Ehemaliges Café Erasmie Moderne Fortsetzung der Tradition

In sehr moderner Form will Turgay Ünlü die Tradition im ehemaligen Café Erasmie weiterführen. Statt Seiferthscher Spezialtorte gibt es dort künftig farbenfrohe Donut-Variationen.
14.10.2021, 15:35
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Moderne Fortsetzung der Tradition
Von Marie Lührs

Das Gebäude an der Ecke Große Straße/Prediger Straße hat seit dem 17. Jahrhundert eine lange Tradition. Zuletzt beherbergte es das Café Erasmie. Jahrzehntelang kehrten Menschen dort für ein Stück Seiferthsche Spezialtorte und andere Genüsse ein. Turgay Ünlü möchte die Tradition nun in moderner Form weiterführen. Künftig wird es dort Donuts in unzähligen Variationen sowie Kaffeespezialitäten geben.

Seit Mittwoch können Passanten wieder einen Blick in die Räume werfen, deren Schaufenster über Monate mit einer Klebefolie verhüllt waren. In den kommenden Wochen können sie beobachten, wie in dem ehemaligen Café eine "Royal Donuts"-Filiale entsteht. Die Beschriftung der Fenster verrät den Vorbeigehenden bereits, auf was sie sich bald freuen können, und nicht wenige von ihnen halten bei ihrem Gang durch die Fußgängerzone kurz inne, machen Fotos oder unterhalten sich über die Neuerung in der Stadt.

Großes Interesse

Das große Interesse der Menschen – insbesondere auf dem Instagram-Kanal der Verdener Filiale – sei eine tolle Motivation für die letzten Wochen bis zur Eröffnung, erklärt Ünlü. Die sei Anfang Dezember geplant. Bis dahin ist aber noch viel zu tun, denn noch stehen die Räume gänzlich leer.

Farbenfrohe Bilder, die zum Selfies-Knipsen einladen, sollen einige Wände zieren. Allerdings soll auch ein wenig Tradition bewahrt werden, verspricht Ünlü. Der Tresen werde beispielsweise an gewohnter Stelle aufgebaut. Wie die Säulen blieb auch der italienische Marmorboden erhalten. In einer Ecke plant der Geschäftsführer mit Bildern an die Geschichte des Hauses zu erinnern. Entlang der Wände und am Fenster wird es Sitzgelegenheiten geben. Wer möchte, kann seinen Donut allerdings auch in einer kleinen Box verpackt mitnehmen, um ihn unterwegs oder zu Hause zu genießen. 

Beim Dekorieren zuschauen

Zubereitet werden die Süßspeisen in einer kleinen Küche, die aus dem Innenraum eingesehen werden kann. Viel Platz wird dafür nicht benötigt. Denn die blanken Rohlinge werden frisch angeliefert, verziert werden sie in Verden. "Es sind richtige kleine Kunstwerke", findet Ünlü und zeigt einige Beispiele. In über 150 Sorten gebe es die Schmalzkringel. Füllung, Glasur und Deko machen unzählige Variationen möglich und auch bei den Rohlingen selbst gibt es Unterschiede. So gibt es neben dem klassischen Donut, der aus einem Hefeteig besteht, beispielsweise auch eine Variante aus einem Blätterteig, den sogenannten Crossnut.

Die beliebtesten Kombinationen werden in der Auslage vertreten sein. Wer Sonderwünsche habe, bekomme auch die erfüllt, sagt Ünlü. Auch für Firmen und Events möchte er Spezialanfertigungen anbieten und sprudelt bereits vor der Geschäftseröffnung nur so vor Ideen. Firmenlogos oder Pferdefiguren könnten dann die Donuts zieren.

In den USA ist der Donut schon seit vielen Jahrzehnten ein Dauerbrenner. Über den großen Teich schaffte es das Gebäck allerdings erst deutlich später. Erst in den vergangenen Jahren erlangte der Donut in Deutschland größere Beliebtheit. Mehrere Unternehmen haben sich bereits auf die amerikanische Kalorienbombe spezialisiert. Royal Donuts ist relativ neu am Markt – und kommt aus Deutschland. Der Aachener Enes Seker hat 2018 in Köln die erste Filiale eröffnet, erzählt Ünlü. Inzwischen gebe es allein in Deutschland schon über 150 Filialen. Auch im Ausland sind bereits Ableger vertreten. 

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Ünlü hat die Marke durch einen Fernsehbeitrag kennengelernt und ist überzeugt: "Das wird zur Belebung der Innenstadt beitragen." Er wollte für die Immobilie in prominenter Lage unbedingt ein besonderes Angebot schaffen, etwas, das es so in Verden noch nicht gibt. Insbesondere bei jungen Menschen seien Donuts beliebt, sagt Ünlü. Er hofft allerdings, auch ältere Gäste in seiner Filiale begrüßen zu können. "Am Anfang werden bestimmt auch viele, die das alte Erasmie kannten, reinkommen, um zu sehen, was sich verändert hat." Einen größeren Teil der Kundschaft hingegen werden voraussichtlich die Schüler ausmachen, die es in Pausen, Freistunden oder nach Schulschluss in die Innenstadt treibt.

Die Donuts, die künftig an der Großen Straße über die Theke gehen, sind übrigens kein Dessert. "Sie ersetzen eine ganze Mahlzeit", sagt Ünlü. Das Merkmal der Süßspeise, das Loch in der Mitte, ist bei vielen von ihnen kaum noch zu erahnen. Bei dem sogenannten Topping möchte Ünlü künftig auch mit Produzenten aus der Region zusammenarbeiten. Lokales Obst oder aber Süßwaren aus dem Landkreis sollen dann die zuckrigen Kunstwerke zieren. "Es ist mir wirklich eine Herzensangelegenheit, etwas für meine Heimatstadt zu tun", sagt Ünlü.

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