Bürgermeisterwahl Verwaltungsprofi kandidiert in Kirchlinteln

Bei der Bürgermeisterwahl in Kirchlinteln schicken SPD und Grüne mit Sabine Mandel eine gemeinsame Kandidatin ohne Parteibuch ins Rennen. Im Verdener Rathaus ist die 59-Jährige keine Unbekannte.
25.06.2021, 16:40
Lesedauer: 3 Min
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Von Andreas Becker

An die Arbeit im Rathaus ist Sabine Mandel gewöhnt. Seit 2003 ist sie in der Verdener Verwaltung tätig, seit 2017 leitet die 59-Jährige den Fachbereich für Bildung und Kultur. Jetzt möchte die Wahl-Kirchlintlerin den Dienstort wechseln und als Nachfolgerin von Wolfgang Rodewald als Bürgermeisterin ins Rathaus der Gemeinde einziehen. Als parteilose Kandidatin tritt sie für SPD und Grüne bei der Wahl am Sonntag, 12. September, an – vorbehaltlich der Zustimmung der Mitgliederversammlungen.

Als Schauplatz für das Pressegespräch über ihre Kandidatur wählt sie den Waldspielplatz in der Ritterallee in Kirchlinteln. Ein ruhiger Ort, direkt am Wald, der aber politischen Sprengstoff birgt. Denn an der Ritterallee soll Wohnbebauung entstehen, und dafür müsste der Großteil des Waldes abgeholzt werden. Seit Jahren streiten deshalb Naturschützer und Befürworter der Wohnbebauung über das Projekt. Gefragt, auf welche Seite sich die Kandidatin schlagen würde, antwortet sie ganz diplomatisch: "Das ist ein schwieriges Thema, weil der Naturschutz seine Berechtigung hat, und Wald auch klimatisch wichtig ist. Auf der anderen Seite brauchen wir auch bezahlbaren Wohnraum." Sie könne bei dem Thema beiden Seiten folgen. Aus Sicht der Gemeinde sei es auch wichtig, mehr Menschen in Kirchlinteln anzusiedeln. "Unter 10.000 Einwohnern haben wir ein finanzielles Problem, weil viele Förderprogramme nur ab dieser Einwohnerzahl gelten", sagt Mandel.

Unterstützung von Rot und Grün

Die Entscheidung zu kandidieren habe sie sich nicht leicht gemacht. Bereits vor mehreren Wochen sei sie von Vertretern der Kirchlintler SPD und Grünen gefragt worden, ob sie es sich vorstellen könne, mit der Unterstützung beider Parteien als parteilose Kandidatin anzutreten. "Es gab mehrere Gespräche und viele positive Rückmeldungen. Und nachdem mir die Spitzen der beiden Ortsvereine die Unterstützung signalisiert haben, habe ich zugesagt", erinnert sich Sabine Mandel. Grüne und SPD hätten eine parteilose Kandidatin gesucht, die Erfahrungen in der Kommunalverwaltung mitbringt. Diese hat Sabine Mandel eine Menge zu bieten und nicht nur das. Bevor sie ins Rathaus Verden wechselte, baute sie seit 1993 in Verden den Bürgertreff Hoppenkamp auf und leitete das Stadtteilzentrum zehn Jahre lang. 2003 sei sie dann ins Verdener Rathaus gewechselt. Dort führte sie zuerst den Fachbereich Jugend, Soziales und Sport, bevor sie dann die Leitung des Bereichs Bildung und Kultur übernahm. "Kommunalverwaltung in allen Facetten ist das, was ich gelernt habe", sagt sie. Dazu gehörten zu ihrem Fachbereich drei Fachausschüsse.

Mandel stammt aus Nordhessen, lebt aber bereits 27 Jahren im Norden. Erste Station war Wittorf (Landkreis Rotenburg). Seit vielen Jahren schon bewohnt sie in der kleinen Gemeinde Kükenmoor bei Kirchlinteln einen Resthof gemeinsam mit ihrem Mann, einem Biologen. Weitere Mitbewohner sind zwei Katzen und der 23-jährige Hannoveraner-Wallach Castor, den Sabine Mandel selbst gezüchtet hat. "Das ist auch das einzige Pferd, das ich gezüchtet habe, das ist sehr viel Arbeit", weiß die passionierte Reiterin.

Gespräch mit Hans Eichel

Am Amt der Bürgermeisterin schätzt sie in erster Linie "die Möglichkeit, mehr gestalten und bewirken zu können". Das hat die junge Sabine Mandel bereits in Nordhessen erfahren. Als Sozialpädagogin hatte sie mit dem damaligen Oberbürgermeister Kassels zu tun. Das war Hans Eichel, der später unter Gerhard Schröder Bundes-Finanzminister werden sollte. "Der hat damals auf Augenhöhe mit mir geredet, und ich habe gemerkt, dass man eine höhere Entscheidungsebene erreichen muss, um wirklich etwas bewirken zu können", erinnert sich Sabine Mandel. Aufgrund ihres Studiums und beruflichen Werdegangs liegen ihr soziale Themen am Herzen. Bildung natürlich, denn "ohne Bildung geht gar nichts." Wichtig sei ihr in einer ländlich geprägten Region auch die Landwirtschaft, denn Bauern müssten von den Erträgen ihres Hofes leben können.

Bei strittigen Themen, etwa der Bebauung Ritterallee, setzt sie auf eine enge Zusammenarbeit mit dem Gemeinderat, dieser habe schließlich am Ende die Entscheidungsgewalt. "Meine Aufgabe ist, dem Rat zuzuarbeiten, Impulse zu geben und den Ratsmitgliedern die Themen nahezubringen. Gemeinsam mit dem Rat Projekte zu entwickeln, hat mir schon immer Spaß gemacht", betont Sabine Mandel.

Jetzt muss sie erstmal fleißig Unterschriften sammeln, denn als Parteilose muss sie 120 Unterschriften bei der Gemeinde Kirchlinteln einreichen, um bei der Wahl zugelassen zu werden. Bis zum 26. Juli hat sie dafür Zeit. Anschließend steht ein anstrengender Wahlkampf unter besonderen Vorzeichen an, denn wegen der Corona-Pandemie komme den sozialen Netzwerken eine besondere Bedeutung zu. "Mein Patenkind freut sich jedenfalls schon darauf, mir bei Instagram zu helfen", sagt Sabine Mandel.

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