Digitalpakt Schule

Klassische Tafeln haben ausgedient

In den Sommerferien wurden die Verdener Grundschulen mit Touch-Smartboards ausgestattet. Rund 800.000 Euro aus dem Digitalpakt Schulen sind in neue Tafeln, WLAN und Datenleitungen geflossen.
09.09.2021, 16:02
Lesedauer: 3 Min
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Klassische Tafeln haben ausgedient
Von Marie Lührs

Rund eine Million Euro bekommt die Stadt Verden, um ihre Schulen mit moderner Technik auszustatten. Einen Großteil der Mittel aus dem Digitalpakt Schule hat die Stadt bereits investiert. Zuletzt wurden während der Sommerferien Grundschulen mit sogenannten Touch-Smartboards ausgestattet. 51 Hightech-Tafeln, die von der Funktion her an riesige Tablets erinnern, verhelfen den Schülerinnen und Schülern nun zu einem neuen Lernerlebnis.

Doch mit dem Aufstellen der Technik sei es nicht getan, betont Alexander Kuhlenkamp, der für die EDV der städtischen Schulen zuständig ist. Denn es brauche auch die nötige Infrastruktur. Neue Datenleitungen, erweitertes WLAN, Schulungen für das Lehrpersonal und die Verbindung zu den Schulservern seien weitere Voraussetzung für das digitalisierte Arbeiten in den Bildungseinrichtungen. "Technischer Service muss sein", bestätigt auch Bürgermeister Lutz Brockmann bei einem Besuch in der Friedrich-Ludwig-Jahn Schule. Er sei froh über die Entscheidung des Rates, diese Arbeit der Stadt zu überlassen. 

Technische Unterstützung von der Stadt

"Ohne Support geht es nicht", macht Kuhlenkamp deutlich. Gemeinsam mit zwei Kollegen betreut er die Technik in den Schulen. In der Oberschule Verdener Campus sei bereits ein großer Teil der Schülerinnen und Schüler mit Tablets ausgestattet. Rund 1000 Geräte seien dort im Einsatz. Da es ab und an auch mal Probleme mit der Technik gibt, haben Kuhlenkamp und seine Kollegen ein eigenes Büro im Schulgebäude, in dem sie technische Unterstützung bieten. "Wir haben eine gewisse Zahl an Ersatzgeräten", erklärt Kuhlenkamp. Muss ein Tablet repariert werden, erhält die betroffene Schülerin oder der Schüler Ersatz.

Die Angst vor technischen Problemen war zum Anfang auch in der Jahn-Schule groß. "Was, wenn der Strom ausfällt?", habe sich das Kollegium gefragt, erzählt Schulleiterin Claudia Stüven. Andere hätten Zweifel an der Sinnhaftigkeit der neuen Tafeln gehabt. "Brauchen die nicht nur Gymnasien?", fragten sich die Skeptiker. Inzwischen seien allerdings alle mit den neuen Tafeln warm geworden. Die Angst vor Kinderkrankheiten habe sich nicht bestätigt. Alles läuft. Und auch Stüven kann sich für die neuen technischen Möglichkeiten inzwischen begeistern. Und so zeigt sie ihren Schülerinnen und Schülern im Religionsunterricht spontan Videos oder spielt Audiomitschnitte ein. Andere spielen mit den Schülern am Touch-Smartboards Lernspiele.

Flexibles Arbeiten

Ihr erster Gedanke, in jedem Raum die klassische grüne Tafel zu behalten und durch ein Touch-Smartboard zu ergänzen, erscheine inzwischen absurd, räumt Stüven ein. Das Board sei weit mehr als nur ein teurer Tafelersatz. Inhalte, die im Unterricht auf die Tafel geschrieben werden, können einfach abgespeichert und beim nächsten Mal wieder aufgerufen werden. Auch beim Wechsel von einem in den anderen Klassenraum können die Inhalte an der Tafel problemlos mitgenommen werden. "Die Lehrer brauchen nicht mehr fünf Minuten um die Tafel vorzubereiten, sie haben mehr Zeit für Kinder und Pädagogik", beschreibt Brockmann einen der Vorteile. Auch Medienwagen mit Fernsehern und DVD-Playern haben so, wie auch klassische Beamer, ausgedient. 

"Ich habe mein Buch vergessen" – diesen Satz bekommen Lehrer heutzutage kaum noch zu hören. Die meisten Lerninhalte sind auf dem Schulserver hinterlegt und können sowohl per Tablet als auch über die neuen Touch-Smartboards abgerufen werden. Nur das grüne Klassenbuch gibt es an vielen Schulen noch ganz analog.

Verden war früh dran

Der Förderzeitraum des Digitalpakts Schule begann bereits 2019 und läuft noch bis 2024. "Wir haben Ende 2019 einen Plan erstellt", blickt Bastian Ehlers, Abteilungsleiter Schule und Infrastruktur, zurück. Dass die Stadt das Vorhaben so früh in Angriff genommen habe, sei ein großes Glück. Denn während der Corona-Pandemie stieg die Nachfrage nach technischen Equipment rasant. Die Folge: Lieferengpässe. In anderen Kommunen sei man noch nicht so weit.

"Wir haben bereits Mittel in Höhe von rund 850.000 Euro abgerufen", sagt Ehlers. Insgesamt stünden der Stadt aus den Förderprogrammen das Landes Niedersachsen 1.040.798 Euro zu. Neben den Touch-Smartboards wurden auch Klassensätze Tablets angeschafft. Was nun mit der verbliebenen Summe geschieht, ist noch nicht ganz klar. "Wir haben aber viele Ideen", sagt Kuhlenkamp. So könnten für Grundschulen Lego-Technic-Sets angeschafft werden, für die Oberschule sei der Kauf von Plottern oder einem Lasergravierer für die Schülerfirma möglich.

Die Jahn-Schule sei bis vor kurzem noch die am schlechtesten versorgte Schule gewesen, sagt Kuhlenkamp. Diese Zeiten sind nun vorbei.

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