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NFV-Kreis Osterholz droht Dreifach-Verlust

Als wären die Auswirkungen der Corona-Pandemie nicht schon genug, bedrücken den NFV-Kreis Osterholz drei derzeit noch nicht gelöste Personalfragen.
27.04.2020, 09:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Thomas Müller
NFV-Kreis Osterholz droht Dreifach-Verlust

"Nach 20 Jahren wäre es der ideale Zeitpunkt", sagt Thomas Rehberg (hinten), hier beim Schiedsrichteranwärterkurs des NFV-Kreises Osterholz. Der Kreisschiedsrichterobmann erwägt ernsthaft einen Rückzug von seinem Amt.

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Osterholz-Scharmbeck. Eckehard Schütt ist in diesen Tagen nicht zu beneiden um seine vielfältigen ehrenamtlichen Aufgaben: Der Vorsitzende des Fußball-Kreisverbandes Osterholz muss sich nicht nur mit den beinahe täglich ändernden Umständen der Corona-Pandemie und deren Auswirkungen auf das Geschehen im Kreisverband befassen. Unabhängig davon bedrücken ihn noch drei derzeit nicht gelöste Personalfragen. Es sind sogar ganz wesentliche Positionen in der Führungsstruktur. Neben Fred Michalsky (Vorsitzender des Qualifizierungsausschusses) und Marcus Nettelmann (Schiedsrichter-Lehrwart) droht auch noch das Amt des Kreisschiedsrichterobmanns vakant zu werden. Dessen Inhaber Thomas Rehberg hat sich ernsthaft mit dem Gedanken des Rückzugs in diesem Jahr befasst und das auch gegenüber dem Kreisvorstand thematisiert.

„Nach 20 Jahren wäre es der ideale Zeitpunkt“, so Rehberg, der außerdem im März im engsten Familienkreis einen Todesfall hinnehmen musste. „Es wird mir im Moment alles ein bisschen zu viel“, ergänzte der 56-jährige Bankkaufmann noch auf Nachfrage der Sportredaktion. Gleichzeitig betonte er: „Endgültig beschlossen ist der Rückzug aber nicht.“ Ob er auf dem nächsten Kreistag seines Verbandes – ursprünglich sollte er im Juli stattfinden – wieder kandidieren wird, sei offen. Vorläufig würde er aber wohl kommissarisch im Amt bleiben. Außerdem: „Jeder sollte sich erst einen Nachfolger suchen, der dann auch gewählt würde.“ Er, Rehberg, könne derzeit aber nicht mit Namen dienen.

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Für Fred Michalsky (66) dagegen steht fest, dass er nach fast 20 Jahren als Vorsitzender des Qualifizierungsausschusses nicht weitermachen wird: „Da sollen mal Jüngere ran. Schon vor zwei Jahren habe ich gegenüber dem Vorstand erklärt, dass ich nicht mehr zur Verfügung stehe.“ Er sei bereits in Gesprächen mit jemandem, der seine Nachfolge antreten könne. Wichtig sei ihm, dass diese Person die nötige Zeit und Lust habe und obendrein die Fähigkeiten zum Amt. Nicht nur kurzfristig. Michalsky: „So eine Aufgabe sollte man schon für fünf oder sechs Jahre machen.“ Kein Frage, die Arbeit sei „ein ganz schöner Schlauch“. Allein für einen Trainerlehrgang (C-Lizenz) seien im Jahr 120 Stunden anzusetzen.

Michalsky, früher auch im Lehrschuss des Kreisverbandes Osterholz tätig, betonte noch, dass die Erneuerung im Kreisvorstand eine vordringliche Aufgabe sei: „Das hätte man schon früher anstoßen sollen oder müssen.“ Er verwies darauf, dass im Kreisvorstand nach wie vor die Position des Schriftführers unbesetzt sei: „Es ist uns nicht gelungen, dieses Amt nachzubesetzen.“ Auch bei seiner Arbeit im Bremer Fußball-Verband wolle er künftig kürzertreten – als Trainer und Futsal-Beauftragter. Die Bremer Situation im Futsal sei schon eine besondere. Mit Woltmershausen sei zwar der Bremer Meister unter den insgesamt fünf Mannschaften ermittelt. Doch Aufstiegschancen habe in der Regionalliga-Relegation auch die im Bremer Verband startende Mannschaft von Oldenburg.

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Im Osterholzer Kreisverband ist sich Eckehard Schütt der schwierigen Personalsituation bewusst: „Aber ich möchte erst noch die Chance haben, mit den dreien zu sprechen. Ich hoffe, dass da noch nicht das letzte Wort gesprochen ist.“ Dass ein „Wechselbedarf“ im Kreisverband bestehe, sei ihm auch klar: „Ich selbst werde ja auch nicht jünger.“ Er möge sich gar nicht vorstellen, wenn ein Aktivposten wie Kreisjugendobmann Helmut Schneeloch nicht mehr zur Verfügung steht: „Für ihn bräuchten wir zwei oder drei andere Kräfte.“ Die Schwierigkeiten, derartige Positionen zu besetzen, sieht Schütt im gesellschaftlichen Wandel begründet: „Die Menschen haben immer weniger Zeit für ehrenamtliche Arbeit.“

Schiedsrichterlehrwart Marcus Nettelmann will sein Amt, das er gerne wahrgenommen habe, nach sechs Jahren zur Verfügung stellen: „Das ist wie in der Schule. Manchmal braucht’s neue Lehrer, sonst wird es langweilig.“ Jeder habe eben seine eigene Art. Einen Nachfolgekandidaten kann Nettelmann derzeit nicht nennen. Als Schiedsrichter wolle er aber weiterhin zur Verfügung stehen. Auch bei seinem Stammverein SV Grün-Weiß Beckedorf bleibe er Spielertrainer der Ü40-Mannschaft. Überhaupt wolle er sich künftig mehr der Vereinsarbeit widmen.

Eckehard Schütt hat sich mit dem Gedanken befasst, wenn künftig auch das arbeitsintensive Amt des Lehrwarts nicht besetzt werden könnte. Eine wirkliche Lösung hat er zwar noch nicht. Aber vielleicht müsse man ja ganz neue Wege gehen, sinniert Schütt, womöglich kreisübergreifend.

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