Draht & Esel „Mit Rückenwind an der Weser ­– ein bisschen wie fliegen!“

Reiseveranstalter und Skilehrer, Teilzeit-Gastronom und Faltradfan: Jens Heeren ist waschechter Bremer und hat ein besonderes Verhältnis zu Fahrrädern.
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„Mit Rückenwind an der Weser ­– ein bisschen wie fliegen!“
Von Sara Sundermann
Das erste Mal auf zwei Rädern

Ich bin schon sehr früh Rad gefahren, und zwar ohne Stützräder. Gelernt habe ich das bei meinen Großeltern in der Neustadt. Fahrräder sind seitdem immer mein Begleiter. Ich fand es schon als Grundschüler cool, mir Räder vom Sperrmüll zu holen und daran herumzubasteln. Ich stand damals auf riesige Lenker wie bei einer Harley Davidson ... der Lenker konnte gar nicht groß genug sein.

Das aktuelle Fahrrad ...

... ist ein Faltrad der Marke Brompton. Das ist schon ein Edelfalter, quasi der Mercedes unter den Falträdern. Es hat ein zeitloses Design, und das Falten funktioniert optimal. So ein Rad schließt man nicht draußen an, das nimmt man mit rein – theoretisch kann ich das selbst in die Disco mitnehmen. Und immerhin kann man wirklich schnell damit fahren, 40 Stundenkilometer sind kein Problem. Daneben besitze ich auch ein Rennrad und ein No-Name-Rad für den Alltag.

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Die schönste Tour

Das war eine Reise, die ich nach dem Abitur mit einem Kumpel gemacht habe. Wir sind mit Rennrad sechs Wochen lang durch Europa gefahren. Knapp 4000 Kilometer haben wir zurückgelegt. Wir hatten keine Fahrradtaschen dabei, sondern nur einen Rucksack, und haben in Jugendherbergen übernachtet. Damals war das etwas Spezielles, wir waren ohne Handy und GPS unterwegs, und haben unseren Weg mit Straßenkarten gesucht. Wir waren in Holland und Belgien, in Paris, Straßburg und München. Einmal haben wir zum Beispiel bei einer Pause für ein paar Stunden in einem Sonnenblumenfeld gepennt – es war eine sehr intensive Reise.

Die Vorgängermodelle

Vor meinem Faltrad hatte ich oft gebrauchte No-Name-Räder, die gut für die Stadt geeignet sind, allein schon wegen der Diebstahlgefahr. Ich hatte aber auch einen Miele-Oldtimer, eine Art schönes altes Hollandrad. Es war einfach ein erhabenes Gefühl, damit zu cruisen.

Der letzte Diebstahl

Mir sind bestimmt schon zehn Fahrräder gestohlen worden, und zwar alle in Bremen. Besonders über zwei davon bin ich wirklich sehr traurig: Zum Einen ist mir mein schönes Miele-Rad aus dem Vorgarten gestohlen worden. Und dann wurde mir ein Rennrad in der Innenstadt geklaut, obwohl ich es abgeschlossen hatte.

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Die Lieblingsstrecke

Ich mag den Weg durch die Wallanlagen und fahre auch sehr gerne durch den Bürgerpark. Und bei Rückenwind an der Weser lang, das ist einfach geil. Man riecht den Fluss, und das ist ein bisschen wie fliegen.

Der ausgefallenste Fahrradschmuck

Auf meinem Faltrad habe ich ein Original-Autogramm des Erfinders der Brompton-Räder, Andrew Ritchie. Er kam zu einem der Faltradrennen, die wir in Bremen organisieren, und da habe ich seine Unterschrift auf meinem Stahlrahmen eingeheimst. Ansonsten brauche ich keinen Fahrradschmuck: Ich stehe auf puristischen Charme. Für mich hat ein Faltrad wie das Brompton an sich schon einen ästhetischen Wert.

Die am häufigsten gefahrene Strecke

Eine Hauptstrecke gibt es bei mir eigentlich nicht, ich bin immer wieder anders durch die Stadt unterwegs.

Der schlimmste Unfall

Ich habe mich noch nie ernsthaft bei einem Fahrradunfall verletzt. Ich glaube, das ist kein Zufall, denn ich fahre mit offenen Augen durch die Welt.

Faltradfahrer sind …

... entspannt, aber schon auch oft Selbstinszenierer. Die meisten Alltagsfaltradfahrer sind auf jeden Fall stilbewusst. Früher war der Dresscode Anzug, Krawatte und Faltrad – very british.

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Ich fahre gern Fahrrad, weil …

… es in Bremen innerstädtisch das schnellste Verkehrsmittel ist. Ich finde es auch einfach schön, draußen zu sein. Und Fahrradfahren ist kommunikativ, man ist nicht eingespannt in den Käfig des Autos, man kann überall spontan anhalten und Leute grüßen.

Fahrradfahren in Bremen …

… macht Spaß. Doch man muss auch sagen: Bremen will eine Fahrradstadt sein, ist aber noch weit davon entfernt. Allein, wenn man sich die Radwege anguckt – ich fahre ständig über Baumwurzeln, oft parken Autos die Radwege zu. Deshalb bin ich mit meinem Rad meistens auf der Straße unterwegs, da bin ich sichtbarer.

Und bei den Fahrrad-Schnellrouten, die für die Stadt so wichtig wären, geht es auch nur im Schneckentempo voran. Die Bremer Radfahrer sind bisher auch nicht gut genug organisiert. Insgesamt wird und muss sich die Mobilität in der Stadt massiv verändern. Mancher kann und will sich das heute noch nicht vorstellen. Aber in 20 Jahren wird man sagen: Damals ist man tatsächlich noch mit dem Auto in die Innenstadt gefahren.

Die Fragen stellte Sara Sundermann.

Info

Zur Person

Jens Heeren ist Reise- und Eventveranstalter, studierter Lehrer und gelernter Skilehrer, Gastronom bei Werder-Heimspielen, waschechter Bremer und Organisator von Faltradrennen.

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