des Högel-Falls hatte ein Telefon-Interview mit dem Patientenmörder gehört. Dies ist jetzt Gegenstand von Untersuchungen. Die Landesanstalt für Medien in Nordrhein-Westfalen hat ein Verwaltungsverfahren gegen RTL interactive eingeleitet. Sie wirft der Sendertochter vor, mit dem Interview gegen die journalistische Sorgfaltspflicht verstoßen zu haben. So berichtet es die Nordwest-Zeitung in Oldenburg.

Auslöser waren demnach Beschwerden von Zuschauerinnen und Zuschauer sowie der Justizvollzugsanstalt (JVA) Oldenburg, in der Högel einsitzt. Konkret wird dem Sender vorgeworfen, das Gespräch ohne Erlaubnis der JVA geführt zu haben. Normalerweise müssten Interviews mit Gefangenen vom Justizministerium genehmigt werden, so die Gefängnisleitung. Entsprechende Anfragen des Senders seien jedoch abgelehnt worden. Högel sei daraufhin telefonisch über seinen Fall interviewt worden. RTL habe die Vorwürfe zurückgewiesen und betont, die Dokumentation sei ausgewogen.

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