Kommentar zum EKD-Rettungsschiff Die Kirche als Lückenbüßer

In der Flüchtlingspolitik setzt die Kirche ein richtiges Signal, doch das kann die Staaten Europas nicht aus der Pflicht entlassen, meint unser Autor Benjamin Lassiwe.
12.09.2019, 18:26
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Von Benjamin Lassiwe

Die Evangelische Kirche in Deutschland will ein eigenes Rettungsschiff ins Mittelmeer schicken. Das ist zunächst einmal eine richtige Initiative, denn es darf nicht sein, dass Tag für Tag Menschen im Mittelmeer ertrinken. Die Weltgemeinschaft kann hier nicht wegsehen, und wenn es keine staatliche Rettungsmission wie „Sophia“ mehr gibt, müssen zivilgesellschaftliche Organisationen einspringen.

Ob die Kirche dafür der richtige Akteur ist? Mit der Gründung des Trägervereins hat der EKD-Ratsvorsitzende Heinrich Bedford-Strohm diese Frage zumindest etwas abgeräumt – zumal sich die Zusammenarbeit der EKD mit lutherischen Christen in Italien oder Malta in der Flüchtlingsarbeit auch schon bewährt hat.

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Doch vor allem müssen die Staaten Europas aktiv werden. Als erstes braucht es einen klaren Schlüssel zur Verteilung der Bootsflüchtlinge auf die Mitgliedsstaaten der EU. Wenn einige Länder dabei nicht mitmachen, muss es eben ohne sie gehen. Nötig sind konkrete Maßnahmen, um die Lage in Libyen zu stabilisieren – eine UN-Blauhelmmission zum Beispiel. Und es braucht ein Einwanderungsgesetz und Resettlement-Programme für die Menschen, die derzeit in Libyen festsitzen. Denn dass sich täglich Menschen im Schlauchboot auf den Weg nach Europa machen und dabei ihr Leben aufs Spiel setzen, wird kein Rettungsschiff verhindern können. Das geht nur, in dem man andere Wege nach Europa schafft.

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