Kommentar über die Lkw-Attacke in Berlin

Beklemmender Verdacht

Die jüngste Zeit hat Journalisten gelehrt, Ereignisse nicht überstürzt zu bewerten. Aber wenn es ein Anschlag war, dann wird er sich in die Erinnerungen einbrennen, meint Chefredakteur Moritz Döbler.
20.12.2016, 06:36
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Beklemmender Verdacht
Von Moritz Döbler

Die jüngste Zeit hat Journalisten gelehrt, Ereignisse nicht überstürzt zu bewerten. Aber wenn es ein Anschlag war, dann wird er sich in die Erinnerungen einbrennen, meint Chefredakteur Moritz Döbler.

Es wird sich auch am Tag danach kaum endgültig aufklären lassen, warum am Berliner Breitscheidplatz ein Lastwagen zwölf Menschen in den Tod riss. Schon Momente danach sprach die Polizei von einem Anschlag, auch Bundesinnenminister Thomas de Maiziere sagte, dass alles darauf hindeute.

Wenn der Verdacht zutrifft, dann glichen die Bilder von Berlin denen von Nizza nicht nur äußerlich, dann hätten sie einen beklemmend ähnlichen Hintergrund. Einen Lastwagen dort wahllos als Mordwaffe einzusetzen, wo Menschen gerade ausgelassen feiern – das zeugt von menschenverachtender Niedertracht.

Zwar sind voreilige Schlüsse verfehlt, denn es blieb zunächst unklar, aus welchen Motiven der Mann am Steuer handelte. Aber wenn es ein Anschlag war, dann bedeuten auch ohne dieses Wissen Ort und Zeit der Tat etwas: ein Weihnachtsmarkt mitten in der deutschen Hauptstadt, wenige Tage vor dem Fest der Liebe.

Und das blutige Geschehen spielte sich im Schatten der Gedächtniskirche ab, also jener Ruine, die nach dem Krieg bewusst stehengelassen wurde, um als Symbol des Friedens zu wirken. Wenn es also ein Anschlag war, mit welchen Hintergründen auch immer, dann wird er sich einbrennen in die Erinnerung als ein Akt gegen die Liebe und den Frieden. moritz.doebler@weser-kurier.de

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