Ökolandwirtschaft Immer mehr Bauern in Niedersachsen setzen auf Bio

Die Anzahl der Landwirte, die ökologisch produzieren, ist im 2018 in Niedersachsen erneut gestiegen. Der Trend erreicht jedoch nicht alle: Schweinezüchter und Geflügelproduzenten verändern kaum die Produktionsweise.
20.10.2019, 21:24
Lesedauer: 3 Min
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Immer mehr Bauern in Niedersachsen setzen auf Bio
Von Martin Wein

Der Wunsch der Verbraucher vor allem nach Bio-Milch und Bio-Eiern macht’s möglich: Im Agrarland Niedersachsen hat sich der Umbau der Landwirtschaft hin zu ökologisch verträglichen Produktions­weisen im vergangenen Jahr weiter beschleunigt. Nach 140 Landwirten im Jahr 2016 und 150 (2017) haben 2018 nun 160 Betriebe ihre Produktion auf Bio-Standards umgestellt. Das geht aus den Bericht zum Biomarkt Niedersachsen hervor, den das Kompetenzzentrum Ökolandbau Niedersachsen (KÖN) in Visselhövede mit Zahlen der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung vorgelegt hat. „Wenn das Wachstum in gleichem Maße anhält, wird Niedersachsen das formulierte Ziel von zehn Prozent Öko-Betrieben im Jahr 2025 erreichen“, glaubt KÖN-Geschäftsführerin Carolin Grieshop.

Mehr Höfesterben

Von 2009 bis Ende 2018 ist die Zahl der Bio-Höfe in Niedersachsen von 1320 auf 1953 angestiegen. Dass ihr Anteil inzwischen bei 5,4 Prozent aller Bauernhöfe liegt, hat allerdings auch mit dem beschleunigten Höfesterben konventioneller Betriebe zu tun. So sank die Anzahl landwirtschaftlicher Betriebe im Vergleichszeitraum von rund 41.000 auf knapp 36.000, was den Anteil der Bio-Höfe umso größer macht. Die Arbeitsschwerpunkte der im vergangenen Jahr umgestellten Betriebe liegen bei der Grünlandnutzung (67), im Ackerbau (35) sowie in der Rinderzucht ohne Milchwirtschaft (19). Dagegen stellten nur drei Schweinezüchter oder -mäster und neun Geflügelproduzenten ihre Arbeitsweise um. Innovativ sind die Landwirte vor allem in den vier Landkreisen Grafschaft Bentheim, Emsland, Harburg und Friesland. Dort hat sich die Zahl der Bio-Betriebe in den vergangenen zehn Jahren glatt verdoppelt. Da die Betriebe dort allerdings im Schnitt kleinere Flächen bewirtschaften als im Landesdurchschnitt, hat sich das insgesamt nicht so stark ausgewirkt.

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Auch bei den landwirtschaftlich genutzten Flächen geht die Tendenz trotzdem mit der wachsenden Zahl von Bio-Betrieben eindeutig in Richtung insektenfreundlicher und pestizidfreier Öko-Anbau. Seit 2009 ist der Anteil der Bio-Äcker und Bio-Weiden von 74.728 Hektar auf 107.694 Hektar gestiegen – allein 2018 ein Plus von 4,8 Prozent. Auf der Ergebnisseite ist die Kehrtwende hingegen noch nicht so gut erkennbar. Lediglich 12,6 Prozent der in Niedersachsen gelegten Eier hatten 2018 Bio-Standard. Damit konnten Niedersachsens Landwirte die Nachfrage nach Bioeiern nicht befriedigen. Diese lag mit rund 15 Prozent erstmals merklich höher. Bei Kartoffeln betrug der Bio-Anteil 2,2 Prozent, bei Milch 1,3 Prozent und bei Weizen 1,2 Prozent. Lediglich bei Äpfeln ist der Bio-Anteil mit 17,8 Prozent bereits über ein Nischenprodukt hinausgewachsen. Dabei ist Ökolandbau durchaus lukrativ.

Wer umstellt, braucht Plaungssicherheit

Seit 2015 verdienen Bio-Bauern nach den Marktdaten signifikant mehr als ihre herkömmlich arbeitenden Kollegen. Landwirte, die umstellten, brauchten vor allem Planungssicherheit, fordert Grieshop. „Das bedeutet eine verlässliche Förderung und gesicherte Abnahme.“ Deshalb sei es wichtig, weiter den Absatz und den Markt zu stärken. Unterentwickelt sei zum Beispiel der Anteil von Bio-Essen in Kantinen und Mensen. 1442 niedersächsische Schulen und Kitas nehmen immerhin am Schulobstprogramm und dem 2017 angelaufenen EU-Schulprogramm für Milch teil. Die Kitas können bislang ausschließlich Milch beziehen. Das Land Bremen habe mit seinem Senatsbeschluss zur schrittweisen Umstellung von Schulkantinen und Krankenhausküchen einen interessanten Weg eingeschlagen, sagt Grieshop.

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Auch in Bremen haben im vergangenen Jahrzehnt zahlreiche Betriebe auf Bio-Standards umgestellt. Hatten sich 2009 erst 13 Landwirte der ökologischen Landwirtschaft verschrieben, so waren es 2018 bereits 29. Die ökologisch bewirtschaftete Fläche hat sich im selben Zeitraum von 661 auf 1966 Hektar fast verdreifacht.

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