Stadtradeln

Entschleunigung auf zwei Rädern

238.841 Kilometer sind in diesem Jahr beim Stadtradeln in Verden zusammengekommen - rund 30 Prozent mehr als noch im Vorjahr. Nun wurden besonders eifrige Radfahrer im Rathaus ausgezeichnet.
22.06.2021, 15:46
Lesedauer: 3 Min
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Entschleunigung auf zwei Rädern
Von Marie Lührs
Entschleunigung auf zwei Rädern

Mit 2381 Kilometern hat Björn Grommisch die meisten Kilometer bewältigt. Eine Urkunde erinnert ihn nun daran.

Björn Hake

Das Wetter hat es ihnen nicht leicht gemacht, resümieren die Teilnehmer des diesjährigen Stadtradelns bei der Siegerehrung im Verdener Rathaus. "Nur Glatteis hat gefehlt", scherzen sie. Doch Wind, Regen und Kälte zum Trotz sind mehr Menschen als im Vorjahr für die Aktion in die Pedale getreten. Um ganze 30 Prozent hat die Teilnehmerzahl zugenommen, darüber freut sich auch Bürgermeister Lutz Brockmann. Die 1331 Radfahrerinnen und Radfahrer brachten es zusammen auf 238.841 Kilometer. Der Ausstoß von 35 Tonnen Kohlendioxid sei so vermieden worden, lobt Brockmann – vorausgesetzt, die Fahrten ersetzten Autofahrten. Aktuell führt Verden mit diesem Ergebnis die Bestenrangliste von Städten vergleichbarer Größe an. Doch lange werde die Stadt diesen Platz wohl nicht behalten, räumt Angelika Revermann ein, die das Stadtradeln seitens der Stadt betreut. Denn Städten wie Papenburg und Leer, die bekannt für ihre Fahrradbegeisterung sind, stehe die Aktion in den kommenden Monaten noch bevor.

Im Schnitt ist ein jeder Teilnehmende in Verden fast 180 Kilometer gefahren. Doch in der Realität waren die Kilometerzahlen breit verteilt. Während einige Radfahrer über die drei Wochen nur eine kleine Strecke zu vermelden hatten, traten andere besonders häufig in die Pedale. So brachte es der bei Focke tätige Björn Grommisch alleine schon auf 2381 Kilometer. Damit ist er Spitzenreiter der Einzelfahrer mit den meisten Kilometern, teilt Brockmann mit. Über den zweiten und dritten Platz können sich Heike Zdrojewski von der Gruppe Cycling Community Verden (1514 Kilometer) und Thomas Osterndorf, ebenfalls von der Firma Focke, (1391 Kilometer) freuen.

Osterndorf und Grommisch waren allerdings nicht die einzigen Mitarbeiter, die für das Team Focke eifrig in die Pedale getreten haben. So brachte es die Gruppe aus 46 Radelnden mit 13.071 Kilometern auch bei den drei Teams mit den meisten Kilometern auf der Treppchen. Die Nase vorn hatten allerdings die Schülerinnen und Schüler des Domgymnasiums, von denen sich 185 an der Aktion beteiligten. 26.706 Kilometer kamen so zusammen. Den dritten Platz haben sich die 75 Mitglieder von Eitze radelt los erfahren. Insgesamt hatten 90 Teams teilgenommen.

Dass sich die Eitzer so stark an der Aktion beteiligten, habe unter anderem mit einer Aktion des dortigen Heimatvereins zu tun, erläutert Anja König. Der Verein hatte eine Radroute entlang der Grenzen von Eitze organisiert, die Interessierte zu einem beliebigen Zeitpunkt abfahren konnten. Denn im Gegensatz zum vergangenen Jahr, war es in diesem schwieriger, das Stadtradeln durch geführte Radtouren zu ergänzen, erklärt Angelika Revermann. Kreativität war also gefragt.

Wie schon im vergangenen Jahr galt das Credo "Jeder Kilometer zählt". Denn auch wenn es für besonders eifrige Radfahrer Preise gibt, ist der eigentliche Gedanke hinter der Aktion, das Auto durch das Fahrrad zu ersetzen. Genau das haben auch die drei Radelstars der Stadt gemacht. Neben der Klimaschutzmanagerin Lisa Pischke fuhren Uwe Jordan und Superintendent Fulko Steinhausen mit gutem Beispiel voran. Sie ließen für den Aktionszeitraum ihre Autos links liegen – ein Schritt, der nicht immer leicht war, wie Steinhausen resümiert.

PK zum Stadtradeln vor dem Rathaus in Verden

Schien beim Auftakt des Stadtradelns noch die Sonne über Bürgermeister Lutz Brockmann und den drei Radelstars, machte es das Wetter an den folgenden Tagen den Teilnehmenden schwer.

Foto: Björn Hake

"Es war spannend zu sehen, was alles mit dem Rad geht und was nicht", erzählt der Superintendent. Die Corona-Krise sei ihm sehr gelegen gekommen, denn viele Besprechungen, für die er sonst quer durch den Kirchenkreis gefahren wäre, konnte er am Computer erledigen. Einige Male musste er dann aber doch reichlich in die Pedale treten. Bei einer besonders langen Tour gab auf halber Strecke dann der Motor der E-Bikes auf, und Steinhausen ließ sich von seiner Frau per Auto aufgabeln. Im Großen und Ganzen habe ihm die Aktion allerdings viel Freude bereitet und zu mentalem Ausgleich verholfen.

Als "drei Wellness-Wochen" bezeichnet Uwe Jordan seine Teilnahme. Der passionierte Radfahrer und pensionierte Polizeibeamte freut sich, über die entschleunigende Wirkung des Radelns. Natürlich müsse man immer bedenken, dass für den Weg auf dem Zweirad ein wenig mehr Zeit einplanen werden muss, als bei der Fahrt mit dem Auto – "Langwedel und zurück geht dann nicht mehr in einer dreiviertel Stunde". 

Auch im kommenden Jahr soll es wieder ein Stadtradeln geben. Ein Termin steht noch nicht fest. In Absprache mit anderen Kommunen soll er gefunden werden, vielleicht, so Revermann, werde der gesamte Landkreis sich auch auf einen gemeinsamen Zeitraum einigen. Sicher ist: In den Sommerferien wird der Termin nicht liegen. "Es nehmen auch viele Schulen teil", erklärt Revermann das Ausschlusskriterium.

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