SPD-Mann verlässt den Bundestag Peer Steinbrück tritt ab

Berlin. Einfach gehen, wenn Schluss ist, am Ende der Legislaturperiode? Oder gleich nach der Bundestagswahl 2013, als er die SPD in eine krachende Niederlage geführt hatte? Zu profan für einen wie ihn. Peer Steinbrück braucht die Aura des Besonderen.
16.07.2016, 00:00
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Von Thomas Kröter

Berlin. Einfach gehen, wenn Schluss ist, am Ende der Legislaturperiode? Oder gleich nach der Bundestagswahl 2013, als er die SPD in eine krachende Niederlage geführt hatte? Zu profan für einen wie ihn. Peer Steinbrück braucht die Aura des Besonderen. Auch wenn der große Auftritt nur noch in der kleinen Mitteilung besteht, dass er sein Parlamentsmandat Ende September niederlegt. Seit 2009 gehörte er dem Bundestag an. Eine kurze, aber bewegte Zeit.

Zweimal hat seine Partei in dieser Frist große Hoffnungen in ihn gesetzt. Erst als Finanzminister. Dann als Kanzlerkandidat. Als Ministerpräsidenten von Nordrhein-Westfalen war er 2005 voll in den Erdrutsch geraten, den Gerhard Schröder mit seinen Sozialreformen („Harz IV“) in der sozialdemokratischen Stammwählerschaft ausgelöst hatte. Er wechselte in die Bundespolitik und sollte mit seiner Dynamik den blassen Finanzminister Hans Eichel vergessen machen.

In dieser Zeit entstand das lange Zeit bekannteste Bild von Steinbrück: Es zeigt ihn an der Seite Angela Merkels, die in der Finanzkrise von 2008 den deutschen Sparern versicherte: „Die Spareinlagen sind sicher“. Der Minister war zwar davon überzeugt, dass er von der Materie mehr verstand als sie – aber politisch profitierte nun die Kanzlerin. Der Sozialdemokrat kam über die Rolle des Helfers nicht hinaus. Trösten kann er sich höchstens damit, dass er auf diese Weise indirekt zu ihrem umstrittensten Satz beigetragen hat. In der aktuellen Flüchtlingskrise hieß die umfassende Versicherung der Kanzlerin: „Wir schaffen das“.

Sozialdemokratischer Hoffnungsträger 2013 wurde der selbstbewusste Wahlverlierer von 2005 aus zwei Gründen: Weil SPD-Chef Sigmar Gabriel sich einen Sieg gegen Angela Merkel nicht zutraute und weil er – wie vor ihm Gerhard Schröder - zutiefst überzeugt war, es besser zu können als die Christdemokratin. Die Verkaufszahlen der beiden Bücher, die er als Ex-Minister schrieb und den Zuspruch bei Lesungen interpretierte er als politischen Zuspruch. Die zeitweilige Weigerung, die umfangreichen Einkünfte als Autor und Vortragsredner offen zu legen, offenbarte jedoch, dass er den Kontakt zur Wählerbasis längst verloren hatte. Kurz vor der Wahl entstand dann das zweite Bild, das zur Ikone des Peer S. wurde: In einem Magazin zeigte er seinen Gegnern den Stinkefinger.

Es kam, wie es kommen musste, der regionalen folgte eine nationale Wahlniederlage von historischen Dimensionen. Diesmal gab es kein Comeback. Die Interviewanfragen wurden seltener. Neulich bescheinigte er seiner Partei eine Lage, „so problematisch“ wie er sie noch nie erlebt habe. Er schwärmte von Willy Brandt und Gerhard Schröder. Über sich schwieg er, auch über sein großes Vorbild Helmut Schmidt.

Dem Uraltkanzler, mit dem ihn auch die Liebe zum Schachspiel verband, galt jedoch Peer Steinbrücks letzte Tätigkeit im Bundestag. Er bereitete den Beschluss zur Gründung einer „Bundeskanzler-Helmut-Schmidt-Stiftung“ vor. In ihr wird er nun mit 69 Jahren seine letzte Rolle finden: Als Nachlassveralter.

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