Neue Kirchenglocke

Schonzeit im Turm

Die neue Kirchenglocke wurde aus der Mitte der Andreas-Gemeinde finanziert. Eingeweiht wird sie an Erntedank.
20.09.2021, 17:09
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Schonzeit im Turm
Von Jörn Dirk Zweibrock

Früher hat sie jeden Tag dreimal geläutet, nun soll sie nur noch zu besonderen Anlässen, sprich an Sonn- und Feiertagen erklingen. Um die historische Glocke aus dem 13. Jahrhundert zu entlasten, hat sich die Verdener St.-Andreas-Gemeinde dazu entschlossen, eine neue anzuschaffen. Der rund 700 Kilo schwere Koloss aus Bronze steht mittlerweile im sanierten Glockenstuhl und wird pünktlich zu Erntedank, am Sonntag, 3. Oktober, mit einem Festgottesdienst eingeweiht. Der Stader Regionalbischof Hans Christian Brandy übergibt sie dann ihrer Bestimmung.

Wegen ihres Alters und wegen ihres Wertes wurde die alte Glocke im Zweiten Weltkrieg nicht beschlagnahmt. Unzählige Kirchenglocken wurden damals für die Rüstungsindustrie eingeschmolzen. "Umso größer ist unsere Verpflichtung zum Schutz dieser Glocke", sagen Pastorin Bettina Kattwinkel-Hübler und Claudia Wittboldt-Müller vom Kirchenvorstand. Mit den Planungen für die neue Glocke und die Sanierung des Glockenstuhls wurde bereits 2015 begonnen. Die Kosten für das Gesamtprojekt schlagen mit rund 87.000 Euro zu Buche und werden zur Hälfte von der Kirchenstiftung St. Andreas getragen. Weitere Säulen der Finanzierung sind Einzelspenden sowie ein Zuschuss der hannoverschen Landeskirche.

"Als Außenstehender kann man kaum erahnen, wie viele Einzelheiten bei so einem Großprojekt beachtet werden müssen", erzählt Wittboldt-Müller, die auch im Vorstand der Kirchenstiftung sitzt – von der Vibrationsmessung im Turm bis zur Festlegung des Glockentons. Schließlich müsse der Klang ja auch mit den anderen Glocken im Turm und denen des benachbarten Doms harmonieren. Gegossen wurde die neue Glocke übrigens in einer Gießerei im Münsterland, den Glockenstuhl hat hingegen eine Zimmerei aus dem thüringischen Eichsfeld errichtet.

Glocke passt zur Gemeinde

Im August wurde die Glocke schließlich aus der Grube gehoben und vom Lehmmantel befreit. Anfang September hat der Glockensachverständige der Landeskirche Hannover die Glocke in der Gießerei abgenommen und ihren Klang und ihre Beschaffenheit für gut befunden.

Neben der historischen und der neuen Glocke hängt hoch oben in der Andreaskirche noch eine weitere, nämlich die aus dem Jahr 1958. "Die Glocken haben einen gemeinsamen Glockenstuhl aus hochwertigem Eichenholz erhalten", erläutert Kirchenvorstand Walter Jarecki, der den Sakralbau an der Andreasstraße wie seine Westentasche kennt.

"Die neue Glocke passt einfach charakterlich gut zu unserer Kirchengemeinde. Sie ist genauso wie wir immer für eine Überraschung gut", ist Claudia Wittboldt-Müller überzeugt. Tatsächlich wurde sie fünf Tage zu früh geliefert und musste folglich noch erst in einer Scheune an der Eitzer Mühle zwischengelagert werden, bevor sie letztendlich mit dem Kran in die Höhe gehievt werden konnte. Welche Gemeinsamkeiten gibt es noch mit den "Schäfchen"? "Die neue Glocke ist nicht auf dem Egotrip – sie hängt in der Mitte und teilt sich den Glockenstuhl mit den anderen Glocken. Alle drei zusammen ergeben einen schönen Klang", führt die Kirchenvorsteherin weiter aus. Genauso wie die Mitglieder der Andreas-Gemeinde, die auch gut mit den anderen Verdener Kirchengemeinden auskommen und sogar noch eine Brücke über den Fluss bis in die Gemeinde Dörverden spannen. Zu St. Andreas gehören diesseits und jenseits der Aller rund 2400 Gläubige.

Symbol für den Frieden

In diesen Tagen montieren die Glockenmonteure aus der Glockengießerei die Glocken mit Joch und Klöppel im neuen Glockenstuhl. Nachdem die restlichen Gewerke ihre Arbeiten verrichtet haben, reist schließlich der Glockensachverständige zur Endabnahme an. "Früher gab es in unserer Andreaskirche ein vierstimmiges Geläut, die alte Glocke, die sich nun schonen muss, gehörte dazu und ist mindestens 750 Jahre alt", erläutert Kirchenvorstand Walter Jarecki.

Die neue Glocke trägt die Inschrift "Richte unsere Füße auf den Weg des Friedens" (Lukas 1, 79). "Sie soll auch zukünftigen Generationen zum Gebet und zum inneren und äußeren Frieden läuten. Damit es aber auch noch Menschen gibt, die dem Ruf der Glocke gerne folgen, ist es eben weiterhin nötig, dass unsere Gemeinde ein freundlicher und segensreicher Ort bleibt. Das bleibt sie vor allem durch Menschen, die andere inspirieren und einladen, wenn die Glocke läutet", schreibt Pastorin Bettina Kattwinkel-Hübler im aktuellen Gemeindebrief.

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