Handball-Bremenliga HSG LiGra verliert dramatisches Gipfeltreffen vor Rekordkulisse

Auf diesen Abend hatten die Bremer Handballfans lange gewartet. Und sie waren in Scharen gekommen, um das Gipfeltreffen zwischen dem SVGO Bremen II und der HSG LiGra zu sehen. Und die Spieler lieferten ab.
01.03.2020, 17:20
Lesedauer: 3 Min
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HSG LiGra verliert dramatisches Gipfeltreffen vor Rekordkulisse
Von Tobias Dohr

Oslebshausen. Als die Schlacht geschlagen war und sich die müden Gladiatoren zum Abschluss eines unfassbaren Spiels ein letztes Mal den Zuschauern präsentierten, da wurde wohl auch dem letzten Anwesenden klar, dass hier gerade ein ganz großer Handballabend sein würdiges Ende fand. 250 Zuschauer hatten sich von ihren Plätzen erhoben und spendeten den beiden Teams minutenlang Standing Ovations. Die HSG LiGra hatte das mit Spannung erwartete Gipfeltreffen in der Bremenliga bei Tabellenführer SVGO Bremen II nach einem dramatischen Spielverlauf denkbar knapp mit 28:29 (10:12) verloren. Doch in diesem Moment gab es keine Verlierer. Nur Sieger. Und alle – Zuschauer wie Spieler – genossen diese Sekunden.

Für Jörg Rutenberg, den Trainer der SVGO II, hatte dieser Abend gar historische Ausmaße angenommen. „Ich kann mich nicht erinnern, wann bei einem Bremenliga-Spiel zuletzt so viele Zuschauer waren“, sagte er. Und Rutenberg muss es wissen, ist er doch ein echtes Handball-Urgestein in Reihen des Bremer Klubs. Am Ende war er es auch, der mit seinem Team den Sieg feiern konnte – und nicht die HSG LiGra mit Coach Clemens Böschen. Wie bereits im Hinspiel mussten sich die Lilienthaler am Ende mit einem Tor Differenz geschlagen geben. Die mit vielen höherklassig erfahrenen Akteuren gespickte SVGO-Mannschaft hatte gegen die junge HSG-Truppe in den entscheidenden Momenten die besseren Nerven gehabt. Ganz besonders gut war das zu Beginn der Partie zu beobachten. Zwar führten die Gäste nach einem gehaltenen Siebenmeter von Maik Wiggers zunächst mit 2:1, doch dann schien die lautstarke Kulisse durchaus Wirkung zu zeigen.

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Die erfahrenen SVGO-Akteure ließen sich davon überhaupt nicht beeindrucken und zogen auf 6:2 davon. Besonders defensiv machten die Rutenberg-Schützlinge die Räume erstklassig zu, ließen knapp 13 Minuten (!) kein HSG-Tor mehr zu. Doch dann läutete der verwandelte Siebenmeter von Nico Schnaars die erste Aufholjagd der Partie ein. Aus dem 2:6 machte LiGra ein 7:6 – und küsste damit auch endgültig die rund 100 frenetischen HSG-Fans wach. Fortan entwickelte sich ein packender Schlagabtausch auf Augenhöhe, in dem jeder Treffer die Halle mehr und mehr in einen Hexenkessel zu verwandeln schien. Nach zwei späten SVGO-Toren in den letzten 46 Sekunden gingen die Hausherren mit einer Zwei-Tore-Führung in die Halbzeitpause.

Lilienthaler Déjà-vu

Die zweite Hälfte begann dann mit einem kuriosen Déjà-vu. Denn erneut verschliefen die Böschen-Mannen den Beginn, diesmal war diese Tatsache aber vor allem drei Zeitstrafen geschuldet. Fast sechs Minuten musste die HSG durchgängig in Unterzahl spielen, zeitweise standen nur noch vier Feldspieler auf dem Platz. Als LiGra wieder vollzählig war, hieß es 10:16. Und als dann auch noch die Treffer zum 10:17 und 10:18 folgten, schien die Partie nach 39 Minuten vorzeitig entschieden. Zwar trafen nun auch die Gäste wieder, doch der Rückstand wuchs sogar noch an und betrug zwölf Minuten vor dem Ende sage und schreibe neun Tore (15:24). Aber was dann geschah, hätte niemand in der Halle mehr für möglich gehalten.

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Angeführt vom starken Carsten Buschmann starteten die Lilienthaler die zweite Aufholjagd des Tages. Fünf Minuten vor Ultimo stellte Böschen beim Stand von 22:27 schließlich auf offene Manndeckung um. Es schien der endgültige Schlüssel zur Wende zu sein. Vier Treffer in Folge ließen die HSG-Fans komplett ausrasten, als dann SVGO-Akteur Sven Stegemann nach dem 28:26 auf die Strafbank musste, schien alles möglich. Doch Chris Ohlroggge verwarf bei 58:34 Minuten den fälligen Siebenmeter, im Gegenzug gelang der SVGO II das 29:26. Die Entscheidung war gefallen – das Gipfeltreffen entschieden. Was folgte, waren die Standing Ovations der restlos begeisterten Zuschauer in der Halle an der Sperberstraße in Oslebshausen. Es war der wohl verdiente Lohn aller Spieler für einen außergewöhnlichen Handballabend.

HSG LiGra: Wiggers, Thöne; Albers (2), Schnaars (6/3), Vetter, Semken (2), Hansel (4), Meyer (4), Richter, Ohlrogge (4/2), Janssen, Böttcher, (1), Buschmann (2).

Weitere Informationen

Eine Fotostrecke zum Bremenliga-Spitzenspiel finden Sie unter www.facebook.com/sportredaktion.osterholz.

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