Wald

Schädlinge und Trockenheit

Förster Michael Müller vom Revier Diensthop sieht schwere Zeiten auf die heimischen Wälder zukommen. Die vergangenen Regenfälle hätten nur die Brandgefahr entschärft.
06.05.2020, 16:28
Lesedauer: 3 Min
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Schädlinge und Trockenheit
Von Andreas Becker
Schädlinge und Trockenheit

Befallene Fichte: der Borkenkäfer durchhöhlt das Holz mit Fraßgängen und legt Larven ab. Der Baum stirbt ab.

Christian Valek

Das Coronavirus und die Auswirkungen der Pandemie sind seit Wochen in aller Munde, dabei werden die negativen Auswirkungen des Klimawandels leicht vergessen. Bereits seit Jahren leidet der Wald, dem vor allem die fortgesetzte Trockenheit sowie der zunehmende Befall mit Schädlingen zu schaffen macht.

Wegen der herrschenden Trockenheit – im April regnete es so gut wie gar nicht – wurde bereits die höchste Brandwarnstufe fünf ausgelöst. „Der Feuerwehrflugdienst war auch im Einsatz“, erzählt Förster Michael Müller, der für das Revier Diensthop zuständig ist. Die Luftüberwachung wird automatisch mit Erreichen der höchsten Warnstufe hinzugezogen. „Jedes Feuer beginnt klein, sodass keine Rauchsäule zu sehen ist. Trotzdem muss es möglichst schnell gelöscht werden, und um den Brand überhaupt im Wald zu finden, dafür ist der Feuerwehrflugdienst sehr wichtig“, sagt Müller. Bis auf einen kleinen Brand an der Bahnlinie Verden-Rotenburg habe es bislang noch kein Feuer gegeben.

Eine hohe Brandwarnstufe im Frühjahr sei zwar nicht unüblich, da es in dieser Zeit auch schon früher trockene Phasen gegeben habe. „Aber die höchste Stufe, das ist schon außergewöhnlich“, betont der Revierförster. Zwar habe es in diesem Jahr auch ausgiebige Regenfälle gegeben, diese hätten allerdings nicht die Folgen jahrelanger Trockenheit ausgeglichen. „Zehn bis 15 Millimeter hat es ungefähr geregnet. Aber wenn Sonne und Wind wieder kommen, ist das Wasser schnell weg“, so Müller. „Das war keine Durchfeuchtung, sondern eine Betröpfelung.“ Zwar sei die Brandgefahr damit für den Moment gebannt, dauerhaft sei die Entwarnung damit aber nicht.

Verschärft wird die Trockenheit dadurch, dass die Vegetationsphase wegen der milden Winter früher im Jahr einsetzt. Dadurch brauchen die Pflanzen früher Wasser, und der Wasserbedarf über das Jahr steigt an. „Dazu kommen insgesamt frühere Temperaturen. Ob das Wetter dauerhaft so bleibt, wissen wir nicht, aber die Tendenz aus den vergangenen Jahren legt das nahe“, betont der Revierförster. Für Fuchs, Hase und Reh sei die Trockenheit noch kein Problem, da sich die Wasserstellen im Februar aufgefüllt hätten und noch nicht alle wieder ausgetrocknet seien.

Eher gestärkt durch das Klima zeigen sich seit einigen Jahren die Borkenkäfer – zum Leidwesen der Waldbesitzer und Förster. Denn der gefräßige Schädling befällt Fichtenbestände massiv und übersteht die milden Winter ohne Probleme. Mehr als 30 000 Exemplare können nach Angaben des Experten in einem einzigen Baum leben. „Wir kontrollieren die Fichten regelmäßig und entfernen befallene Bäume so schnell wie möglich. Denn bekämpfen kann man die Käfer am lebenden Baum nicht“, erklärt Michael Müller. Das Problem seien häufig Waldflächen in Privatbesitz, bei denen die Eigentümer entweder nicht wüssten, dass sie einen Fichtenbestand hätten, oder sich nicht kümmern würden oder könnten. „Das begünstigt die Ausbreitung des Käfers“, warnt Müller und erinnert an das Prinzip: Eigentum verpflichtet. Um auch diese Flächen im Zweifel zu kontrollieren, dazu fehle den Förstereien das Personal.

Aus dem Überangebot an sogenanntem „Käferholz“ resultiert mittlerweile ein Verfall der Holzpreise. Liegen die Preise pro Festmeter bei 90 bis 100 Euro, werden aktuell eher 25 bis 30 Euro gezahlt. Das trifft auch die staatlichen Forstbetriebe, die diese Einnahmen benötigen, um in den Waldbestand zu investieren, beispielsweise mit Neuanpflanzungen. Denn wo Holz geschlagen wird, muss auch neu aufgeforstet werden. „Das Geld aus dem Holzverkauf reicht normalerweise für die Neupflanzungen“, sagt Müller. Aktuell sei der Markt jedoch wegen des großen Angebots zusammengebrochen. „Ein Teil des Holzes wird nach Asien transportiert, aber ein großer Teil kann nur als Hackschnitzel nach Dänemark verkauft werden“, erzählt der Förster. Die Preise würden vom Weltmarkt diktiert und seien im Moment eben sehr niedrig. Wichtiger als ein etwas höherer Preis sei aus seiner Sicht, die mit Borkenkäfern befallenen Stämme möglichst schnell aus dem Wald zu entfernen.

Die Verwendung als Hackschnitzel ist für Michael Müller allerdings ein zweischneidiges Schwert. Zum einen sind die Holzwirte froh, überhaupt Käufer für ihren Rohstoff zu finden, zum anderen werde der gebundene Kohlenstoff durch das Verbrennen schnell wieder an die Atmosphäre abgegeben und damit zu einer Klima-Belastung.

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