Mosaic-Expedition des Alfred-Wegener-Instituts Achimer verbringt 130 Tage in der Arktis

Der Achimer Meteorologe Steffen Schröter verbrachte drei Monate auf dem Forschungsschiff „Polarstern“. Ziel der Expedition ist es, den Einfluss der Arktis auf das globale Klima nachvollziehen zu können.
08.07.2020, 16:49
Lesedauer: 3 Min
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Von Antonia Blome

Bis zu 30 Grad unter dem Nullpunkt, eine schier endlose Eislandschaft und kaum Sonnenlicht – die unbarmherzigen Verhältnisse der Arktis gehörten für den Achimer Steffen Schröter monatelang zum Alltag. Der Meteorologe driftete bis zum April dieses Jahres im Zuge der Mosaic-Expedition des Alfred-Wegener-Instituts mit dem Forschungseisbrecher „Polarstern“ durch das Nordpolarmeer. Ziel der bisher größten Arktisexpedition, die noch bis zum 12. Oktober läuft, ist es, anhand verschiedener Messungen den Einfluss der Arktis auf das globale Klima besser zu verstehen.

„Ich habe mich schon immer für das Wetter interessiert“, erzählt der 32-Jährige. Nach seinem Abitur absolvierte er zuerst eine Ausbildung zum Elektriker. Auf der Internetseite des Deutschen Wetterdienstes wurde er schließlich auf ein dreijähriges Studium im Bereich Naturwissenschaften aufmerksam. „Ich bewarb mich und das Studium ging im Jahr 2010 los“, erinnert er sich. „Ich war an unterschiedlichen Orten – darunter München, Frankfurt oder Köln – tätig.“

Blick in die Zukunft

An seiner Tätigkeit als Meteorologe reize den Achimer, gewissermaßen in die Zukunft blicken zu können. „Natürlich kommt es auch zu Fehlvorhersagen, aber wenn die Prognose dann passt, freut man sich umso mehr.“ Bis 2018 war Schröter beim Hamburger Flughafen tätig. Dann wurde in St. Pauli eine Stelle im Bereich Seeschifffahrtsberatung frei. Eine Fahrt auf hoher See sei schon immer sein Ziel gewesen. Ursprünglich hätte Schröter im vergangenen Jahr auf dem Forschungsschiff Meteor mitfahren sollen, was aufgrund einer Lebensmittelvergiftung allerdings scheiterte. „So ist mir aber die Tür zur ‚Polarstern' geöffnet worden.“ Dort hatte eine Mitarbeiterin gekündigt und er bot sich als Ersatz an.

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Das Team sei intensiv auf die Forschungsreise vorbereitet worden. „Dazu fand zum Beispiel Schießtraining mit Gewehren statt, das uns auf den Umgang mit Eisbären vorbereiten sollte“, schildert der Achimer. Zur Vorbereitung gehörten außerdem Erste-Hilfe- und Feuerlöschkurse sowie Lehrgänge zu Hochsee-Notfällen. Mit einem russischen Eisbrecher aus dem Jahr 1980 wurden die Teilnehmer schließlich Ende November abgeholt und innerhalb von 17 Tagen zur „Polarstern“ gebracht.

Neuer Alltag auf See

Nach der Ankunft im Dezember habe der neue Alltag auf dem Forschungsschiff schnell Form angenommen: „Meine Kollegin und ich arbeiteten täglich von 6 bis 20 Uhr, morgens ging es mit einem Wetterbericht für die Wissenschaftler los und wir besprachen uns mit den Piloten“, gibt der Experte einen Einblick in seine Routine. Von der Wettervorhersage der Meteorologen sei abhängig gewesen, ob die Forscher sich hinaus aufs Eis gewagt und zum Beispiel Wasserproben entnommen hätten.

Insgesamt 80 Tage verbrachte der Wissenschaftler auf dem Eisbrecher. „Irgendwann fällt einem natürlich die Decke auf den Kopf“, gibt Schröter schmunzelnd zu. Die Freizeit hätten sich die Forscher durch Karten- und Fußballspiele oder gemeinsame Barabende abwechslungsreich gestaltet. „Auf dem Schiff waren viele Menschen aus der ganzen Welt“, erzählt der 32-Jährige. „Diese Erfahrung hat meinen Horizont auf jeden Fall erweitert.“

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Kaum Kontakt zur Heimat

Kontakt zu der Heimat habe es während der monatelangen Forschungsreise kaum gegeben. „In der gesamten Zeit habe ich einmal mit meiner Familie telefoniert und das war an Weihnachten“, erinnert er sich. Doch obwohl der Kontakt zu Familien und Freunden spärlich war, habe die monatelange Abgeschiedenheit auch Vorteile gehabt. „Ohne Internet ist man viel geerdeter, man entschleunigt und zwischenmenschliche Kontakte gewinnen wieder an Wert.“

Aufgrund der dürftigen Internetverbindung seien auch nur wenige Informationen über die Corona-Krise bei dem Team angekommen. „Es ging für mich von der einen Isolation in die nächste“, beschreibt Schröter seine Rückkehr im April. Trotzdem möchte der Meteorologe die Erfahrung auf gar keinen Fall missen, wie er sagt. Denn die Expedition habe ihn nicht nur beruflich einen großen Schritt weiter gebracht: „An einem Ort zu sein, wo noch kaum ein Mensch war und die Naturgewalten hautnah zu erleben, veränderte mein Verhältnis zum Leben und gab mir einen ganz neuen Blickwinkel.“

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