Maiklänge Bandoneon trifft Kontrabass

Das Kammermusikfestival Maiklänge geht pandemiebedingt unter freiem Himmel über die Bühne. Neben dem Wetter sind auch die akustischen Bedingungen auf der Außenbühne eine große Unbekannte.
24.05.2021, 13:27
Lesedauer: 3 Min
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Bandoneon trifft Kontrabass
Von Jörn Dirk Zweibrock

Die Maiklänge unter freiem Himmel – das wird eine Premiere der besonderen Art. Nach der coronabedingten Enttäu­schung des vergangenen Jahres können die Fans des Verdener Kammermusik­festivals ihre Vorfreude nun doppelt ge­nießen: Intendant Nabil Shehata und das Organisationsteam am Domgymnasium haben beschlossen, dass jedes einzelne der vier Konzerte an diesem Wochenende, 28. bis 30. Mai, mit vollem Programm stattfinden soll. Die Konzerttermine mussten dabei jeweils um eine Stunde vorgezogen werden.  

Das Eröffnungskonzert beginnt am Freitag, 28. Mai, um 19 Uhr mit einem musikalischen Höhepunkt: Mozarts Klari­net­ten­quin­tett, das wohl bekannteste Werk seiner Gattung, wird für die so lange auf Diät gesetzten Musikfreunde ein Genuss werden – zugleich aber auch der Härtetest für eine werkge­rechte akustische Umsetzung im Freien. Bei den "Fünf Miniaturen" des zeitgenössi­schen Komponisten Jakob Fliedl handelt es sich um Dialoge zwischen Fagott und Kontrabass. Spannend wird es mit der Welturauffüh­rung eines Quintetts von Eric Sammut in der außergewöhnlichen Besetzung mit Marimbaphon, zwei Violinen, Klarinette und Kontrabass. Ob das imposante Instru­ment der japanischen Marimbaphon-Virtuosin Ria Ideta an der frischen Mailuft wohl bei guter Stimmung bleiben wird?  Eine originelle Kurzver­sion von Strawinskys "Petruschka" wird dann zum temperamentvollen Finale des ers­ten Abends. 

Argentinischer Abend

Gute Laune und Musik, die einheizt, bietet der Sonnabend unter dem Motto  "Viva Argentina". Der argentinische Ban­doneonist Marcelo Nisinman musi­ziert im Duo mit Klarinettist Chen Ha­levi oder im Trio mit Nabil Shehatas Kontrabass beziehungsweise dem fran­zösischen Fa­gottisten Gilbert Audin. Auf dem Pro­gramm stehen neben Musik von Astor Piazzolla, dessen 100. Geburtstag in die­sem Jahr gefeiert wird, mehrere Kompo­sitionen von Nisinman selbst, der auch als Komponist und Arrangeur große Be­deutung erlangt hat. Das Konzert wird zweimal hintereinander um 17 Uhr und um 19 Uhr  gespielt.   

Die Sonntagsmatinée  unter dem Motto "Kleinigkeiten machen die Summe des Lebens aus" bietet um 11.30 Uhr ein buntes Programm von kurzen Stücken, die es in sich ha­ben. Es beginnt mit einem "Divertisse­ment" von Jean Francais für Fagott und Streichquintett, gefolgt vom "Zapping Trio" von Eric Sammut für Marim­baphon, Klarinette und Kontra­bass. Auf ein Solostück für Marimbaphon folgt "El Enterriano" von Rosendo Men­dizabal, das ist eine Art Ragtime-Tango, den Nisinman für Bandoneon, Klari­nette, Fagott und Kontrabass eingerichtet hat. In derselben Besetzung trübt sich die Stimmung dann mit  "Ciu­dad Triste" von Osvaldo Tarantino für wenige Minuten ein, bevor der ar­gentini­sche Pianist José Gallardo den bis dahin ganz verwaisten Flügel besetzt. Mit dem Klaviersextett von Michail Glinka findet die Sonntagsmatinée ihr Finale.

Das Motto des Sonntagabends "Ohne Musik wär' alles nichts" spricht sicher allen Anwesenden aus dem Herzen. Mit der Sonate KV 292, arrangiert für Cello und Kontrabass, und dem Quintettsatz  KV 580b ist Mozart gleich zweimal ver­treten. Es folgen zwei Werke für Ma­rimbaphon und Piano. Das Finale der Maiklänge 2021 wird Mendelssohns Klavier-Sextett; auch dieses Konzert wird jeweils um 17 und 19 Uhr gespielt.

Hoffnung auf gutes Wetter

In die große Erleichterung, dass die Inzidenzlage zumindest ein Open-Air-Event erlaubt, mischen sich für die Organisatoren neue Sorgen. Musik­pädagogin Renate Kracke nennt einige von ihnen: "Natürlich kann uns das Wetter noch einen Strich durch die Rechnung machen. Außerdem haben wir kaum Erfahrung mit den akustischen Bedingungen unserer Außenbühne für Kammermusik. Und wie die Musikin­strumente, vor allem der große Flügel und das Marimbaphon, sich draußen verhalten werden, kann man gar nicht vorhersagen." 

80 Zuschauerplätze sind für jedes Kon­zert vorgesehen, und weil die beiden Konzerte am Sonnabend- und Sonntag­abend doppelt aufgeführt werden, können sogar noch mehr Besucher als in den vergangenen Jahren in den Genuss der Mai­klänge kommen – geimpft, getestet oder genesen versteht sich.

Neben den langjährigen Kooperationen und Sponsoren erhält das Kammermusikfestival diesmal auch Mittel aus der Bundesförderung Neustart Kultur.

Für die einzelnen Konzerte sind kurzfristig nur noch Restkarten über die Warteliste und eventuell an der Abendkasse erhältlich.

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