Ministerin zu Besuch

Corona als Brandbeschleuniger

Mit dem Projekt "Probierstadt Verden" hat die Stadt Verden 2020 dem Leerstand den Kampf angesagt. Die für regionale Entwicklung zuständige Landesministerin Birgit Honé hat sich nun vor Ort ein Bild gemacht.
05.07.2021, 17:19
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Von Marie Lührs

Die Stadt Verden hat dem Leerstand entlang der Großen Straße den Kampf angesagt. Seit vergangenem Jahr läuft das Projekt "Probierstadt Verden", ein Vorhaben, für das viel Geld aus Landesmitteln floss. Um sich einen Eindruck davon zu verschaffen, was die Mittel aus dem Fördertopf Zukunftsräume Niedersachsen bewirkt haben, war am Montag Birgit Honé (SPD), Niedersachsens Ministerin für Bundes- und Europaangelegenheiten und regionale Entwicklung, in der Allerstadt zu Gast. Was sie dort zu sehen bekam, gefiel ihr.

"Mit dem Projekt liegen wir goldrichtig", zeigte sich Bürgermeister Lutz Brockmann mit dem Geschehen zufrieden und präsentierte Honé gleich eines der Positivbeispiele: Ein vorerst letztes Mal konnte Künstlerin Ingrid Prill so nochmal Besucher in ihrem Atelier im ehemaligen Fisch Bremer begrüßen. Sie habe sich über die Möglichkeit, ihre Arbeiten mehrere Monate lang in der Innenstadt präsentieren zu können, sehr gefreut. Und mehr noch: Sie sei sogar auf der Suche nach einer zentral gelegenen Immobilie, um weiterhin in der Innenstadt präsent sein zu können. Ihr Pop-up-Store schließt nun allerdings erstmal die Türen, um für ein neues Projekt Platz zu machen.

Der Fördertopf Zukunftsräume fülle eine Lücke, erläuterte Honé bei einem anschließenden Pressegespräch. Denn während es für Großstädte und kleinere Gemeinden immer wieder Projektgelder gab, gingen Städte ab 10.000 Einwohner häufig leer aus. Die Zukunftsräume sollen genau diese Lücke schließen. Viele Städte in Verdens Größe litten unter Leerstand und der Konkurrenz aus dem Internet, weiß Honé. Corona sei in dieser Situation geradezu ein Brandbeschleuniger gewesen. Entsprechend wichtig sei es, nun Engagement zu zeigen. Und genau das habe die Stadt Verden getan, betonte die Ministerin bei ihrer Stippvisite in der Allerstadt.

Die Stadt Verden stellt seit vergangenem Jahr Menschen, die sich auf dem Markt erproben wollen, für mehrere Monate Geschäftsräume entlang der Großen Straße kostenfrei zur Verfügung. Von dem Angebot haben bereits mehrere Interessierte profitiert. In den kommenden Monaten sollen weitere Geschäftsideen folgen.

"Bei diesem Projekt ist fast alles möglich", erläuterte Honé die Vorzüge und freut sich, wie vielfältig die zur Verfügung gestellten Gelder landesweit genutzt werden. Neben Pop-up-Stores seien auch Co-Working-Spaces, also gemeinschaftlich genutzte Arbeitsräume, an anderen Projektstandorten sehr beliebt. Nicht jeder müsse das Rad neu erfinden, es brauche nur "Mut zur Lücke". 

Der Erfolg der Pop-up-Stores in Verden sei bereits Vorbild für andere Städte, erklärte die Landtagsabgeordnete Dörte Liebetruth (SPD), die sich der Reisegruppe aus Hannover angeschlossen hatte. So werde beispielsweise in Achim darüber gesprochen, ein vergleichbares Projekt anzugehen.

Ein Zukunftsforscher, mit dem Honé vor Kurzem im Gespräch war, habe Niedersachsen "gute Chancen" ausgerechnet, erzählt sie. Er habe eine "Renaissance der eher ländlichen Räume" angekündigt und von denen habe Niedersachsen als zweitgrößtes Flächenland Deutschlands eine ganze Menge zu bieten. 

Das Projekt müsse nun verstetigt werden, gab Brockmann der Ministerin mit auf den Weg. Denn den Städten wieder neues Leben einzuhauchen sei kein Vorhaben, dass in wenigen Jahren abgehandelt werden könne, sondern eine Generationenaufgabe. Honé zeigte sich zuversichtlich, dass weiteres Geld fließen werde. Noch liefen die Verhandlungen, doch der Erfolg der vielen verschiedenen Projekte spreche für sich.

In den kommenden Monaten sollen weitere Fördermittel aus einem anderen Topf verteilt werden. Sie stammen aus dem Sofortprogramm Innenstadt. 117 Millionen Euro stellt die Europäische Union dem Land Niedersachsen dafür zur Verfügung, erläuterte Honé. Die Förderquote liege bei 90 Prozent. Die Projekte müssen allerdings bis März 2023 abgeschlossen sein. Die Stadt Verden arbeite bereits an einem "tollen Antrag", kündigte Brockmann an. 

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Das Beste mit WK+