Mit Herbstbeginn kommt das Blockheizkraftwerk der Stadtwerke auf Touren / Es wärmt Häuser, Schulen und Bäder – und es liefert Strom Achims größte Heizung bullert sich wieder warm

Achim. Der Beton-Kasten, der im Schatten eines Wohnblocks liegt, wirkt unscheinbar. Wer nah an ihn herantritt und genau hinhört, der vernimmt ein leises Summen.
05.10.2013, 00:00
Lesedauer: 3 Min
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Achims größte Heizung bullert sich wieder warm
Von Felix Weiper

Der Beton-Kasten, der im Schatten eines Wohnblocks liegt, wirkt unscheinbar. Wer nah an ihn herantritt und genau hinhört, der vernimmt ein leises Summen. Nichts deutet darauf hin, dass sich im Inneren des grauen Klotzes zwei echte Kraftprotze so richtig ins Zeug legen und hinter schallgedämmten Wänden ein Getöse verursachen, das an den Lärmpegel von Flugzeugtriebwerken heranreicht: Es sind große Maschinen, die Gas verbrennen und dabei Wärme und Strom produzieren.

Die beiden mannshohen, blau lackierten Motorblöcke mit je zwölf Zylindern sind das Herzstück des Blockheizkraftwerks (BHKW) der Stadtwerke Achim – der leistungsfähigsten Heizungsanlage der Weserstadt.

Wenn das Achimer BHKW bullert, dann erwärmt es zahlreiche Ein- und Mehrfamilienhäuser, die beiden Gymnasien der Stadt, die Haupt- und Realschule, das Hallenbad, das Freibad und das Rathaus. „Die kältere Jahreszeit hat begonnen, jetzt ist das BHKW wieder voll gefordert“, sagt Christian Müller. Der Diplom-Ingenieur ist bei den Stadtwerken verantwortlich für das BHKW. Im Sommer laufe in der Regel nur eine Maschine, erklärt Müller. Mit Beginn des Monats Oktober sei der Heizbedarf gestiegen. „Zumindest in den Morgenstunden ist jetzt auch wieder der zweite Gasmotor in Betrieb.“

Mit Gehörschutz betritt Müller den Maschinenraum. Unterhaltung ist hier nur in Zeichensprache möglich. Der Ingenieur zeigt auf ein Geflecht aus silberglänzenden Rohren, die zu den Motoren hin oder von ihnen weg führen. In mächtige Isolierschichten eingepackt sind die Leitungen, durch die heißes Wasser fließt. Pumpen befördern das Wasser ins Fernwärmenetz. Mit einer Temperatur von 75 Grad Celsius kommt es bei den Kunden an.

20 Millionen Kilowattstunden an Wärmeenergie erzeugt das BHKW Achim im Jahr. Müller übersetzt die Zahl: „Es ist der Wärmebedarf von rund 800 Einfamilienhäusern.“ Erst im vergangenen Jahr haben die Stadtwerke das BHKW modernisiert und dafür 2,2 Millionen Euro investiert. Neue Gasmotoren und eine neue Absauganlage ließen die Stadtwerke einbauen. Das BHKW wird seit 1983 mit Erdgas betrieben, zuvor wurde Öl als Brennstoff genutzt. Damit Achims größte Heizung auch bei längeren Frostperioden ausreichend Wärmeenergie für seine Kunden bereitstellen kann, ist es mit zwei weiteren gasbetriebenen Kesseln ausgestattet, die jederzeit zugeschaltet werden können. Auch diese Kessel haben im vergangenen Jahr neue Brennertechnik erhalten.

Weil das BHKW sowohl Strom als auch Wärme erzeugt, ist es besonders effizient und umweltfreundlich. Es nutzt den Brennstoff Gas besser aus als andere Kraftwerke, die nur Elektrizität liefern. 90 Prozent der Energie, mit der das BHKW betrieben wird, kommen umgewandelt als Wärme und Strom wieder heraus. Es gehen also nur zehn Prozent der eingesetzten Energie verloren. Man spricht von einem Wirkungsgrad von 90 Prozent. Zum Vergleich: Ein Kohle- oder Atomkraftwerk, das lediglich Strom erzeugt, weist im Vergleich zum BHKW einen Wirkungsgrad von durchschnittlich 40 bis 60 Prozent aus. Das heißt, eine große Menge der eingesetzten Energie geht im Kraftwerk selbst und auf dem Weg vom Kraftwerk zum Stromnutzer verloren. Das BHKW Achim speist pro Jahr eine Strommenge von 12 Millionen Kilowattstunden ins Netz der Stadtwerke ein. Das entspricht dem jährlichen Verbrauch von rund 4000 Haushalten. Erst im Oktober 2012 sind eine neue 20000-Volt-Schaltanlage und neue Transformatoren eingebaut worden.

Weniger Ausstoß von Kohlendioxid

Überwacht wird das BHKW von der Hauptniederlassung der Stadtwerke. Das Kraftwerk arbeite „mannlos“ , erklärt Christian Müller. Mit der Modernisierung im vergangenen Jahr sei es nochmals umweltfreundlicher geworden, sagt der Geschäftsführer der Stadtwerke, Sven Feht. Das betreffe vor allem den Ausstoß von Kohlendioxid, der weiter verringert worden sei. Feht betont, die Stadtwerke seien bestrebt, das Fernwärmenetz weiter auszubauen. Die Kunden haben den Vorteil, dass sie keine eigenen Kessel oder Gasthermen betreiben müssen. Erst vor gut einem Jahr sind 15 Mehrfamilienhäuser mit 60 Wohnungen in der Friedrichstraße neu ans Fernwärmenetz gegangen.

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