Handball-Bremen-Liga

HSG LiGra: Lauf-Challenges gegen das Ungewisse

Wie fit halten in Zeiten der Corona-Krise? Die HSG LiGra macht aus der Not eine Tugend und verabreicht ihren Spielern ein Individualtraining.
20.03.2020, 12:09
Lesedauer: 3 Min
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Von Jonas Bargmann

Grasberg/Lilienthal. Das Coronavirus hat die bundesweite Sportlandschaft fest im Griff. Auch bei den Handballern in der Bremen-Liga ruht derzeit der Ball. Laut Mitteilung des Präsidiums des Handballverbandes Niedersachsen (HVN) sollen zunächst bis einschließlich 19. April keine Spiele ausgetragen werden. Jens Schoof, Vizepräsident Spieltechnik des HVN, erklärt: „Es ist keine einfache Situation und wir wissen auch nicht, wie sie sich weiterentwickelt.“ Hilfreich könnte dabei eine Entscheidung des Deutschen Handball-Bundes sein, der für die ersten drei Ligen eine Task Force gründete. „Wir warten ab, wie der DHB entscheidet.“ Marcel Lichtenberg, Spielleiter der Bremen-Liga ergänzt: „Wenn der DHB dichtmacht, müssen wir uns fügen.“

Von Freundschafts- oder Pflichtspielen, geschweige denn Trainingseinheiten, sind die Bremer Vereine angesichts der derzeitigen Corona-Pandemie weit entfernt. „Es ist eine Situation, die wir noch nicht hatten und nicht vorstellbar war. Beim Einkaufen verhalten sich die Menschen, als wären sie in ihrer eigenen Welt. Es gibt momentan definitiv andere Prioritäten als Handball, nämlich, dass keine existenziellen Abgründe entstehen. Wir müssen uns stets vor Augen führen, dass wir den Sport als Hobby betreiben“, macht Clemens Böschen, Coach der ersten Mannschaft der HSG LiGra, klar.

Doch wie bleibt man „im Saft“, wenn die Hallen gesperrt sind, ein Spiel- und Trainingsbetrieb nicht stattfinden kann und man zugleich seinen Teil dazu beitragen möchte, das Virus einzudämmen? Beim Bremen-Ligisten HSG LiGra, der die Saison höchstwahrscheinlich als Tabellenzweiter beendet hätte, greift man zu kreativen Maßnahmen.

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„Wir haben eine Lauf-Challenge gestartet. Wir haben vorgegeben, dass unsere 13 Spieler pro Woche zehn Kilometer joggen gehen sollen. Erreicht unser Team das Ziel, addieren sich in der Folgewoche zehn Kilometer zur Gesamtdistanz. Sie müssten dann also zusammen 140 Kilometer joggen“, meint Böschen, der die Lage derzeit als „unberechenbar“ einstuft. „Dass die Hallen aufgrund der aktuellen Situation geschlossen sind, ist völlig richtig. Nun stehen andere Sachen im Vordergrund.“

Bei der zweiten Mannschaft der HSG lässt man es derweil ein wenig ruhiger angehen. „Einige halten sich individuell fit, aber wir haben keinen Trainingsplan, nach dem wir uns richten müssen. Wir sind ja nur die zweite Herren“, sagt Christian Arlt lachend, der als einer von vielen Ballfanatikern hofft, dass das Virus schnellstmöglich eingedämmt wird und in Zukunft wieder spielbare Bedingungen herrschen. „Dieses Thema ist allerdings sehr dynamisch“, warnt er.

Jene Dynamik erschwere schlussendlich auch die Fortführung des bisherigen Liga-Alltags. Arlt rechnet vor: „Dieses Virus kann sich auch in den Mai oder noch länger hinziehen. Unsere Saison beginnt erst im September. Wenn wir pro Woche zwei Partien austragen würden, könnten wir die Spielzeit rechtzeitig zu Ende bringen – vorausgesetzt das Virus ist eingedämmt und wir können und dürfen spielen.“

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Neben der ohnehin schon schwierigen Situation, dass der Ball noch mindestens vier Wochen ruht und damit etliche Nachholspiele entstehen werden, ist das Urteil über den weiteren Saisonverlauf besonders knifflig und dürfte bei den Verantwortlichen für viel Kopfzerbrechen sorgen. Zumindest in der Bremen-Liga spielt den betroffenen Vereinen die derzeitige Konstellation in die Karten.

Aufgrund der zwei Niederlagen im Spitzenspiel gegen den SVGO Bremen II würde die HSG LiGra den amtierenden Spitzenreiter auf der Zielgeraden vermutlich nicht mehr einholen. Zu konstant, zu hoch war dessen individuelle Qualität im Vergleich zu den Gegnern. Sollte der Verband die Bremer als Aufsteiger anerkennen, würde die HSG den Beschluss aller Voraussicht nach akzeptieren. „Es wäre nicht unverdient, wenn sie aufsteigen würden. Sie haben gegen uns zweimal gewonnen“, gibt auch Böschen zu, dessen Aufstiegstraum noch nicht zu Ende geträumt ist.

„Vor einer Saison gab es bislang immer wieder Vereine, die eine ihrer Mannschaften noch zurückgezogen haben.“ Wie beispielsweise die VSK Le/Ma: Vor der Saison meldete die Spielgemeinschaft ihr Team vom Spielbetrieb der Bremen-Liga ab und belegt damit den nominell einzigen Abstiegsplatz. In anderen Ligen ist die Ausgangslage anders. Da hofften und kämpften bis zuletzt noch mehrere Vereine um den Auf- beziehungsweise gegen den Abstieg. Böschen: „Momentan gleichen die Zukunftsszenarien einer Lotterie: Bricht man die Saison vorzeitig ab? Bleiben die Positionen so? Das ist alles sehr kompliziert.“

Schwierig ist die aktuelle Gesamtlage allemal, die weiteren Überlegungen in alle Richtungen tun ihr Übriges. Böschen: „Im Sinne des Sports ist die Situation natürlich superärgerlich. Den Verantwortlichen werden nun viele Möglichkeiten durch den Kopf gehen. Stand jetzt gibt es nur Verlierer. Wir müssen schauen, dass wir aus dieser Position etwas Gutes machen.“

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