Open Stage Verden

Beifall per Mausklick

Gewöhnlich findet die Open Stage auf dem Verdener Rathausvorplatz statt. Corona-bedingt ziehen die Musiker nun aber in das Rathaus - das Publikum kann von Zuhause das Geschehen verfolgen und mitmachen.
14.05.2021, 06:00
Lesedauer: 3 Min
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Von Marie Lührs
Beifall per Mausklick

Die Open Stage bietet erfahrenen und neuen Künstlern eine Bühne, um sich auszuprobieren.

Björn Hake

In der wärmeren Jahreszeit ist die Open Stage auf dem Verdener Rathausplatz ein beliebter Anlaufpunkt für Musikbegeisterte und jene, die ihre Talente einmal auf einer kleinen Bühne vor Livepublikum erproben wollen. Doch nach den aktuellen Corona-Regeln kann die "offene Bühne" aktuell nicht stattfinden. Theoretisch zumindest, denn das Organisationsteam hat eine Alternative gefunden. Daher steigt die Open Stage an diesem Sonnabend, 15. April, erstmals online.

Statt vor dem Rathaus spielen die Bands im Rathaus, erklärt Jeanette Atherton, die das Spektakel organisiert. Auf den heimischen Bildschirmen können Interessierte das Programm bequem verfolgen. Der Stream ist kostenlos und für jeden frei zugänglich. Den Applaus aus den Wohnzimmern können die Interpreten zwar nicht hören, doch über einen Chat haben die Zuhörer die Möglichkeit, das Geschehen live zu kommentieren. Beginn ist um 17 Uhr.

Schon im vergangenen Jahr hatte Atherton das regelmäßige Event Corona-bedingt umstellen müssen. Um den Auflagen gerecht zu werden, mussten Stühle paarweise aufgestellt werden, mit Flatterband wurden Bereiche abgetrennt und auch die Kontaktdaten der Zuschauer mussten festgehalten werden. "Das war ein wahnsinniger Aufwand, aber richtig gut besucht", erinnert sich Atherton. "Die Menschen hatten aber einen riesigen Spaß." Den sollen sie nun auch wieder haben – vorerst aber nur per Stream.

Die Moderation übernimmt Tom Kirk, der wie die anderen musikalischen Gäste schon mehrfach in Verden gespielt hat. Kirk wird allerdings nicht nur durch das Programm führen, sondern das Publikum auch mit seinen eigenen Stücken begeistern. Vor vier Jahren veröffentlichte der Sänger und Gitarrist sein erstes Soloalbum "Schluss mit dem Geschrei". Nun legt er mit "Schwarze Krähen, blaue Stunden" nach. "Musikalisch und textlich ist Kirk sich treu geblieben", sagt Atherton. Der Musiker stammt aus Walsrode und war lange Zeit als Straßenmusiker unterwegs. Diese Erfahrung präge bis heute seine Auftritte, erzählt die Open-Stage-Organisatorin. "Sein Gitarrensound ist pur und frei von Effekthascherei. Technische Spielereien sind ihm fremd."

Witz, Charme und eine feine Beobachtungsgabe zeichnen die zweite Künstlerin aus, die am Sonnabend auf der Bühne im Rathaus steht. Sandra Otte singt über die Nachbarin, die über alles und jeden Bescheid weiß, den Namen, der einem partout nicht einfallen will, und den Besserwisser, der zu allem seinem Senf hinzugibt. Dabei nimmt die Liedermacherin das menschliche Naturell genau unter die Lupe und verpackt ihre deutschsprachigen Texte mit eingängigen Melodien zu kleinen Geschichten. "Schmunzeln ist hierbei sicher vorprogrammiert", ist Atherton überzeugt. Denn alles worüber Otte singe, habe wohl jeder schon einmal so oder zumindest ähnlich erlebt.

Den dritten Akt bestreiten Marco Neumann und Marcus Friedeberg – allerdings nicht alleine. Denn wenn das Duo auf die Bühne tritt, sind auch die Zuschauer gefragt. Gemeinsam sind sie mit der Band Off Limits unterwegs. Auch unter dem Namen Pangea sind sie seit 1994 bekannt.

Unter dem Titel "Sing dein Ding", der auf eine Event-Reihe aus dem Cadillac Oldenburg zurückgeht, stimmen sie Titel aus Rock, Pop, Folk und Charts sowie Party-Klassiker an. Die Texte werden dabei auf den Bildschirm projiziert, sodass die Zuschauer auch bei Texthängern flüssig mitsingen können. "Die Songauswahl erfolgt per Abstimmung auf Facebook", erklärt Atherton. In der Gruppe "Du kommst aus Verden, wenn" können sie für ihre Lieblingstitel votieren.

Auch wenn das gemeinsame Singen per Stream anders sei als gewohnt, werden alle viel Spaß haben, versichert die Organisatorin. Denn Neumann und Friedeberg laden schon seit mehreren Wochen zu regelmäßigen Sing-Abenden dieser Art, die beim Publikum trotz der Umstände gut ankämen. Atherton verspricht "absolute Interaktion". Denn über den Chat können die Interpreten auch die Reaktionen ihres Publikums sehen und sich über digitalen Applaus freuen.

Nicht nur das Duo, auch Kirk und Otte kennen Auftritte vor Kamera statt vor einem Live-Publikum bereits. "Beim ersten Mal war es für sie befremdlich", sagt Atherton. "Auf Dauer brauchen die Musiker aber ihr richtiges Publikum." Das sollen sie auch bald bekommen. Denn für Juni hofft die Organisatorin, mit der Open Stage wieder in die Verdener Fußgängerzone ziehen zu können.

Das etwa zweistündige Online-Konzert wird auf dem Youtube-Kanal der Stadt Verden übertragen.

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