„Mein Traumteam“

Bernd Böschen: „Einen wie Brünjes braucht jeder"

Fast jeder Mannschaftssportler hat viele gute Mitspieler gehabt. In unserer Serie „Mein Traumteam“ bitten wir ehemalige oder noch aktive Sportler und Trainer, die für sie beste Mannschaft zusammenzustellen.
22.12.2020, 18:38
Lesedauer: 5 Min
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Bernd Böschen: „Einen wie Brünjes braucht jeder
Von Dennis Schott
Bernd Böschen: „Einen wie Brünjes braucht jeder"

Neun Jahre als Spieler und eines als Trainer verbrachte Bernd Böschen beim SV Blau-Weiß Bornreihe.

Hans-Henning Hasselberg

Landkreis Osterholz. War ja klar, werden sich jetzt vielleicht einige denken. War ja klar, dass das Traumteam von Bernd Böschen ziemlich stark blau-weiß gefärbt sein würde. Aber wer mag es dem 46-Jährigen verübeln? Seine Zeit beim SV Blau-Weiß Bornreihe, immerhin ganze neun Jahre als Spieler und ein Jahr als Trainer, war unheimlich prägend. Für ihn, aber auch für den Verein. 1999 gekommen, hat Böschen als Aktiver um die Jahrtausendwende eine der erfolgreichsten Zeit en bei den „Moorteufeln“ mitgeprägt. Einige Jahre später übernahm er die „Moorteufel“ als Trainer sogar in der Oberliga. An vielen Bornreiher Kickern gab es somit schlicht kein Vorbei für Böschen, der sein Traumteam zumindest auf zwei Positionen „extern“ vergeben hat. Hier stellt Bernd Böschen seine Wunschelf vor.

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Tor

Nils Kühtmann: „Ein sehr guter Keeper mit dem Herz auf dem richtigen Fleck. Unvergessen sein Spiel als „Hexer“ gegen Eintracht Braunschweig II. Das war mit dem SV Bornreihe in unserer ersten Niedersachsenliga-Saison, und bei Braunschweig spielten auch schon einige Profis mit. Wir standen in dem Spiel unter Dauerdruck, aber Nils hat uns diesen Sieg fast allein gerettet. Das war eines seiner besten, wenn nicht sogar das beste Spiel von ihm. Legendär war aber auch sein Tanzstil, wenn wir mal gefeiert haben. Eine Mischung aus Moonwalk und Charleston (lacht).“

Abwehr

Jan Meyerdierks: „Ein genialer Kicker. Kam als Deutscher A-Jugend-Meister von Werder Bremen nach Bornreihe und hätte sein Geld vielleicht mit Fußball verdienen können, wenn die Verletzungen nicht so früh gekommen wären. Ich kann mich noch erinnern, dass er eine Weile mit einem Kreuzbandriss gespielt hat, weil der nicht richtig diagnostiziert wurde. Trotzdem war er in dieser Zeit besser als seine Gegenspieler. Zeitweise musste er sich aber die Ibuprofen- und Diclofenac-Tabletten vor dem Spiel ins Müsli kippen.“

Tino Brünjes: „Er ist ein Typ, den man als Mitspieler liebt und als Gegenspieler verteufelt. Es gibt nicht viele auf dem Spielfeld, die so bewusst die Rolle des „Bad Guy“ einnehmen wie er. Das meine ich komplett positiv. Wenn es darum ging zu gewinnen, dann gab es bei ihm keine Sympathiepunkte für den Gegner, um es mal so auszudrücken. Er hat sicherlich polarisiert, wo Konflikte waren, war auch er. Aber er konnte damit umgehen, hat sich nicht provozieren lassen und ist auch deshalb dazwischen gegangen, um die Mitspieler zu schützen. Einen wie Brünjes benötigt eigentlich jede Mannschaft.“

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Kevin Sammann: „Der fitteste Spieler, den ich trainiert habe. Bestes Beispiel dafür, dass Fleiß, Ehrgeiz und Einstellung einen weiterbringen können als das bloße Talent. Kevin hat jeden Urlaub um die Vorbereitung und die Spiele gelegt, ein Spieler der jungen Generation mit traditionellen Werten. Das hat mir immer imponiert. Ich finde auch, dass so etwas viel zu wenig gewürdigt wird.“

Mittelfeld

Marcel Konoppa: „Wenn „Opi“ auf rechts durch war, brauchte ich nur noch auf dem langen Pfosten warten und den Fuß hinzuhalten. Auf diese Weise hat er mir viele Torerfolge ermöglicht. Und er ist wohl der einzige Spieler weltweit, der mit gelb/rot wegen unerlaubten Torjubels vom Platz musste, obwohl er das Tor gar nicht selbst erzielt hat. Ich weiß gar nicht mehr, gegen wen das war. Aber er hatte die Vorlage gegeben, und als der Treffer fiel, hat er sich so gefreut, dass er sich sein Trikot ausgezogen hat und auf die Jubeltraube losgelaufen ist. Leider war er da schon gelb verwarnt (lacht).“

