Projekt in Achim Integration auf kreative Weise

Eine Balletttänzerin, Blumen oder ein Baum, ein Phönix und eine orientalische Stadt werden demnächst das Bürgerzentrum in Achim verschönern. Dafür hat ein Integrationsprojekt gesorgt.
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Integration auf kreative Weise
Von Kai Purschke

Die gelben Sterne erhellen den Nachthimmel über Damaskus. Der Vollmond trägt seinen Teil dazu bei, dass die Häuserfronten in den knalligsten Farben strahlen. Die 13-jährige Baraa nimmt noch die allerletzten Pinselstriche vor, dann ist ihr Bild fertig. Entstanden ist es seit Mitte November im Bürgerzentrum (Büz) im Magdeburger Viertel. Dort fand ein Projekt statt, dass Kinder und Jugendliche aus dem Quartier mit Gleichaltrigen zusammengebracht hat, die an Kursen der Kunstschule Achim teilgenommen haben. Zum größten Teil zu zweit haben sie nun an den Bildern gearbeitet, die künftig einen festen Platz im sogenannten Frauenraum des Büz bekommen werden. Finanziert und damit ermöglicht hat das Projekt die Achimer Bürgerstiftung.

Baraa wirkt etwas verlegen, als sie erzählt, dass sie ihre Stadt von einem Bild abgemalt hat, das ihr Mary Hagen gezeigt hatte. Die Dozentin des Achimer Kunstvereins hat das Projekt geleitet und den Jugendlichen Hilfestellung gegeben. „Für die kurze Zeit kann man nicht mehr erwarten“, sagt Mary Hagen und wirkt zufrieden. Schließlich hätten sich die Teilnehmer, die meisten von ihnen sind weiblich, auch miteinander unterhalten. Marianne Staudacher vom Büz ist aufgefallen, dass es beim Malen sehr gesittet zugegangen sei. „Es war erstaunlich ruhig, alle haben konzentriert gearbeitet“, erzählt sie und erklärt, dass dies bei derartigen Projekten oder Kursen nicht immer der Fall und das Büz anderes gewohnt sei.

Farbmittel Gouache verwendet

Wenn alle da sind, tummeln sich 14 Minderjährige in dem Frauenraum – nicht immer hat es geklappt, dass alle vom Anfang bis zum Ende dabei geblieben sind. Und so musste auch Baraa zuletzt ihre orientalische Stadt alleine mit dem Farbmittel Gouache auf die Leinwand bannen. „Das würde ich mir auch aufhängen“, verrät Marianne Staudacher beim Blick auf die bunte Stadt. Und auch Gerhard Bethmann vom Vorstand der Bürgerstiftung ist ganz angetan. „Wir helfen generell bei Integrations- und Flüchtlingsprojekten, bekommen auch Spenden mit dieser Zweckbindung“, sagt er. Und dieses Projekt habe die Bürgerstiftung eben als sinnvoll erachtet.

Während sich einige Mütter mit den jüngeren Geschwistern der Projektteilnehmer in einem Nebenraum die Zeit vertreiben und durch die Glasscheibe das kreative Schaffen beobachten können, erzählt auch die 16-jährige Diana, dass sie ab einem gewissen Zeitpunkt ohne ihre Partnerin aus dem Magdeburger Viertel weitermachen musste. Ihrem Bild sieht man an, dass sich zwei junge Künstler den Platz geteilt haben – denn auf der einen Hälfte zeigt es ein paar Dschungelpflanzen, die nicht zu Ende gemalt wurden, auf der anderen einen beeindruckenden Phönix. „Ich wollte irgendwas mit Feuer machen, am Ende ist es der Phönix geworden“, erzählt Diana. Sie betonte: „Mit meiner Hälfte bin ich sehr zufrieden, aber meine Partnerin war nicht so oft da.“ Aus Sicht von Mary Hagen wirkt das zweigeteilte Bild trotzdem harmonisch: „Von den verwendeten Farben her passt es.“

Gegenseitige Unterstützung

Was nicht so recht passte, das musste sie im Verlauf des Projekts feststellen, war die gewünschte Zusammensetzung. „Ich habe es probiert“, hält Mary Hagen fest, aber die Tandems mit jeweils einem Teilnehmer aus der Kunstschule und einem aus dem Magdeburger Viertel funktionierten nicht immer wie gewünscht. Aber auch wenn die Eigendynamik der Teilnehmer diesem Vorhaben nicht zuträglich war, konnte Mary Hagen beobachten: „Sie haben sich gegenseitig geholfen.“

Und so bewerten letztlich alle beteiligten Erwachsenen dieses Integrationsprojekt als Erfolg, zumal sich die jungen Teilnehmer nur ein Mal wöchentlich für anderthalb Stunden mit ihren Bildern und ihren Mitstreitern beschäftigt haben. Da Mary Hagen kein festes Thema vorgegeben hat, haben diese ihrer Fantasie freien Lauf gelassen und so werden im Büz künftig auch eine Balletttänzerin, Blumen oder ein Baum zu sehen sein, die die blassgelbe Wand verschönern.

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