Hannoveraner Verband

Der virtuelle Hammer fällt wieder

Beim Hannoveraner Verband steht die erste Delegiertenversammlung nach der Strukturreform an. Die Hengstkörung im Herbst gilt als Höhepunkt der Zuchtsaison.
26.09.2021, 16:55
Lesedauer: 3 Min
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Von Angelika Siepmann

Wenn am Montag, 1. November, in der Verdener Niedersachsenhalle die erste Delegiertenversammlung des Hannoveraner Verbandes nach Umsetzung der grundlegenden „Strukturreform“ stattfindet, wird das Thema Finanzen in vielfältiger Form vorkommen. Wie die 138. Elite-Auktion ausgegangen ist, wird dann schon feststehen und sich vielleicht positiv auf die vorläufige Ergebnisrechnung für 2021 ausgewirkt haben. Die neuerdings zweigeteilte Hengstkörung wird dagegen noch ausstehen und die des Jahres 2018, zumindest ein Ausschnitt daraus, wohl zwangsläufig noch einmal zur Sprache kommen.

Ehe sich die Vertreterinnen und Vertreter der Pferdezuchtvereine, die Vorsitzenden der Bezirksverbände und die Abgeordneten des Bezirksverbandes International in Verden zur Delegiertenversammlung einfinden, werden mal wieder Pferde verkauft: am Wochenende 23./ 24. Oktober. Zum zweiten Mal wird auch die herbstliche Elite-Auktion online abgewickelt. Beim vorherigen Begutachten des Reitpferde-Sortiments am Bildschirm muss es allerdings nicht bleiben. Die ausgewählten 50 Dressur- und 36 Springpferde können ab Dienstag, 12. Oktober, täglich in der Ausbildungs- und Absatzzentrale in Augenschein genommen und nach Absprache auch „ausprobiert“ werden.

Gebote sind ab dem 17. Oktober möglich, ins Bieterfinale für die einzelnen Vierbeiner geht es am ersten Auktionstag um 14 Uhr. Wenn alle Kandidaten unter den virtuellen Hammer gelangt sind, ist noch lange nicht Schluss mit der Pferdeversteigerung. Am Sonntag ab 16 Uhr sind 25 „qualitätvolle“, nach dem 1. Juni geborene Fohlen „mit abgesicherten Pedrigrees“ erhältlich. Und damit nicht genug, können ab 17.30 Uhr noch Junghengste erworben wer. Zur Anzahl gibt es bislang keine Angaben, wohl aber zur Präsentation: 21. und 22. Oktober in der Niedersachsenhalle.

Für 60 Reitpferde war vor knapp zwölf Monaten ein Durchschnittspreis von 29.900 Euro registriert worden. Der Nettoumsatz betrug rund 1,8 Millionen Euro. Begehrteste Offerte war die Stute St. Felice v. St. Schufro, auf die insgesamt 190 Gebote abgegeben wurden und die schließlich für den Spitzenpreis von 205.000 Euro nach Österreich ging. Die bislang letzte Präsenzauktion mit Elite­-Status im Oktober 2019 hatte bei 89 verkauften Hannoveranern einen Schnittpreis von rund 32.560 Euro erbracht; teuerstes Tier war mit 140.000 Euro L’Avion v. Livaldon, gezogen und ausgestellt von Katharina Oltmann-Heemke (Kreepen).

Zwei getrennte Kommissionen

Die Hengstkörung gilt als Höhepunkt der Zuchtsaison. Nachdem im vergangenen Jahr schon zwei getrennte Körkommissionen im Einsatz waren, Dressur- und Springspezialisten, wird diesmal noch deutlicher nach Disziplinen getrennt. Dies drückt sich besonders darin aus, dass es zwei separate Veranstaltungen im Abstand von vier Wochen geben wird: Die dressurbetonten Junghengste des Jahrgangs 2019 stehen vom 4. bis 6. November im Blickpunkt, die Springhengste vom 2. bis 4. Dezember. Die Abläufe bleiben jedoch „grundsätzlich unverändert“. Sichtung und Vorauswahl der hannoverschen und rheinischen Hengste an diversen Stationen im Zuchtgebiet beginnen am 1. Oktober.

Die gekörten Dressurhengste kosteten 2020 im Schnitt 126.409 Euro; die Springhengste mitgerechnet, ergab sich eine Durchschnittssumme von 89.635 Euro. Ein dunkler Sezuan-Sohn, als „beeindruckendes Kraftpaket“ beschrieben, eroberte erwartungsgemäß die Top-Position in der Preisstatistik: Ein Hengsthalter aus Schleswig-Holstein ließ für die Zukunftshoffnung der Dressurpferdezucht stolze 490.000 Euro springen. Kein Vergleich indes zu dem Rekordpreis, der vor drei Jahren für einen vielversprechenden Vivaldi-Nachkommen erzielt worden war: Rund zwei Millionen Euro hatte das Hengsthalter-Duo Paul Schockemöhle/ Andreas Helgstrand für den prachtvollen Prämienhengst locker gemacht.

Der Fall Dario

Sie knauserten auch sonst nicht, sondern blätterten auch noch 800.000 Euro für einen schwarzen Hengst v. Leatherdale hin. Vergleichsweise günstig nahm sich da beinahe der Zuschlagspreis von 120.000 Uhr für einen „Kollegen“ aus, der in der Folgezeit noch für reichlich Reibereien und Zündstoff bis hin zu zähen Gerichtsverfahren auf verschiedenen Ebenen sorgen sollte. Dario, so der Name des rasant und wenig rühmlich bekannt gewordenen Rappen, entwickelte sich zu einem facettenreichen „Fall“, der Auswirkungen bis in die Chefetage des hannoverschen Verbandes zeitigte und letztlich auch, im Juli 2020, zum Rücktritt des Vorsitzenden Hans-Henning von der Decken führte.

Wie mehrfach berichtet, war der Knackpunkt bei Dario der tierärztliche Befund Shivering-Syndrom. Die „Zitterkrankheit“ machte ihn untauglich für den eigentlich vorgesehen Zuchteinsatz in Dänemark. Die hartnäckige juristische Auseinandersetzung fand erst im Februar ein Ende. Mit der damaligen Käuferin und dem Verkäufer gab es eine, wie es hieß, „außergerichtliche, umfassende Vergleichsregelung“. Über alles weitere wurde Stillschweigen vereinbart. Auf der Tagesordnung für die bevorstehende Delegiertenversammlung taucht das Thema nun unter Punkt 16 auf: Darstellung der Ergebnisse aus den Rechtsstreitigkeiten Dario und dem Arbeitsgerichtsprozess ‚Dr. Werner Schade‘ inklusive der Überprüfung von Regressansprüchen gegen den ehemaligen Vorstand/Geschäftsführung.

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