Kunstausstellung Geheimnisvolle Urmütter aus aller Welt

Ein "Weibliches Multiversum" gibt es jetzt im Domherrenhaus zu entdecken. Die Verdenerin Belinda di Keck hat es errichtet und zeigt damit Ausschnitte aus 30 Jahren ihres künstlerischen Schaffens.
31.01.2022, 16:20
Lesedauer: 3 Min
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Von Susanne Ehrlich

Ein "Weibliches Multiversum" gibt es jetzt im Domherrenhaus zu entdecken. Die Verdenerin Belinda di Keck hat es errichtet und zeigt damit Ausschnitte aus 30 Jahren ihres künstlerischen Schaffens. Die Besucher erwartet, so di Keck, "eine Zeit- und Gedanken­reise von den Urmüttern aus dem Pa­läolithikum über Göttinnen des alten Ägypten, der Antike und der Mythen bis in die heutige Zeit".    

Für Frauke Müller, die vor zwei Mo­naten die Leitung des historischen Museums aus den Händen des schei­denden Museumschefs Björn Emig­holz übernahm, ist diese Ausstellung sozusagen die erste offizielle Amts­handlung. Und darüber freue sie sich gleich doppelt: "Zum einen ist es sehr erfreulich, dass die Veranstaltung, die zweimal verschoben werden musste, endlich stattfinden kann." Zum anderen sei es schön, dass ihre neue Aufgabe ge­rade mit einer Bilderausstellung be­ginne, findet die studierte Kunstwis­senschaftlerin, die viele Jahre lang Ausstellungen bedeutender Künstler in verschiedenen großen Betrieben orga­nisierte. In der Reihe "Blue Thursday" hatte sie seit 2015 auch im Domher­renhaus verschiedene Künstler vorge­stellt, und so war ihre Beziehung zu dem musealen Kleinod entstanden, in dem sie jetzt Hausherrin ist.

Große Finissage geplant

"Schade, dass wir keine schöne Ver­nissage haben können", sind sich Be­linda di Keck und Frauke Müller einig. "Aber dafür soll es eine große Finissage geben", ergänzt die neue Chefin. Denn die Ausstellung solle bis zum 24. April bestehen und bis dahin werde sich die Lage hoffentlich entspannt haben. Im Zuge der Ausstellung soll es ver­schiedene Angebote geben, wie zum Beispiel ein Bildersuch-Rätsel für Kinder, verschiedene kreative Ferien­pass-Angebote sowie Gruppenführun­gen zu unterschiedlichen Themen. Ge­plant ist auch das Kulturevent „Sternenklang und Farbenspiel“, bei dem Belinda di Keck live zur Musik des Hang und anderer Klanginstrumente, gespielt von Otto Maier, malen wird.

Die Bandbreite der Exponate reicht von winzigen Treibholzskulpturen, wie zum Beispiel einem kleinen Boot, dass über die Todeslinie des Styx treibt, bis hin zu großen, leuchtenden Ölgemäl­den. Kleine Frauenporträts aus aqua­rellierten Kugelschreiber-Zeichnun­gen, Göttinnen-Köpfe aus verschiede­nen Materialien und geschnitzte hohe Holzskulpturen voll mythischer Sym­bolik sind den thematischen Abteilun­gen "Kraft", "Seele", "Liebe" und "Magie" zugeordnet.

Recherche auf dem Nil

Bildnisse der geheimnisvollen Urmütter aus aller Welt sowie Göttinnen-Bilder antiker Gesellschaf­ten zeigen "die Verwurze­lung der Frauen in der Geschichte", erläutert di Keck, die für ihre Recher­chen unter anderem eine Nilkreuzfahrt unternommen hat und in zahlreichen historischen Tempeln unterwegs war. "Es war mir wichtig zu zeigen, dass es in allen Kulturen ähnliche Entwicklungen in der Göttinnenwelt gegeben hat." In den ältesten Fassungen der Bibel sei selbst Maria noch als Himmelsgöttin benannt gewesen.

"Die Liebe zwischen den Menschen ist untrennbar mit der Liebe zur Schöp­fung verbunden", ergänzt sie. "Darum werden die Göttinnen in meinen Bil­dern als lebensfreundlich und eins mit der Natur gezeigt."

Wie eine Sonne erstrahlt ein Mandala-artiges Gemälde, dessen Zentrum ein kleiner Fötus bildet. Die Ornamente sind bei näherem Hinsehen kleine Morulae und Blastocysten, die frühes­ten embryonalen Stadien der menschlichen Ent­wicklung. 

Leuchtend helle Göttinnendarstellung

Spannend und auch künstlerisch wirk­lich gelungen ist eine leuchtend helle Göttinnendarstellung vor rotem Hin­tergrund, deren Unterleib der Kopf einer Löwin ist. Ihr Titel "Die Lichtbringerin" lenkt den Betrachter aus der so naheliegenden Vorstellung der "Vagina Dentata", dem Mythos der bezahnten Vagina, in eine freundli­chere Richtung. Solche und ähnliche Symbolik steht in vielen Bildern im Vordergrund, so auch bei der "Begeg­nung mit den Ahninnen", in der die vorherigen Frauen-Generationen wie mit leuchtenden Tentakeln mit ihren Nachkommen verbunden sind. "Vor dem Malen dieser Bilder bin ich in Meditation gegangen", erklärt di Keck, "und danach habe ich es einfach fließen lassen".

Sich selbst sieht sie als eine reinkar­nierte Seele. Insofern gehe ihre Wahr­nehmung, ihr Leben und ihr Bewusst­sein über das Irdische hinaus. "Durch meine Bilder treten immer wieder Energien aus anderen Ebenen durch", weiß di Keck, und das solle für den Betrachter zu spüren sein.

Leben in verschiedenen Universen

Den Titel "Multiver­sum" habe sie gewählt, weil ihr zum einen die Theorie plausibel scheine, dass viele Universen parallel neben­einander existieren, und weil zum an­deren die Frau selbst als Tochter und Mutter, als Liebende und Schaffende in vielen verschiedenen Universen lebe.

Das Multiversum Belinda di Kecks kann zu den Öffnungszeiten des historischen Museums bis zum 24. April besucht werden. Termine für Führungen werden auf der Internetseite  www.domherrenhaus.de angekündigt.  

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