Eier von der Weide Tierwohl als Familienprojekt

Seit sieben Jahren hält Frank Schumacher Hühner. Nun hat er seinen Bestand aufgestockt. 150 Hühner und zwei Hähne bewohnen seit wenigen Wochen den mobilen High-Tech-Stall Marke Eigenbau.
30.03.2021, 17:56
Lesedauer: 3 Min
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Von Undine Mader

Grasberg. Schon von Weitem ist der Container an der Huxfelder Straße zu sehen. Das Hühnerbild und der Schriftzug „Schumachers Weide-Eier“ auf der grünen Wiese sind selbsterklärend. Vor ein paar Wochen haben 150 Hennen und zwei Hähne der Rasse Lohmann Brown Tradition den mobilen Stall bezogen. Gebaut und mit allen technischen Finessen ausgestattet hat ihn Frank Schumacher. Der Automatisierungstechniker versteht sich auf Präzisionsarbeit, und er mag seit sieben Jahren Hühner. Den Tieren zuzuschauen, das entspanne, sagt er. Und was anderen der Hauptgrund ist, Hühner zu halten, betrachtet er als Nebensache: Eier. Diese stehen an der Hofeinfahrt in der für kalte und warme Tage isolierten „Weide-Eierklappe“ zum Verkauf.

Überall gebe es Schilder zum Eierverkauf. „Aber wo sind die Hühner?“, fragt Frank Schumacher. Er sagt: „Unser Ziel ist es nicht, Eier zu verkaufen, sondern Hühner zu halten und zu zeigen, so muss das laufen.“ Er will ein Bewusstsein schaffen, was dahinter steht, dass nach etwa zwölf bis 15 Monaten Eierlegen eben auch der Schlachttag kommt und aus dem Tier ein Suppenhuhn wird. Davor aber soll es ein gutes Leben haben.

Für ein besseres Hühnerleben

Mit dem Slogan „Das Hühnerglück - fair, regional und tiergerecht“ bringt Frank Schumacher sein Verständnis von einem besseren Hühnerleben und seiner „Vision von fairer Herstellung von Lebensmitteln“ auf den Punkt. Mit der Bezeichnung Weide-Eier grenzt er sich von der Boden- oder Freilandhaltung ab - bei beiden Formen sind bis zu 6000 Tiere pro Gruppe erlaubt und neun pro Quadratmeter Stallfläche. Auch auf den Sitzstangen ist es enger. Dort 15 Zentimeter, bei Schumacher derzeit 22,5 Zentimeter. Pro Bio-Huhn sind es 18 Zentimeter auf der Stange und maximal 3000 Tiere pro Gruppe mit sechs Tieren pro Quadratmeter Stallfläche. In Schumachers Stall kommen auf einen Quadratmeter Fläche fünf Hühner.

Die Lohmann Brown Hühner seien robust, haben ein gutes Immunsystem, so Schumacher. Und: „Das ist die Rasse, die es im mobilen Stall am besten aushält.“ Friedlich ist sie auch. Leise gackern die Hennen vor sich hin, trippeln durchs Gehege oder scharren im Moorboden. Eine kleine Schar reckt die Hälse durch das Gitternetz und pickt nach frischem Gras. Da sind jede Menge Vitamine drin, so Schumacher. Als er mit der Getreidedose rasselt, drängt sich die ganze Herde dicht an ihn. „Die wissen sofort, was Sache ist“, lacht er. Drei Tage hatte es gebraucht, bis die Tiere gelernt hatten, das ist das Geräusch für ihren Nachtisch: Weizen und Maisstücke. Im Hauptgang serviert er Legehennenalleinfutter. Frei von Gentechnik. „Das war mir sehr wichtig“, so Schumacher.

Autarker Energieversorgung

Seit sieben Jahren kommen bei den Schumachers nur Eier von den eigenen Hühnern auf den Tisch. Ob die nun anders oder gar besser schmecken als andere Eier, das könne er nicht beurteilen. „Ich würde sagen, Ei ist Ei“, meint Frank Schumacher. „Aber das Tier, das dahinter steht, macht den Unterschied.“

Die Hühner sind ein Familienprojekt auf dem Drei-Generationen-Hof, betont Frank Schumacher. Morgens bestückt der knapp achtjährigen Theo die Weide-Eierklappe. Ehefrau Marina zeichnet für die Werbung verantwortlich. Bevor es so weit war, haben er und sein Vater ein Jahr an dem Stall gebaut. Rund 600 Arbeitsstunden brauchten sie für die Behausung mit autarker Energieversorgung per Fotovoltaik auf dem Dach, elektrischem Kotband und einer Lüftungsanlage, die über Temperatur und Feuchtigkeit geregelt wird. Eine Lichtanlage simuliert Sonnenuntergang und Sonnenaufgang. Das erlaube den Tieren, abends stressfrei ihren Platz auf der Stange aufzusuchen und morgens stressfrei aufzuwachen.

Demnächst wird der Stall wieder ein paar Meter weiter wandern auf der Wiese neben dem Bauernhaus. Dahin, wo wieder sattes Grün steht. Einige Stunden dauere das Umsetzen, so Schumacher. Wegen der Geflügelpest sei es aufwendiger. Die Vorgaben im Landkreis Osterholz verlangen, dass der Auslauf eingezäunt und von oben komplett abgehängt sein müsse. Davon abgesehen verbringt er täglich etwas mehr als eine Stunde mit seinen gefiederten Freundinnen. Später soll der Stall auf die andere Straßenseite ziehen, so Schumacher. Dort wolle er dann auch eine Sitzbank aufstellen und bei Sonnenuntergang einfach den Hühnern zuschauen. So, wie es ihn einst im Urlaub im Werratal fasziniert und inspiriert hatte.

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Zur Sache

Maximal ein Ei pro Tag

legt ein Huhn, wenn es 100 Prozent seiner Energie für die Ei-Produktion verbrauche, so Frank Schumacher. Also bedeutet weniger Auslauf mehr Eier. Schumacher vergleicht: Bodenhaltung kein Auslauf, Freilandhaltung vier Quadratmeter, ökologische Haltung mindestens vier Quadratmeter. Bei seinen Weide-Hühnern sind es sechs bis acht Quadratmeter pro Huhn auf wechselnder Fläche. Zwischen zwischen drei und fünf Eier pro Woche legen Schumachers Hennen. Das macht in der Huxfelder Straße 31 bis zu rund 750 Eier, die allwöchentlich über die Weide-Eierklappe verkauft werden. Ohne Stempel. Den brauche es nicht, weil die Hobby-Herde unter 300 Tiere bleibt und die Eier direkt ab Hof verkauft werden. Im Winter gibt es weniger Eier, weil ein Huhn mindestens 14 Stunden Licht zur Ei-Produktion brauche.

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