Bürgermeisterwahl in Osterholz-Scharmbeck

Rohde vom eigenen Erfolg überrascht

Überwältigender Sieg von Torsten Rohde bei der Bürgermeisterwahl in Osterholz-Scharmbeck: Der Amtsinhaber holte gegen Marie Jordan (CDU) und Jörg Fanelli-Falcke (Grüne) über 70 Prozent der Stimmen.
13.09.2021, 00:37
Lesedauer: 4 Min
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Von Michael Schön
Rohde vom eigenen Erfolg überrascht

Torsten Rohde konnte sich über einen überlegenen Sieg freuen.

CARMEN JASPERSEN

Osterholz-Scharmbeck. Mit einer Überraschung, was zumindest die Deutlichkeit des Ausgangs angeht, endete die Wahl des Bürgermeisters in Osterholz-Scharmbeck. Der parteilose Torsten Rohde landete einen Erdrutschsieg, setzte sich mit über 70 Prozent der Stimmen gegen Marie Jordan (CDU), die auf gut 15 Prozent kam, und den Grünen Jörg Fanelli-Falcke durch. Der ehemalige Baudezernent kam auf knapp 14 Prozent. Die Wahlbeteiligung lag bei etwa 56 Prozent.

Er sei regelrecht sprachlos gewesen, als die ersten Ergebnisse eingetrudelt seien, berichtete Rohde. Natürlich sei so ein Resultat, 9500 Stimmen, auch eine enorme Verpflichtung. Dieses Vertrauen will er rechtfertigen. "Die Herausforderung für mich als parteilosen Bürgermeister ist es nun, Mehrheiten zu organisieren, mit denen in den nächsten fünf Jahren unsere großen Projekte umgesetzt werden können."

Fanelli-Falcke: Erwartungen waren höher

Der grüne Hoffnungsträger Jörg Fanelli-Falcke räumte ein, dass seine Erwartungen höher gewesen seien. "In vielen Gesprächen habe ich den Wunsch nach einer Veränderung gespürt. Das hat sich heute aber nicht im Votum niedergeschlagen." Er gratulierte Rohde zu seinem deutlichen Erfolg und kündigte zugleich an, im Stadtrat dafür zu kämpfen, dass die Erwartungen vieler Bürgerinnen und Bürger etwa an den Klimaschutz umgesetzt würden. 

"Ich bin natürlich enttäuscht", bekannte Marie Jordan. Obwohl mit einem solchen Wahlausgang immer zu rechnen gewesen sei, auch wegen des Amtsbonus' Torsten Rohdes, aber nicht zuletzt wegen der Nachrichten, die gegenwärtig von handelnden Personen ihrer Partei auf Bundesebene produziert werden.

Ergebnis von 2014 getoppt

Torsten Rohde, der ein ausgezeichneter Sportkegler ist, räumte unerwartet heftig ab, toppte sogar sein Ergebnis bei der Bürgermeisterwahl 2014. Da  war er mit 59 Prozent der Stimmen gewählt worden. Sein Gegenkandidat Werner Schauer (SPD) erhielt 41 Prozent. Die Wahlbeteiligung lag bei 48,12 Prozent. Rohde löste den Amtsvorgänger Martin Wagener (SPD) ab, der nicht mehr kandidiert hatte.

Die Bürgermeisterwahl in Osterholz-Scharmbeck startete mit regelrechten Paukenschlägen: Torsten Rohde holte in dem als ersten ausgezählten Bezirk, Pennigbüttel II, fast 77 Prozent der Stimmen. In Garlstedt, wo Marie Jordan, die  Herausforderin von der CDU, als Ortsvorsteherin einen Heimvorteil einbringen konnte, holte der parteilose Amtsinhaber über die Hälfte der Stimmen. Als fast 4000 Wahlzettel ausgewertet worden waren, lag der Scharmbeckstoteler mit über 71 Prozent in Führung. Marie Jordan folgte mit gut 15 Prozent, Jörg Fanelli-Falcke mit knapp 14 Prozent.