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Sascha Jütting: „Über ihn gibt es gar nicht viel zu sagen, außer, dass er der beste Fußballer war, mit dem ich je zusammen gespielt habe. Definitiv. Außerdem konnte er springen wie ein Flummi.“

Hendrik Lütjen: „Ein Spielertyp, wie ich ihn mag. Schnell, dynamisch , schnörkellos, unaufgeregt. Wenn „Henno“ am Ball ist, herrscht Alarm.“

Andre Lütjen: „Der einzig wahre Kapitän. Das klingt sicherlich sehr hochtrabend, trifft aber zu. Hat seine Rolle auf und neben dem Spielfeld wie kein anderer verkörpert. Holte den Pressecup 2004 mit zwei Final-Treffern gegen den BSV Rehden praktisch im Alleingang, obwohl er gar kein Knipser war, und bescherte uns damit das Jahrhundertspiel gegen den Double-Sieger. Das alleine berechtigt schon seine Aufstellung. Spiele gegen Werder sind immer etwas Besonderes, aber gegen diese Mannschaft zu spielen, war etwas ganz Besonderes.“

Sturm

Torsten Welk: „Ein absolut gradliniger Mensch und auf dem Feld ein Schlitzohr, von dem man sich viel abschauen konnte. Die Gegner haben meistens erst dann gemerkt, wie gefährlich er ist, wenn es schon zu spät war. Er konnte aus keiner Chance ein Tor machen, weil er die Situationen so gut antizipieren konnte. Er hatte einfach den richtigen Riecher. Außerdem prägte er den Satz: Es hat sich noch keiner in die Mannschaft gelaufen. Die Laufarbeit mussten eher Marcel und ich machen (lacht).“

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Marvin Mainz: „In meinem ersten Jahr als Bezirksliga-Trainer beim FC Worpswede ist er zu den Spielen immer aus Düsseldorf angereist und hat uns in einem der spannendsten Spiele überhaupt zum Sieg geführt. Das war so ein Sechs-Punkte-Spiel damals gegen Dörverden. Da war alles drin: Rote Karten, Gewitterunterbrechung, drei Mal lagen wir im Rückstand, haben aber in der Nachspielzeit noch 5:4 gewonnen und konnten die Klasse halten. Marvin hat drei Tore geschossen. Darüber hinaus ein toller Mensch, der immer das große Ganze im Blick hatte.“

Karsten Frerks: „Er zählt für mich einfach dazu, weil wegen solcher Leute wie Karsten Vereine funktionieren. Er müsste so ziemlich alle Funktionen beim TSV Dannenberg durchlaufen haben. Trainer, Spartenleiter, Platzwart und natürlich auch Topstürmer. Mit ihm verbinde ich viele tolle Erinnerungen. Und er war es schließlich, der mich zu meiner ersten Trainerstation TSV Dannenberg gelotst hat, was eine sehr schöne Zeit war.“

Info

Zur Person

Bernd Böschen (46)

absolvierte seine erste Herrenstation bei der TSG Wörpedorf-Grasberg-Eickedorf, ehe er sich nach vier Jahren dem TSV Gnarrenburg anschloss. Von dort aus ging es zum SV Blau-Weiß Bornreihe, wo er insgesamt neun Jahre blieb. Seine aktive Laufbahn beendete er zwei Jahre später beim FC Worpswede. Danach stieg Böschen ins Trainergeschäft ein. Zunächst beim TSV Dannenberg für zwei Jahre, dann beim TSV Worpswede, ebenfalls für zwei Jahre. Gemeinsam mit seinem Schwager und Ex-Bornreiher Andre Lütjen übernahm er 2016 den SV Blau-Weiß Bornreihe, der zu der Zeit in der Oberliga spielte. Seit Kurzem betreut er die Kreisauswahl der U12.

Weitere Informationen

Der pfeilschnelle Fügelstürmer oder der treffsichere Angreifer. Der ruhende Pol in der Verteidigung oder der Ideengeber im Mittelfeld. Fast jeder Mannschaftssportler hat in seiner aktiven Zeit viele gute Mitspieler gesehen. In unserer Serie „Mein Traumteam“ bitten wir ehemalige oder noch aktive Sportler und Trainer, die für sie beste Mannschaft von ehemaligen Weggefährten zusammenzustellen.

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