Schulmuseum Lilienthal Mit Griffel und Rohrstock

Unterricht wie vor 100 Jahren: Den gibt es im Schulmuseum Lilienthal. Nun werden Ehrenamltiche gesucht, die Besuchergruppen durch die Räume führen und auch Wissen abfragen.
18.08.2022, 11:00
Lesedauer: 3 Min
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Mit Griffel und Rohrstock
Von Sandra Bischoff

Lilienthal. Der Rohrstock gehörte in den 1920er-Jahren ebenso zum Inventar eines Schulzimmers wie die Schiefertafeln und die Bilder von Reichskanzler Paul von Hindenburg und Kirchenmann Martin Luther. Auch Besucher des Lilienthaler Schulmuseums müssen sich darauf einstellen, nicht ungeschoren davon zu kommen. "Schläge wird's geben", sagt Rupprecht Knoop und schmunzelt. Der 86-Jährige kümmert sich seit gut 20 Jahren um das Schulmuseum des Heimatvereins Lilienthal. In der alten Falkenberger Schule ist nicht nur ein Klassenzimmer, wie es vor rund 100 Jahren üblich war eingerichtet, sondern es sind auch zwei Ausstellungsräume angegliedert. Nun will Knoop den Rohrstock aus Altersgründen abgeben, und der Heimatverein sucht einen oder besser noch zwei oder drei Nachfolger.

Jahrelang hatte Rupprecht Knoop das Schulmuseum gemeinsam mit Astrid Köster geleitet, die aus persönlichen Gründen ausgeschieden war. "Ich springe ein, wenn es brennt, kümmere mich aber nicht mehr generell um das Schulmuseum", sagt der Maschinenbauingenieur im Ruhestand. Unterstützung erhält er von Karl-Heinz Sammy, der ebenfalls Mitglied im Heimatverein ist. Und auch der Vorsitzende Hilmar Kohlmann schließt schon mal die Tür auf, wenn sich Interessierte in den historischen Räumen umsehen wollen. "Aber eine Schulstunde leiten, das kann ich nicht", so Kohlmann. 

Zum Abschluss wird gesungen

Rupprecht Knoop hingegen hat damit Erfahrung. Sein "Unterricht" setzt sich aus Lesen, Schreiben, Rechnen und Heimatkunde zusammen. "Wir üben die deutsche Schrift, rechnen an der Rechentafel und ich frage auch schon mal, wo die Elbe entspringt und wo sie mündet. Und zum Abschluss wird gesungen." Das plattdeutsche Lied "Lütt Anna Susanna" und "Spannenlanger Hansel" stehen zum Ende jeder Unterrichtsstunde auf dem Programm. Und wer mit dem Harmonium vertraut ist, das an der Wand steht, darf auch auf dem Tasteninstrument spielen. Die "Schüler" schreiben ganz traditionell mit dem Griffel auf kleine Schiefertafeln, wenn sie ihre Namen in der deutschen Schrift, oder auch Sütterlin genannt, üben.

Das Backsteingebäude an der Falkenberger Landstraße 86 wurde 1910 erbaut und am 26. April 1911 an den Schulbetrieb übergeben. Weil die Grundschule  schräg gegenüber der Gaststätte Kutscher Behrens zu eng wurde, einigten sich die beiden Gemeinden Moorhausen und Falkenberg auf einen Neubau. Rund 40.000 Mark kostete die Errichtung des Gebäudes mit vier Klassenzimmern und zwei Lehrerwohnungen. Ganz modern erhielt das Gebäude auch eine Zentralheizung. Bis Anfang der 1980er-Jahre wurden dort Kinder unterrichtet, sagt Hilmar Kohlmann. Dann zog die Grundschule Falkenberg in einen Neubau, in dem heute die IGS untergebracht ist. Das Schulmuseum wurde 1985 aus der Taufe gehoben. "Zum Glück ist das Gebäude noch immer gut in Schuss", sagt Kohlmann. Die Gemeinde ist Eigentümerin der alten Schule, in der unter anderem auch die Volkshochschule Kurse anbietet.

Etwa zwei Führungen im Monat

Der Zeitaufwand für die ehrenamtliche Leitung des Museums liegt Kohlmann zufolge bei etwa drei bis vier Stunden im Monat. "Wenn es viel ist, dann sind es zwei Führungen im Monat", erklärt der Vorsitzende des Heimatvereins. "Die ganze Corona-Geschichte muss jetzt aber erst einmal vom Tisch, damit die Leute wieder Ausflüge machen." In guten Jahren, wie etwa 2012, haben Kohlmann und seine Kollegen rund 200 Besucher gezählt. Auch Anfang der 2000er-Jahre sei das Schulmuseum gut frequentiert gewesen. "Da kamen oft diejenigen zu uns, die die Schule noch so erlebt haben, wie wir sie hier zeigen", berichtet der Lilienthaler. Wenn es nach ihm geht, dann soll das Schulmuseum auch alljährlich zum Tag des offenen Denkmals im September seine Türen öffnen. "Man kann das ganze Engagement aber auch auf die Spitze treiben und zwei Stunden pro Woche hier verbringen und die Bibliothek mit den alten Schulbüchern neu sortieren. Genug zu tun gibt es."

Zur Sache

Schulmuseum Lilienthal

Für das Schulmuseum in der alten Falkenberger Schule an der Falkenberger Landstraße 86 sucht der Heimatverein Ehrenamtliche, die sich um Besuchergruppen kümmern und außerdem historische Schulstunden erteilen. Gesucht werden Interessierte reiferen Alters, gerne auch pensionierte Lehrer, mit einer positiven und offenen Ausstrahlung, die Kinder und Erwachsene gleichermaßen ansprechen können. Auch ein Bezug zur Musik sowie Plattdeutschkenntnisse wären wünschenswert. Zu den Aufgaben gehören die Betreuung des Schulmuseums, Führungen durch die Räume und das Erteilen von Schulstunden im Stil der 1920er-Jahre. Die Tätigkeit erfolgt ehrenamtlich. Interessierte wenden sich an den Heimatverein unter der Telefonnummer 04298/60 11 oder per E-Mail an info@heimatverein-lilienthal.de.

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