Spitzenkandidaten-Duo für Bundestagswahl gesucht Grüne starten Urwahl

Berlin. Vier fröhlich-farbige Fotoblasen auf grünem Grund – daneben ein schwarz-weißer Sigmar Gabriel mit mürrisch heruntergezogenen Mundwinkeln. Dazu die Aufschrift: „Keine Wahl“.
09.09.2016, 00:00
Lesedauer: 2 Min
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Von Thomas Kröter

Berlin. Vier fröhlich-farbige Fotoblasen auf grünem Grund – daneben ein schwarz-weißer Sigmar Gabriel mit mürrisch heruntergezogenen Mundwinkeln. Dazu die Aufschrift: „Keine Wahl“. Zu Katrin Göring-Eckardt, Anton Hofreiter, Cem Özdemir und Robert Habeck heißt es dagegen auf einem sonnenblumengelben Balken: „Qual der Wahl“. Mit dieser grafischen Installation kündigen die Grünen die Urwahl ihrer Spitzenkandidaten für die Bundestagswahl 2017 an. Den offiziellen Startschuss gibt an diesem Sonnabend ein kleiner Parteitag in Berlin. Unter dem Motto „Die Basis ist der Boss“ können die Mitglieder bis zum 31. Januar ihre Stimme abgeben.

Grünen-Geschäftsführer Michael Kellner sieht in dem Plebiszit eine „Riesenchance“ zur Mobilisierung der Partei und zur Gewinnung neuer Mitglieder und preist das „Erfolgsmodell“ von 2012. Das war nicht immer so. Denn vor der letzten Bundestagswahl hatten die Parteiflügel zunächst geplant, die Spitzenkandidaten in bewährter Weise auszukungeln. Zeitweise schien der realpolitische Flügel sogar bereit, den linken, aber regierungserfahrenen Jürgen Trittin als einzigen Kandidaten zu akzeptieren. Die Idee scheiterte jedoch an den Frauen. Schließlich einigte man sich auf ein Verfahren, das eine Urwahl vorsah, sobald es mehr als zwei Kandidaten für die beiden Spitzenposten gäbe.

Das „Erfolgsmodell“ Urwahl war geboren. Denn an der Abstimmung beteiligten sich mehr als 60 Prozent der Mitglieder, und ein paar neue kamen während der Kampagne hinzu. Das wünscht sich Geschäftsführer Kellner auch diesmal. Denn die Partei ist um einige tausend Mitgliede auf knapp unter 60 000 geschrumpft.

Diesmal ist die Fraktionsvorsitzende Katrin Göring-Eckardt unumstritten. Um den „Männerplatz“ konkurrieren Parteichef Cem Özdemir (Realo), Fraktionschef Anton Hofreiter (Linke) und der schleswig-holsteinische Agrarminister Robert Habeck. Der 47-jährige Schriftsteller betont seine Unabhängigkeit von den Flügeln und inszeniert sich in der Kandidatenschau als „Underdog“ und hofft auf einen Überraschungscoup, weil Özdemir und Hofreiter auch in ihren jeweiligen Flügeln die Herzen nicht gerade zufliegen.

Wer aus der offiziellen Ankündigung der Urwahl übrigens einen Rückschluss auf die Koalitionspräferenz zieht, sieht sich enttäuscht. Ein anderes Motiv zeigt Wahlkuverts öffnende Grüne: „Dürfen abstimmen.“ Daneben CDU-Delegierte mit „Angie“-Schildern und dem Kommentar: „Dürfen klatschen“. Mit einem „Eigenständigkeitswahlkampf“, sagt Michael Kellner, „haben wir gute Erfahrungen gemacht.“

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