G20-Gipfel Appell an die Politik

Am 6. Juli wollen 12.000 Fans in der Barclaycard Arena in Hamburg mit verschiedenen Superstars auf ihre Weise Politik machen, während am nächsten Tag der G20-Gipfel beginnt.
26.06.2017, 22:20
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Appell an die Politik
Von Markus Lorenz

Die Politik trifft sich zum G 20 – die Elite der internationalen Popmusik hält mit einem G 12 000 dagegen. So viele Fans wollen am 6. Juli ab 18 Uhr, dem Vorabend des G 20-Gipfels, in der Barclaycard Arena zur Musik einer imposanten Riege von Superstars feiern und auf ihre Weise Politik für eine bessere Welt machen.

Das erste Global-Citizen-Festival in Deutschland ist ein Ereignis, wie es Hamburg noch nicht gesehen hat: Coldplay, Shakira und Herbert Grönemeyer. Doch die Global-Citizen-Organisation des Australiers Hugh Evans will mehr. Die Konzerte setzen auf das Verbindende globaler Musik, um vor allem junge Menschen für den Kampf gegen globale Probleme zu mobilisieren und die Herrschenden wachzurütteln.

Sein Ziel für Hamburg beschreibt Evans so: „Dadurch, dass wir das Global-Citizen-Festival nach Deutschland bringen, wollen wir die G 20-Teilnehmer auffordern, sich zu verpflichten, eine dauerhafte Verbesserung in den Bereichen Bildung, Gesundheit, Entwicklungshilfe und der globalen Flüchtlingskrise voranzutreiben.“

Zukunft besser und hoffnungsvoller machen

Global Citizen dürfe sich angesichts der Herausforderungen nicht geschlagen geben, sagt der 34-Jährige, der ein begnadeter Motivator sein muss. Seit 2012 gewinnt er immer wieder Topacts der Branche für Auftritte bei seinen Festivals, die durchweg auf eine Gage verzichten. Rihanna, Stevie Wonder, Sting, Beyoncé, Cat Stevens – unter solchen Kalibern macht es Evans nicht.

Einer seiner überzeugtesten Mitstreiter ist dabei Chris Martin, Leadsänger der Band Coldplay und Schirmherr der Veranstaltung. „Lasst uns die Zukunft unseres Planeten besser und hoffnungsvoller machen“, rief er den Fans beim Festival 2015 im New Yorker Central Park zu.

Hamburg ist die vierte Station der Konzertreihe nach New York, Montreal und Mumbai. Schauplatz und Datum sind nicht zufällig gewählt. Unmittelbar vor dem G 20 will Global Citizen (Weltbürger) seine Botschaft von weltweiter Solidarität, Hilfe für die Ärmsten und Eintreten für Umweltschutz platzieren. Manch einer der Adressaten dürfte in der Barclaycard Arena die Forderungen persönlich vernehmen.

Noch andere Hit-Giganten

„Ja, es werden G 20-Politiker in der Halle sein“, heißt es von den Organisatoren. Namen? Die gibt es aus Sicherheitsgründen noch nicht. Dass US-Präsident Donald Trump zu den Zuhörern gehört, gilt freilich als ausgeschlossen. Und auch eine wohlmeinende Videobotschaft für Künstler und Besucher – wie 2015 von seinem Vorgänger Barack Obama – ist von kaum zu erwarten. Durchaus denkbar ist dagegen, dass Hamburgs Bürgermeister Olaf Scholz kommt.

Wer immer dabei ist, er bekommt außer Coldplay noch andere Hit-Garanten zu hören. Die britischen Überflieger, die den Hauptteil des Abends eröffnen, werden in ihrem Set von der Kolumbianerin und mehrfachen Grammy-Gewinnerin Shakira begleitet.

Sie appelliert vorab an die Staats- und Regierungschefs, endlich Maßnahmen zu ergreifen, um extreme Armut bis 2030 zu beenden. Und der Superstar verbreitet Zuversicht: „Ich glaube, dass wir – als Global Citizens – die erste Generation sein können, die sicherstellt, dass Kinder überall Zugang zu qualitativer Bildung, Gesundheit und richtiger Ernährung haben, um so aus dem Teufelskreis der Armut auszubrechen.“

Auch die deutsche Szene ist prominent vertreten

Optimismus und der Glaube an die gute Sache verbindet alle Akteure. Dazu zählt die britische Sängerin und Songwriterin Ellie Goulding („Love Me like You Do“) ebenso wie der US-Amerikaner Pharrell Williams („Happy“). Auch die deutsche Szene ist prominent vertreten. Allen voran mit Herbert Grönemeyer, der einen Anfang im Kampf für mehr Gerechtigkeit gemacht sieht.

„Entgegen allen Unkenrufen sind es Jahr für Jahr immer mehr Menschen, die sich als Bürger einer gemeinsamen Welt verstehen, für Veränderungen einsetzen und stark machen. Es macht Spaß zu tun!“ Liedermacher Andreas Bourani („Astronaut“) ist dem deutschen Publikum ebenso vertraut wie das Team von Co-Moderatoren, darunter Elyas M‘Barek und Florian David Fitz. Weitere Überraschungsgäste sind angekündigt.

Das Konzert ist indes nicht allein wegen seiner Besetzung bemerkenswert. Denn die meisten Tickets waren nicht zu kaufen. Wer die Stars erleben will, musste etwas dafür tun. Global Citizen forderte auf, sich mit E-Mails, Tweeds und Anrufen an Politiker und andere Entscheider zu wenden, und machte dazu konkrete Vorschläge.

Anfragen mussten verschickt werden

Der Weg zu Tickets für Hamburg führte beispielsweise über eine Twitter-Nachricht an die Kanzlerin. Inhalt: „Bundeskanzlerin #Merkel: Setzen Sie sich für legale & sichere Zugangswege ein, um 28 Millionen Kinder auf der Flucht zu schützen.“ Wer genügend solcher und anderer Anfragen verschickt hat, kam in die Verlosung (siehe Text unten).

Zehn Millionen solcher Aktionen zählt Global Citizen seit der Gründung 2011, die das Leben von einer Milliarde Menschen verändern hätten, sagt Evans. Bis jetzt seien auf diese Weise 30 Milliarden US-Dollar an finanziellen Zusagen gesichert worden. Hugh Evans‘ Lieblingsbeispiel ist das des schwedischen Premierministers Stefan Lofven. 100.000 Global-Citizens-Aufrufe hätten ihn nicht mehr ruhig schlafen lassen. Auf der Bühne von New York versprach Lofven 2015 sodann, in den nächsten 15 Jahren 60 Millionen Menschen auf der Welt den Zugang zu Sanitäranlagen zu ermöglichen.

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