Finanzausschuss Finanzspritze für Carsharing

Ein Carsharing-System soll die Zahl der Autos in Verden reduzieren. Das Projekt, für das es Geld von der Metropolregion Nordwest gibt, soll nun auch von der Stadt unterstützt werden.
15.07.2021, 16:19
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Von Marie Lührs

In der Verdener Innenstadt sollen künftig weniger Autos unterwegs sein. Das ist eines der Ziele, die das städtische Klimaschutzkonzept verfolgt. Nun sollen auch vorhandene Autos effizienter genutzt werden – Stichwort: Carsharing. Hintergrund ist ein von der Klimaschutz- und Energieagentur des Landkreises (Klever) und dem Unternehmen Allerbus initiiertes Projekt, mit dem sie bei einem Ideenwettbewerb der Metropolregion Nordwest gewonnen haben. Unter dem Titel "Unternehmensübergreifende Mobilitätscluster in Verden und in der Metropolregion Nordwest" soll ein Carsharing-Angebot mit Elektroautos aufgebaut werden. Neben eigens dafür angeschafften Wagen sollen auch Dienstwagen von Behörden und Firmen einen Pool bilden. Die Metropolregion Nordwest stellt dafür 190.000 Euro zur Verfügung. Und auch die Stadt Verden will für die Realisation ins Stadtsäckel greifen.

Eine Beihilfe von 53.000 Euro zur Finanzierung von vier Elektro-Fahrzeugen will nun die Stadt Verden beisteuern, wie es in einer Beschlussvorlage zu lesen ist. Im jüngsten Ausschuss für Finanzen und Vermögen stieß die Idee auf Zuspruch. Bereits in der kommenden Woche wird der Stadtrat über den Zuschuss entscheiden.

"Ziel und Bedingung des Projektes sind die stärkere Auslastung vorhandener Fahrzeuge und die langfristige Minimierung der Fahrzeugzahl im Stadtgebiet und damit eine effektive und zukunftsfähige Gestaltung der Mobilität", heißt es in der Vorlage. Abgewickelt werden soll das Projekt über einen externen Carsharing-Anbieter, der eine digitale Plattform zur Buchung, Organisation und Abrechnung zur Verfügung stellt. Acht Elektrofahrzeuge sollen dafür insgesamt angeschafft werden. "Aber es soll nicht bei acht Autos bleiben", erklärte die Klimaschutzbeauftragte Lisa Pischke bei der Ausschusssitzung. 

Ein Dienstwagen der Stadt wird allerdings nicht Bestandteil des Pools werden. "Als Stadt haben wir uns dagegen entschieden", sagte Pischke. Das sei steuerlich nicht umsetzbar. Die Autos sollen allerdings auch von der Stadtverwaltung für Dienstfahrten buchbar sein. 

In der Innenstadt sollen an mehreren Orten Stellplätze für die Fahrzeugflotte entstehen. Vorgesehen ist unter anderem die Große Straße 32 (Commerzbank) in der Nähe des Rathauses. Auch Standorte an der Osterstraße und der Oberen Straße werden aktuell noch geprüft. Zwei weitere sind an der Mainstraße geplant. 

Die Stadtwerke Verden sind ebenfalls mit im Boot. Sie übernehmen den notwendigen Ausbau der Ladeinfrastruktur. Pro Elektroauto soll eine Ladesäule mit zwei Ladepunkten geschaffen werden. So können nicht nur die Carsharing-Wagen dort geladen werden. 

Laut Umweltbundesamt ersetzt ein Carsharing-Auto langfristig durchschnittlich 15 private Fahrzeuge. Dadurch wiederum werden weniger Parkflächen benötigt und es entsteht Platz für den Ausbau der Rad- und Fußwege, Grünanlagen und andere Ideen. Zusätzlich werden Emissionen gesenkt, was dem Klima und somit auch dem Kohlendioxid-Sparziel der Stadt zugutekommt.

Die Verdener Verkehrsgesellschaft von Allerbus soll per Ausschreibung einen Anbieter finden, der über Erfahrung im ländlichen und kleinstädtischen Raum verfügt und bereit ist, mit eigenem wirtschaftlichem Risiko Carsharing in Verden umzusetzen.

Die Wirtschaftlichkeit ist es auch, die im Finanzausschuss für Fragen sorgte. "Was ist, wenn der Anbieter merkt, dass es nicht wirtschaftlich ist?", wollte Jens Richter (CDU) wissen. "Davon gehen wir nicht aus", entgegnete Pischke. Verden sei für ein solches Angebot gut geeignet. Sollte das Projekt dennoch scheitern, "ist die Beihilfe nicht mehr da". Wie es dann rechtlich um eine mögliche Entschädigung stehe, könne sie allerdings nicht sagen. 

"Eine Erfolgsgarantie gibt es nicht", räumte auch Bürgermeister Lutz Brockmann (SPD) ein. Aber er sei von dem "intelligenten Ansatz" überzeugt. Der Ausschuss brachte den Antrag schließlich einstimmig auf den Weg. An diesem Dienstag, 20. Juli, wird der Rat ab 17.30 Uhr bei seiner Sitzung in der Mensa der Oberschule Verdener Campus über das Vorhaben abstimmen.

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