Social Media Niedersächsischer CDU-Politiker wird mit Provokationen zum Tiktok-Star

Uwe Dorendorf ist CDU-Abgeordneter im niedersächsischen Landtag. Dort tritt er eher selten in Erscheinung – bei Tiktok aber häufiger. Seine Videos provozieren und polarisieren – überwiegend mit Grünen-Bashing.
05.12.2022, 13:11
Lesedauer: 3 Min
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Von Marco Rauch

Am Abend der Landtagswahl feierte CDU-Politiker Uwe Dorendorf den Erfolg in seinem Wahlkreis mit einer dicken Zigarre und einer Ansage an die Grünen. Die künftig mit der SPD regierenden Partei müsse sich ganz warm anziehen, sagte er nach der Wahlniederlage seiner Partei im Oktober. Auch auf seinem Account bei der Social-Media-Plattform Tiktok teilt der 62-Jährige immer wieder gegen die Grünen aus: Er macht sich über Außenministerin Annalena Baerbock oder Wirtschaftsminister Robert Habeck lustig, sagt vor einem Grünen-Wahlplakat: „Wer gendert, hat die Kontrolle über sein Leben verloren.“ Einige werfen ihm Populismus vor.

Er selbst kann die Vorwürfe nachvollziehen, rechtfertig sich jedoch: „Um bei Tiktok Reichweite zu bekommen, muss man ein bisschen provozieren, sich selbst und auch andere auf die Schippe nehmen und alles ein bisschen lustiger gestalten“, erklärt Dorendorf seine Strategie.

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„Die jungen Leute erreicht man am besten über Social Media und speziell über Tiktok.“ Viele würden das nicht verstehen, sagt er. „Wir kopieren doch einfach nur bestimmte Dinge, die schon weltweit erfolgreich auf Tiktok gelaufen sind. Nur mit anderen Botschaften.“

CDU-Politiker Uwe Dorendorf hat 120.000 Follower auf Tiktok

Die Idee zu dem Account hatte ein früherer Praktikant. Nun hat Dorendorf, der bei Landtagssitzungen nur selten am Rednerpult steht, mehr als 120.000 Follower, manche Videos wurden mehrere Millionen Male aufgerufen. „Durch diese Reichweiten komme ich ja auch in andere Medien, zum Beispiel war ich jetzt zweimal bei Bild Live, da hab ich die Grünen dann mal richtig hochgenommen“, berichtet der 62-Jährige. Generell sind die Grünen sein Hauptgegner, was daran liege, dass sie in Niedersachsen „sehr weit links und ganz anders als die in Berlin“ seien.

Dass sich manche seiner Positionen mit denen der AfD überschneiden, stört ihn nicht: „Ich werde nicht meine Meinung zurückhalten, weil es eventuell auch die Meinung der AfD ist. Aber ich bin auch kein Sympathisant oder rechts.“ Die CDU solle generell ihr konservatives Profil schärfen – welches sie mittlerweile verloren habe.

Für Denise Sommer, Professorin der Kommunikations- und Medienwissenschaft an der Ostfalia Hochschule für angewandte Wissenschaften, ist das Erfolgsrezept des CDU-Politikers der Überraschungswert. „Als etablierter CDU-Politiker fällt er natürlich aus dem Rahmen, denn auf Tiktok präsentieren sich eher junge Menschen und das primär in Themenbereichen wie Musik, Mode, Comedy, Beauty oder Gaming“, erklärt Sommer.

Medienwissenschaftlerin glaubt nicht an Erfolg der Tiktok-Strategie

Dass seine Videos nicht gerade seriös, sondern eher satirisch und auf Unterhaltung ausgelegt sind, passe zur Plattform, da deren Nutzer und Nutzerinnen „in erster Linie Unterhaltung, Spaß und Zerstreuung“ suchten. Die Professorin glaubt jedoch nicht, dass diese Reichweite auch dafür sorgt, dass Dorendorf oder seine Partei Wählerstimmen gewinnen. Viele junge Tiktok-Nutzer hätten auch „Vorbehalte gegenüber allen etablierten Akteuren, die versuchen, sich der eigenen Logik von Tiktok anzupassen“. Daher müsse der 62-Jährige auch damit rechnen, dass die jungen Leute sich darüber lustig machen und irgendwann wegklicken.

Dorendorf sagt, Vorgaben seiner Fraktion halte er nicht immer ein, er folge seinem eigenen Kompass und Gewissen. „Damit macht man sich nicht immer beliebt und man bekommt auch keine großen Posten.“ Das liege auch daran, dass er sein Haupteinkommen nicht als Abgeordneter verdient. Der CDU-Mann betreibt eine Versicherungsagentur im Landkreis Lüchow-Dannenberg.

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Für Landtagsabgeordnete gibt es zehn Einkommensstufen, die sie melden müssen. Die niedrigste ist mit Einkünften zwischen 1000 und 3500 Euro, die höchste mit Einkünften von mehr als 250.000 Euro im Jahr. Uwe Dorendorf ist laut Landtag der einzige Abgeordnete, der die höchste Stufe gemeldet hat. Die Abgeordneten erhalten demnach eine steuerpflichtige Grundentschädigung von 7485 Euro und eine steuerfreie Aufwandsentschädigung von 1526 Euro monatlich. „Für die Arbeit, die man da leistet, ist das eigentlich zu wenig“, findet Dorendorf.

Ein Grünen-Fraktionssprecher will die Bedeutung von Dorendorfs Videos nicht überbewerten: „Der Abgeordnete Dorendorf spielt nach unserem Eindruck im Landtag keine herausgehobene Rolle, eher die des klassischen Hinterbänklers mit gelegentlichen Reden und Zwischenrufen.“ Er versuche, sich mit der Kritik an den Grünen in den sozialen Medien lediglich Resonanz zu verschaffen.

Der CDU-Politiker postet in unregelmäßigen Abständen Videos. Er habe keine Lust, täglich auf der Plattform aktiv zu sein. „Wenn man jeden Tag Steak isst, dann ist das irgendwann nichts mehr.“

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