Tischtennis-Saisonabbruch

Nach konkretisierter Härtefallregelung: Es sieht düster aus für die TuSG

Der niedersächsische Tischtennis-Verband (TTVN) hat jetzt Fakten in Sachen Härtefallregelung geschaffen. Doch von der Regelung profitieren nur die allerwenigsten Teams. Die TuSG Ritterhude gehört nicht dazu.
19.04.2020, 22:00
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Nach konkretisierter Härtefallregelung: Es sieht düster aus für die TuSG
Von Tobias Dohr

Landkreis Osterholz. Der niedersächsische Tischtennis-Verband (TTVN) hat jetzt Fakten in Sachen Härtefallregelung geschaffen. Nachdem das Urteil des Deutschen Tischtennis-Bundes (DTTB) vom 1. April zum Saisonabbruch bundesweit für viel Diskussionen und Proteste gesorgt hatte, wurde die Wertung der zum Teil sehr schiefen Abschlusstabellen nun modifiziert.

So wird bei der Härtefallregelung nun doch die Anzahl der ausgetragenen Spiele berücksichtigt und in Relation zu den gesammelten Pluspunkten gesetzt. Gerade diese Tatsache war von vielen betroffenen Vereinen bemängelt worden. So waren einige Teams nach dem ersten DTTB-Urteil faktisch abgestiegen beziehungsweise nicht aufgestiegen, obwohl sie zum Teil drei Spiele weniger ausgetragen, aber nur einen Pluspunkt weniger geholt hatten, als die Konkurrenz. Mit der nun eingeführten Quotienten-Regelung können die derart benachteiligten Teams nun doch aufsteigen oder in der Klasse verbleiben – müssen es aber nicht.

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Der Teufel liegt aber wie sooft mal wieder im Detail. Denn die Quotientenregelung wird rein mathematisch angewandt und wurde vom Verband nicht auf eine Nachkommastelle hin genauer definiert. Das hat zur Folge, dass nur ein Bruchteil der Teams tatsächlich davon profitiert. So hat eine Stichprobe ergeben, dass in 27 Ligen von der Verbandsliga Nord abwärts in den Bezirk Lüneburg hinein, gerade einmal vier Mannschaften von der Härtefallregelung am Ende tatsächlich profitieren. Eine davon wäre die Damen-Mannschaft des TSV Dannenberg in der Bezirksoberliga West, die punktgleich mit dem Zweitplatzierten nun auch als Dritter berechtigt wäre, in die Landesliga aufzusteigen.

Für die TuSG Ritterhude, die nach dem Saisonabbruch mit beiden ersten Herrenteams aus der Verbands- und der Landesliga abgestiegen ist, ändert sich indes nichts. Und hier lohnt sich ein genauerer Blick auf die Quotienten durchaus. Denn die erste Mannschaft der TuSG steht mit 8:22 Punkten aus 15 Spielen nur einen Zähler hinter dem geretteten ESV Lüneburg (9:23 Punkte/16 Spiele). Während die Ritterhuder also einen Quotienten von 0,53 aufweisen, bringen es die Lüneburger auf 0,56 Punkte pro Spiel. Die Differenz liegt also bei 0,03 Punkten/Spiel – ein marginaler Wert, der sicher keine wirklich verlässliche Auskunft darüber geben kann, ob es eine Mannschaft mehr oder weniger verdient hätte, abzusteigen oder nicht.

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Auf der anderen Seite musste der Verband natürlich eine über alle Ligen hinweg anwendbare Regelung finden, die gewisse Härtefälle berücksichtigt. Die TuSG Ritterhude wird ihren Protest, den der Verein unmittelbar nach Bekanntgabe des Saisonabbruchs Anfang April eingereicht hatte, trotzdem nicht zurückziehen. Wie Sportwart Frank Mühlmann bekannt gab, will der Verein weiterhin mit der Forderung nach mehr sportlicher Fairness auf eine andere Regelung hinwirken. Allerdings dürften die Erfolgschancen durch den gestern veröffentlichten Verbandsbeschluss nicht gerade gestiegen sein – im Gegenteil.

Denn der TTVN stellte in seiner Begründung auch unmissverständlich klar: „Für die Entscheidung über den Härtefallantrag wird ausschließlich eine modifizierte Abschlusstabelle herangezogen.“ Soll wohl so viel heißen wie: Ein weiterer Rettungsanker außer der Quotientenregelung scheint nach aktuellem Stand nicht in Sicht.

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Auch TSV Lesumstotel hat Protest eingelegt

Nicht nur die TuSG Ritterhude hatte gegen die umstrittene Wertung des Saisonabbruchs im Tischtennis Protest eingelegt, auch der TSV Lesumstotel hatte dies beim Kreisverband Osterholz getan. „Wir empfinden diese Regelung als sehr unfair und in gewissen Punkten nicht mit der Wettspielordnung vereinbar“, berichtete Michael Lorke. „Bei noch drei ausstehenden Partien und drei Punkten Rückstand hätten wir eine mehr als realistische Chance besessen, noch den Relegationsplatz zu erreichen. Wären die verbleibenden Spiele genauso wie in der Hinrunde ausgegangen, wären wir am Ende de facto auf Platz acht gelandet“, ergänzte der TSV-Mannschaftsführer. Nun hat der Tischtennis-Verband am Donnerstagabend seine Härtefallregelung konkretisiert – und die Kreisliga-Herren sind damit wohl endgültig abgestiegen. Denn der Quotient des Vorletzten (8:22 Punkte bei 15 Spielen) ist rechnerisch kleiner als der des Drittletzten FC Hambergen IV (11:21 Punkte bei 16 Spielen). 0,15 Punkte/Spiel haben die Lesumstoteler weniger geholt – weshalb sie nun absteigen.

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