Hunde in der Brut- und Setzzeit

An die Leine gebunden

Die Suche nach Alternativen für Spaziergänge mit dem Hund geht bald wieder los. Ab dem 1. April beginnt die Brut- und Setzzeit in Niedersachsen – und damit unweigerlich auch die Leinenpflicht.
26.03.2018, 17:14
Lesedauer: 3 Min
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Von Alexandra Penth

Verden. Klara Menzel zieht das Metalltor hinter sich zu. Sie löst den Karabinerhaken der Leine vom Halsband ihres Hundes Tango, der sich erwartungsvoll umblickt. Das Klickgeräusch ertönt – und schon jagt der hochgewachsene Mischling Cockerspaniel Carlotta hinterher. Deren Besitzerin Angelika Wilkening und Klara Menzel beobachten, wie ihre Hunde gemeinsam über die eingezäunte Freifläche im Verdener Bürgerpark rennen. Ganz aus dem Blickfeld verlieren sie ihre Schützlinge auf der 10 000 Quadratmeter großen Fläche nicht. Dass Vierbeiner überall so ausgiebig toben können wie hier, ist bald vorbei.

Ab dem 1. April ist nämlich erst einmal Schluss mit der Freiheit. Dann müssen Hunde wieder für dreieinhalb Monate an die Leine. Grund dafür ist die beginnende Brut- und Setzzeit. Hundebesitzer müssen sich nach Alternativen umsehen, damit ihre Hunde auch in den nächsten Monaten ausreichend Auslauf bekommen. Besonders schwierig ist das in ländlichen Gebieten, wo die besondere Schutzzeit vorrangig gilt. "Unter den Leinenzwang fallen Wälder und freie Landschaftsflächen. Der Innenstadtbereich ist nicht betroffen", erklärt Thorsten Schiemann vom Ordnungsamt.

Auf der Hundewiese im Bürgerpark können Vierbeiner weiterhin toben. Sie ist von den Einschränkungen in der Brut- und Setzzeit nicht betroffen. "Es ist eine Parkanlage, die in unmittelbarer Nähe zu Bebauungsgebieten liegt", begründet Schiemann. Spezielle Freilaufflächen wie die im Bürgerpark gibt es zu wenige in der Umgebung, findet Hundebesitzerin Wilkening, die vor einem Jahr von Langwedel nach Bremen gezogen ist. "Da sind die Auslaufplätze nicht so pralle", sagt sie. In der Vahr gebe es eine Hundewiese, die sei bei Regen aber recht matschig. Also kommt die sich in Altersteilzeit befindende Bremerin nach wie vor mit Carlotta nach Verden. Beim Spaziergehen lässt Wilkening die anderthalbjährige Hündin ungern von der Leine, weil sie ihren eigenen Kopf hat. "Hier kann man Carlotta aber einfach laufen lassen und gucken, ob es mit den anderen Hunden passt. Und meistens sind die Hunde dann verträglicher als an der Leine."

Klara Menzel ist spontan auf die Wiese aufmerksam geworden. Die 23-jährige Studentin, die zuletzt in den Niederlanden gelebt hat, ist zu Besuch bei ihrer Mutter in Nienburg und suchte im Internet nach einer nahegelegenen Freilauffläche. "Dann bin ich auf diese hier gestoßen", erzählt sie. Wie Menzel aufgefallen ist, gibt es in den Niederlanden mehr solcher Bereiche, die speziell Hunden vorbehalten sind. Was aber gleich ist, ist die Einhaltung der Brut- und Setzzeit, die in dem Nachbarland genauso gilt wie hierzulande.

Eine Streife, die kontrolliert, ob Hunde auf Waldwegen und Grünflächen in der Brut- und Setzzeit tatsächlich angeleint sind, entsendet die Stadt nicht. Die Polizei hat aber ein Auge auf Gassigänger, sagt Schiemann von der Stadtverwaltung. Auch von Privatleuten kommen manchmal Hinweise, dass Hunde ohne Leine umherlaufen. "Wenn wir von einem Verstoß erfahren, leiten wir ein Ordnungswidrigkeitsverfahren ein", sagt Schiemann. Hundebesitzer, die den Leinenzwang missachten, müssen mit Geldstrafen bis zu 100 Euro rechnen – je nachdem, ob sie wiederholt aufgefallen sind.

In den hiesigen Naturschutzgebieten dürfen Hunde zum Teil ohnehin nicht ohne Leine laufen. "In den Verdener Dünen müssen Hunde nur im FFH-Gebiet angeleint laufen, der Rest ist freigegeben – ausgenommen in der Brut- und Setzzeit", sagt Silke Brünn, Fachdienstleiterin beim Landkreis für Wasser, Abfall und Naturschutz. Die Ahndung der Verstöße von Hundehaltern ist Sache der Kommunen. Bei Schutzgebieten steht aber der Landkreis in der Verantwortung. "Wir haben ein bisschen Probleme an der Maulohe. Es ist aber nicht so schlimm, dass wir dort aktiv werden müssten. Der Großteil der Hundebesitzer verhält sich rechtskonform", sagt Brünn.

Carlotta und Tango sind an diesem Montagmittag die einzigen Hunde, die auf der Hundewiese am Bürgerpark herumtollen. Anders sieht es nachmittags und vor allem am Wochenende aus. "Sonntags habe ich es schon gehabt, dass wir mit 30 bis 40 Hunden hier waren", sagt Angelika Wilkening.

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