Projekt aus Bookholzberg 150 Brillen für Afrika

Das Berufsförderungswerk Weser-Ems und der Bookholzberger Verein Riverboat Doctors International haben ein gemeinsames Hilfsprojekt initiiert. Ziel ist, Menschen in Afrika wieder zu besserem Sehen zu verhelfen.
12.08.2022, 17:28
Lesedauer: 3 Min
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150 Brillen für Afrika
Von Jochen Brünner

Wieder richtig sehen zu können, das ist für Millionen von Menschen in Entwicklungs- und Schwellenländern ein schwer zu erreichender Luxus. Gleichzeitig liegen in Deutschlands Schränken und Schubladen unzählige ungenutzte Brillen, weil die neue Brille besser gefällt oder das alte Modell einen kleinen Makel hat. Um diesen schlummernden Schätzen wieder einen sinnvollen Zweck zu geben und gleichzeitig Menschen eine neue Lebensqualität zu schenken, hatten Anna Sudek, Geschäftsbereichsleiterin am Berufsförderungswerk Weser-Ems, und einige Kollegen die Idee, nicht mehr benötigte Brillen zu sammeln und diese zu spenden. Binnen weniger Monate kamen im BFW in Bookholzberg 150 Sehhilfen zusammen. „Da wir bereits seit einigen Jahren den Verein Riverboat-Doctors-International unterstützen, der in Gambia eine eigene Gesundheitsstation betreibt, lag es auf der Hand, dass wir auch unsere Brillen dem Verein zukommen lassen", fasst Anna Sudek zusammen.

In der vergangenen Woche übergaben die BFW-Mitarbeiter die Korrektur- und Lichtschutzbrillen bei strahlendem Sonnenschein im Museumsdorf Stedingsehre an Christian Göken, 1. Vorsitzenden der Riverboat-Doctors-International. „Wir sind wirklich dankbar, dass so viele gut erhaltene Brillen zusammengekommen sind," zeigt sich Göken anlässlich der Übergabe bewegt. „Wir freuen uns sehr, dass wir mit dieser Übergabe eine schöne Tradition fortsetzen können. Immerhin haben wir vom BFW in der Vergangenheit schon verschiedene medizinische Geräte, Möbel und Materialien wie chirurgische Instrumente oder Sterilisatoren bekommen, die nun in Afrika bei der medizinischen Versorgung sinnvoll weitergenutzt werden können."

Doch was genau passiert nun mit den Brillen? Der Vereinsvorsitzende erklärt, dass sie auf ihrem Weg auf den afrikanischen Kontinent zunächst in Süddeutschland Zwischenstopp machen: „Dort werden die Sehhilfen von einem Mitglied des Vereins vermessen, im Ultraschallbad gereinigt und bei Bedarf repariert. Anschließend kommen die Brillen mit dem nächsten Hilfstransport nach Afrika."

Der Verein Riverboat Doctors-International hat auch Mitglieder, die im Partnerverein Ärztecamp International an verschiedenen medizinischen Projekten beteiligt sind. Daher steht noch nicht fest, ob die Brillen letztlich in der Gesundheitsstation in Buniadu (Gambia) oder einem der anderen Projekte zum Einsatz kommen. "Denn die Brillen werden dort eingesetzt, wo sie benötigt werden", betont Göken. Eines sei indes sicher: „Die Brillen werden 150 Menschen zu besserem Sehen verhelfen", erklärt er.

Darüber hinaus laufe in der Gesundheitsstation in Buniadu gegenwärtig alles weitgehend normal, berichtet Göken. "Natürlich haben wir durch die Corona-Pandemie und durch den Krieg in der Ukraine Einbußen an Spenden zu verzeichnen. So geht es zwar ein bisschen schleppend voran, aber wir kommen einigermaßen zurecht", sagt er. Während Deutschland zurzeit unter der großen Hitze und Trockenzeit leide, herrsche in Gambia übrigens gerade Regenzeit, erzählt Göken. So seien im Internet Bilder zu sehen gewesen, bei denen die Autos bis zur Motorhaube im Wasser gestanden hätten: "So stellt man sich Afrika ja nicht vor." Und das dortige Gesundheitministerium habe schon vor den Keimen gewarnt, die sich in stehenden Gewässern bilden können. "Und dann muss man bei dieser Witterung natürlich auch noch mit Schlangen oder Krokodilen rechnen", weiß Göken. Saisonbedingt seien deshalb gegenwärtig auch keine freiwilligen Helfer in der Gesundheitsstation in Buniadu. Seinen nächsten Besuch vor Ort plant der Bookholzberger im November.

Zur Sache

Riverboat Doctors International

Seit 2007 betreibt der in Bookholzberg ansässige Verein Riverboat-Doctors-International (RDI) die Gesundheitsstation in Buniadu/Gambia, die ursprünglich von einer holländischen Stiftung errichtet wurde. Anfänglich unter deutscher Leitung, wird die Station heute von einem gambischen Krankenpfleger geleitet. Der Verein kommt für die Gehälter der Angestellten und für die Beschaffung der Medikamente auf. Monatlich werden etwa 1000 Patienten behandelt, wovon die meisten Kinder sind. Seit 2017 betreut der RDI auch den benachbarten Kindergarten. Weitere Informationen finden sich auf der Homepage https://rdi-ev.de.

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