4800 Briefwahlunterlagen verschickt

Stark  ausgeprägt war bei diesen Kommunalwahlen der ohnehin schon seit langem beobachtete Trend zur Briefwahl. 4800 Wählerinnen und Wähler hatten die entsprechenden Unterlagen angefordert. So wurden diesmal auch sechs Briefwahlvorstände gebildet. 2016 war man mit zwei ausgekommen.

Die Kommunalpolitiker Osterholz-Scharmbecks gaben sich gestern ein Stelldichein bei Stagge und Moor. Neben den Grünen hatte auch Torsten Rohde eine Etage gebucht. Während die Grünen sich im ersten Stock zur Wahlparty trafen, hatte unten Rohde nach Mitternacht einen zweiten Grund zum Feiern. Der parteilose Bürgermeister hat am 13. September Geburtstag. In diesem Jahr ist es sogar ein runder.

Drei Novizen bildeten das Wahlhelferteam in der "alten Schule" Hülsebergs, dem einzigen Wahllokal im Ort. "Die Stadt hat aber für eine super Vorbereitung  gesorgt, sodass es keine Probleme gab", so Teamchefin Eva Kairies, die zusammen mit Iris Belz und David Zacher auch temporär stärkeren Andrang, offenbar resultierend aus der  Kaffee-und-Kuchen-Zeit im Hofcafé, locker bewältigte. Obwohl der Zugang zur alten Schule durch zwei Stufen erschwert wird, mussten die Wahlhelfer nicht unterstützend eingreifen. In der Mobilität eingeschränkte Personen "haben alle ihre Leute dabei gehabt", berichtete Eva Kairies.

Doppelter Einsatz für Stefan Kamischow: Der Stadtplaner hatte zunächst einen Termin beim "Tag des offenen Denkmals", um dort mit - insgesamt um die 200 - Bürgerinnen und Bürgern über die Zukunft der ehemaligen Superintendentur in der Kirchenstraße ins Gespräch zu kommen. Anschließend war seine Arbeitskraft  bei den Kommunalwahlen im Rathaus gefordert. Insgesamt waren in der Stadt Osterholz-Scharmbeck 250 Wahlhelfer im Einsatz.

SPD bleibt stärkste Kraft

Die rund 12.000 Männer Männer und annähernd 13.000 Frauen, die in Osterholz-Scharmbeck an die Urne durften, stimmten gestern über 38 zu vergebende Mandate im Stadtrat ab, die festgelegte Anzahl für eine Stadt mit einer Einwohnerzahl zwischen 30.000 und 40.000 Einwohnern. Bis Redaktionsschluss zeichneten sich keine wesentlichen Veränderungen bei den Kräfteverhältnissen im Parlament der Kreisstadt ab. Die SPD war  auf dem Weg, erneut Mehrheitsfraktion zu werden. Überragender Stimmensammler: der Hülseberger Klaus Sass. Hinter den Sozialdemokraten reihten sich die CDU-Fraktion, die Grünen, die Bürgerfraktion, die Linke und die FDP ein. Auch Die Basis und die AfD konnten sich noch Chancen auf einen Sitz im Stadtparlament ausrechnen, als 24 von 31 Ergebnissen vorlagen. Die Wahlbeteiligung war enttäuschend, pegelte sich am späten Abend unter der 40-Prozent-Marke ein.

2016 hatte die SPD ihre Mehrheit mit 14 Sitzen verteidigt, gefolgt von der CDU mit zehn Mandaten. Jeweils vier Sitze holten Grüne, Linke und die Bürgerfraktion. Je ein Mandat sicherten sich NPD und FDP.

Die SPD stellte mit insgesamt 26 Kandidatinnen und Kandidaten auch bei dieser Stadtparlamentswahl das stärkste Bewerber-Aufgebot. Die CDU wartete mit 18 Bewerbungen auf, mit der Bürgermeister-Kandidatin Marie Jordan als erfolgreichste Stimmensammlerin.

Die konstituierende Sitzung des neuen Stadtrats ist für den 2. November geplant. Am 30. September tagt das Kommunalparlament nochmals in alter Besetzung. Am Dienstag, 14. September, kommen die Mitglieder des Finanzausschusses zusammen. 

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