Maskenpflicht auch im Unterricht? Debatte über Öffnung der Schulen nach den Sommerferien

Möbel- und Autohäuser durften wieder öffnen, inzwischen auch Kneipen. In vielen Schulen läuft aber weiter ein Corona-Notbetrieb. Kann der Unterricht nach den Sommerferien wieder halbwegs normal anlaufen?
07.06.2020, 12:43
Lesedauer: 2 Min
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Von Torsten Holtz, dpa

Ein Normalbetrieb der Schulen trotz der schwelenden Corona-Pandemie sollte aus Sicht des Deutschen Lehrerverbandes nur starten, wenn neue Hygieneregeln gelten. Wenn die Klasse wieder komplett in einem Raum sitze, sei eine Maskenpflicht auch während des Unterrichts sinnvoll - so wie in asiatischen Ländern, sagte Verbandschef Heinz-Peter Meidinger der „Bild“-Zeitung“. Allerdings erschwere das einen ordentlichen Unterricht, räumte er ein.

Ende der Woche hatten die Kultusminister der Länder noch einmal offiziell ihr Ziel bekräftigt, so bald wie möglich wieder zu einem normalen Schulbetrieb zurückzukehren.

Meidinger sagte, Bedingung dafür sei höchstmöglicher Gesundheitsschutz für Lehrer, Schüler sowie die Angehörigen. Dafür müssten Klassen und Lerngruppen vollständig und den ganzen Schultag über getrennt werden. Weiter schlug er regelmäßige Corona-Tests der Lehrer und Schüler vor sowie Notfallpläne für Ausbrüche.

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Grünen-Parteichefin Annalena Baerbock forderte bundesweite Leitlinien, wie Schulen und Kitas nach den Sommerferien zu einem kindergerechten Regelbetrieb unter Pandemiebedingungen zurückkehren können. Dass solche Vorgaben fehlen, sei ein schwerer Fehler, sagte sie der „Welt am Sonntag“. Auch hätte der Bund aus ihrer Sicht mit den Ländern einen Extra-Fonds auflegen müssen, damit Kindergärten und Schulen zusätzliches Personal bekommen.

An Grundschulen in Sachsen gibt es bereits Unterricht im gewohnten Klassenverband. In Sachsen-Anhalt, Schleswig-Holstein und Nordrhein-Westfalen soll dies in den kommenden Tagen und Wochen umgesetzt werden, auch wenn dabei die Abstandsregeln nicht mehr eingehalten werden können.

Aus Sicht der Grünen haben insgesamt in der Corona-Krise Kinder und ihre Rechte monatelang eine beklagenswert kleine Rolle gespielt. „Dabei sind Kinder das zerbrechlichste Glied unserer Gesellschaft. Aber statt die Voraussetzungen zu schaffen, damit Kitas und Schulen als erstes wieder öffnen, wurde ewig über die Öffnung der Fußball-Bundesliga und von Möbelhäusern diskutiert“, sagte Baerbock. Sie verwies auch auf die Leiden nicht weniger Kinder. „Fast jedes zehnte Kind hat während des Lockdowns Gewalt erlebt.“

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Lehrerverbandspräsident Meidinger forderte außerdem ein großes Investitionsprogramm für Schulsanierungen und Neubauten von Schulen. Dabei sollten die Förderzuschüsse an die Kommunen und Schulträger massiv aufgestockt werden, sagte er dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (Montag). „So ein zusätzliches Bildungspaket müsste angesichts des Sanierungs- und Modernisierungsstaus mit mindestens 20 Milliarden Euro ausgestattet werden.“

Meidinger rechnet auch mit einem schlechteren Abschneiden der deutschen Schüler bei der nächsten Pisa-Studie. Als einen Grund nannte er einen „weiter massiven Lehrermangel in den Naturwissenschaften und an den Grundschulen“. Auf all das kämen jetzt noch die Folgen der Corona-Krise oben drauf.

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OECD-Bildungsdirektor Andreas Schleicher hatte vor kurzem die Ansicht geäußert, dass die wochenlangen Schulschließungen und der weiterhin nur eingeschränkte Schulbetrieb sich in den nächsten Pisa-Testergebnissen niederschlagen könnten. Es sei gut möglich, dass die „sozialen Disparitäten“ in späteren Pisa-Vergleichen weiter zunähmen, sagte Schleicher der Deutschen Presse-Agentur.

Malte Rieth, Makroökonom am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW), hält die Rückkehr zum Regelbetrieb an den Schulen auch für volkswirtschaftlich dringend geboten. Der „Bild“-Zeitung sagte er: „Ein knappes halbes Schuljahr an Bildungsausfall bedeutet selbst nach konservativen Schätzungen einen künftigen Wohlstandsverlust von mindestens 110 Milliarden Euro.“ Noch nicht eingerechnet sei hier der Arbeitsausfall der Eltern.

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